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Die geographisch-politische Weltlage Italiens.
Deutschland führenden Straßen leichter zu passiern.*) Die sehr wichtige Brenner-straße (4300 Fuß) führt von Botzcn durch die Thalengen der Eisach nur über einenniedrigen Centralpaß nach Innsbruck.**) Minder wichtig sind die Straßen vonVenedig und Treviso über Pontafel (2412 Fuß) nach Villach und von Görz längsdes Zsonzo über den Predil (3600 Fuß) ebenfalls nach Villach. Von der höchstenBedeutung dagegen für die Verbindung mit Deutschland ist die Straße von Trieftnach Wien über den Adelsberg (1800 Fuß), welche schon vor Anlegung der zumgrößten Theil vollendeten Eisenbahn durch die Verbindung des Drau- und Sauthalsauch der bequemste Weg nach Ungarn und dessen südwestlichen Vorländern gewordenwar. Mit Ungarn wird Italien außerdem durch die Marie-Luisenstraße von Fiumedurch drei Pässe nach Karlstadt und weiter aus dem Kulpa- in das Sauthalverbunden.
Schon diese Angabe der Communicationsstraßen kann uns überzeugen, daßDeutschland von Italien aus am meisten zugänglich ist. Die Längen- und Quer-bildung der Alpen greift hier ganz besonders durch Neben- und Seitenthäler ineinan-der. Die ostwärts sich senkenden Längenthäler der Donau-Nebenflüsse werden vonden Ouerthälern des dem Adriatischen Meere zufließenden Gewässers mitunter fastberührt. So kommt man z. B. von Rienz nach Licnz durch das Pusterthal ausdem Flußgebiete der Etsch in das der Drau, ohne daß man einen Bergpaß zu über-steigen hätte. Die meisten Straßen haben daher eine für Fuhrwerke, wenigstens mitnicht zu großer Schwierigkeit, zu überwindende Höhe. Wegen dieser für ein Hoch-gebirge geringen Schwierigkeit der Passage ist es hier am ersten möglich gewesen,eine Schienenstraße zu bahnen, welcher gewiß, wie sich auch die politischen Bezie-hungen Italiens gestalten mögen, noch andere nachfolgen werden. Wie das südöst-liche Deutschland durch die zum Theil vollendete, zum Theil in Bau begriffene Bahnvon Wien nach Triest am Adriatischen Meere einen Hasen gewonnen hat, so solles auch mit dem südwestlichen geschehen. Freilich bewirkt auch diese Wien-TriestinerBahn eine Verbindung mit Italien: sie reicht gewissermaßen über das schmale Meerher der lombardischen Bahn die Hand. Indessen führt sie doch den Verkehr mehran den italienischen Küsten vorbei unmittelbar nach Deutschland, was weniger beider Anlegung einer directen Eisenstraße vom Adriatischen Meere nach dem südwest-lichen Deutschland der Fall sein würde. Durch diese würde das continentale Ita-lien ein Hinterland gewinnen und den Beruf erlangen, dessen Verkehr nach demöstlichen Mittelmeere und über dasselbe hinaus nach dem Orient zu vermitteln. Da-her ist nicht blos Genua für den Verkehr mit dem westlichen, sondern auch Venedigfür den Verkehr mit dem östlichen Mittelmeere mit Deutschland durch eine Eisenbahnzu verbinden, und zwar in doppelter Weise, nämlich nicht blos über Mailand durchdas obere Rheinthal nach dem Bodensee und zugleich über Zürich nach Basel, son-dern so direct als möglich, durch das Thal der Etsch und Eisach über den Brennerin das Znnthal.***) Bei Vollendung der süd- und westdeutschen Eisenbahnen würde
*) Diese hohe Straße über das Stilfser Joch, durch deren Anlage der Bau über den Sinnplon gar sehr übertreffen ist, besaß für Ostreich große Wichtigkeit; denn nach Erwerbung desBeltlin (1814) verband sie durch dasselbe (über Sondrio und Bormio) das früher hier ge-trennte Herzogthum Mailand unmittelbar über Glurns im Etsch-, und über Finstermünz imJnnthale mit dem nördlichen Tirol.
**) Von Botzen führt zudem eine Straße das Etschthal hinauf über Meran nach Glurnsund dann weiter auf dem schon bezeichneten Wege in das Lnnthal, welches wieder durcheine Nebenstraße über den Arlberg und durch das Jllthal von Landcck nach Feldkirch mit demRheinthale und dem Bodensee verbunden ist. Diese beiden Wege, von Botzen über den Bren-ner oder über Finstermünz, würden zur Anlegung von Schienenwegen zu benutzen sein.Auch war früher die Rede, die Fortsetzung des Jnnthales durch Graubünden, das untere undobere Engadin, durch Verbindung mit dem Thale der Maira zu einer möglichst geraden Eisen-straße nach Mailand zu benutzen.
***) Noch kurz vor dem Ausbruche der Revolution war auch die letzte Bahn fest beschlossenworden. Eine Bahn über Finstermünz und von da zugleich nach dem Bodensce hätte größere