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Erster Band.
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Die geographisch-politische Weltlage Italiens. 167

aus dieser Straße in der Richtung über Innsbruck, München, Stuttgart, Mainz,Koln nach Antwerpen und Ostende Centraleuropa auf dem kürzesten Wege durch»schnitten werden, wodurch von selbst der geradeste Weg von dem Centraleuropa ge-genüberliegenden England nach dem östlichen Mittelmeere, und aus demselben überdie Landenge Suez nach Indien gegeben ist.

Dieser Weltverkehr kann sich aber der schon an sich weniger dazu geeignetenWestseite Norditalicns, welche kein Hinterland hat, und der Südseite Frankreichsschon aus dem Grunde nur in einem beschränkter» Maße zuwenden, weil hier dieeuropäischen Binnen-, die meisten Nord- und alle Ostseeküstenländer ferner sind.Dabei führt der Seeweg von dem Orient nach Mitteleuropa gerader und kürzerdurch das Adriatische Meer als mit der sicilischen Biegung durch das TyrrhenischeMeer nach Genua oder dem noch weiten: Marseille. Diese und andere Westitalieni-schen und südfranzosischen Küstcnstädte sind daher mehr auf den Verkehr innerhalbdes Westbeckcns, Trieft und Venedig aber auf den Verkehr innerhalb des OstbeckenSdes Mittelmecres gewiesen, wobei jedoch eine wechselseitige Betheiligung am Verkehrauf dem ganzen Mittelmeere nicht ausgeschlossen ist, wie denn namentlich Marseillestets den Handel Frankreichs nicht blos auf dem Westbecken mit der gegenüberliegen-den afrikanischen Küste, mit Spanien und weiter in den Atlantischen Ocean, sondernauch über das Ostbecken mit dem ganzen Orient vermitteln wird. Es ist mehrfachbereits darauf aufmerksam gemacht worden, daß durch die Vollendung insbcsondersder centraleuropäischen Eisenbahnen der Welthandel, wie einst durch die entdecktenSeewege, so wieder eine andere Richtung gewinnen wird. Statt dessen, daß derselbein den letzten Jahrhunderten von den atlantischen Seestaaten fast gänzlich betriebenwurde, wird er sich von nun an mehr den centralen, aber dem Meere zugänglichenLandmächten zuwenden. Die Bedeutung der atlantischen Seestaaten dauert zwarnoch fort; denn der Verkehr mit Amerika und Westafrika wird ausschließlich überden Atlantischen Ocean betrieben werden müssen: es bleiben aber diese Staaten nichtalleinige Vermittler des Welthandels, indem dieser in Beziehung auf Nord- undOstafrika, Vorder-, Mittel- und Hinterasien, ja selbst Australien sich wieder zumgrößten Theile der mediterranen Seite Europas zuwenden wird. Wie schon ange-deutet wurde, durchschneiden die wichtigsten Wege für den Handel in der Richtungvon Südost nach Nordwest das Festland von Europa, nämlich ganz besonders dascentrale Deutschland, die Ostseite Frankreichs und das kontinentale Italien. Wolltedas letztere aber sich von Centraleuropa isoliren, so würde es dadurch nothwendigvom Weltverkehr ausgeschlossen werden; denn unbedingt nothwendig ist auch dasnördliche Italien für die Vermittelung dieses Verkehrs nicht. Auch von Westdeutsch-land kann der Handelszug in das östliche Mittelmeer ohne erheblichen Umweg überdas politisch nicht zu Italien gehörende und auch seinem Wesen nach fast deutschgewordene Triest geleitet werden, sobald dieses nur mit Salzburg durch eine Eisen-bahn direct verbunden würde; und ins westliche Mittelmeer führt, ebenfalls mit Um-gehung Italiens, von Deutschland eine Straße über Strasburg, Lyon nach Marseille.

Aus dieser Darstellung geht nun hervor, daß Italien, sollte es auch seine po-litische Unabhängigkeit und Einheit erringen, zur Wahrung und Entfaltung seinerweltgeschichtlichen Bedeutung immer die innigsten Beziehungen mit Deutschland pfle-gen muß. Für Deutschland ist diese Verbindung mit Italien nicht unbedingt noth-wendig. Deutschland ist nicht blos oceanisch und zugleich durch seine centrale Lagedas wichtigste continentale Land Europas, sondern es kann auch ohne Italien medi-terran werden, ja ist es schon zum Theil geworden; aber Italien kann ohne Deutsch-land weder oceanisch werden noch für den europäischen Continent wahrhafte Bedeu-tung gewinnen. Ganz besonders gilt dies von Oberitalien. Hier bietet der Hauptfluß,

Schwierigkeiten; sie würde aber Südwestdcutschland nicht blos auf kürzerm Wege mit dem^neide^" verbinden, sondern auch den europäischen Continent noch gerader durch-