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Erster Band.
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Die geographiscb-politische Weltlage Italiens.

den an deren Stelle Eisenadern treten, die Deutschland das Mittelländische Meeröffnen, Italien das mitteleuropäische Festland ausschließen müssen. Ohne eine solcheVerbindung würde das deutsche weltgeschichtliche Leben eine andere Richtung nehmenund Italien würde in sich verhausen und außer Beziehung zum Weltverlauf undWeltverkehr kommen. In dieser Verbindung aber wird Italien zugleich ein neuerzeugtes romano-germanisches Culturleben sowol zu den südslawischen als orientali-schen Völkern über das Mittelmeer hinaus verbreiten können.

Die nördliche Umwallung hat Oberitalien nicht vor Eroberung schützen können.Im Alterthume drangen Gallier ein, und das Land hieß Cisalpinisches und Cispada-nisches Gallien. Im Mittclalter hatten hier Germanen die Oberhand; von einerihrer Völkerschaften führt es noch den Namen: Lombardei. In späterer Zeit kämpf-ten Deutschland und Frankreich um das Land, bis es nach dem Sturze des napo-leonischen Kaiserreichs wiederum dem Hause Habsburg zufiel, das hiermit seinen Ein-fluß über ganz Italien ausdehnte. Das Leben und der Charakter Oberitaliens istan den Po geknüpft, welcher bis weit in das Land hinein beschifft werden kann undzu dessen beiden Seiten sich eine fast wagrechte Ebene bis an die Gebirge ausbreitet.DaS Gebiet des Po ist der einzige Theil Italiens, welchen die Natur als ein grö-ßeres Ganzes bezeichnet hat, mag es auch durch politische Verhältnisse seit langerZeit in mehre, ja früher in viel- Staaten getheilt gewesen sein. Darum hat derPo im continentalen Italien die höchste geschichtliche Bedeutung. Er belebt nichtblos die Fluren, sondern erregt auch die menschliche Betriebsamkeit. Durch dieVorkehrungen und Bauwerke, welche seine große Wassermasse und sein schneller Laufnothwendig machen, muß er schon früh die Völker, die seine User bewohnen woll-te:.:, zu bedeutender» Kraft- und Geistesanstrengungen gezwungen haben. Obgleicher eine Gegend durchströmt, die sich durch ihre ganze Gestalt als ein geographischesGanze ankündigt, berührt er doch, von seinen Quellen am Monte Viso an bis zumMeere, Landschaften von mannichfach nüancirtem Charakter: wilde Gebirgsgegendenin den Alpen auf der einen Seite und auf der andern Niederungen am Meere,die sich über dieses fast gar nicht erheben und durch ihren Anblick an die Nieder-lande erinnern. Während der Anwohner seiner Quellen mit der Kargheit des Bo-dens kämpft und Lawinen fürchtet, sieht der Anwohner seiner Mündungen zu gewissenJahreszeiten weit und breit die Gegend unter Wasser gesetzt, über welches nur dieBäume mit ihren Kronen emporragen und die Ortschaften, welche aus künstlicherhöhtem Boden angelegt sind. Das Hauptland ist die eigentliche Tiefebene des Po;denn überall findet sich im Pothale, welches durch die von den Gebirgen kommendenNebenflüsse nach allen Richtungen hin reich bewässert wird, eine üppige Fruchtbar-keit, Welche ihm den Namen des italienischen Paradieses verschafft hat. Fast keinLand der Erde ist mit belebenden Wasseradern reicher ausgestattet als die Poebene.Von Norden und Westen spenden die Alpen, von Süden her die Apenninen ihreSchätze; ein schiffbarer Hauptstrom verbindet den fernsten Hintergrund des Landesmit den Küsten eines vielbefahrenen Meeres, dessen Zugänglichkeit durch keine Schrankebeengt ist: Der durch Menschenhand vertheilte Flußreichthum des Landes spannt überdasselbe ein dichtes Netz von Wasseradern aus, die, theils zu Schiffsahrts-, theils zuLandwirthschastszwecken benutzt, als Quellen des Segens und Wohlstandes von unendli-chem Werthe sind, und der Ebene das Aussehen eines unbegrenzten Gartens verleihen.

Wir schauen somit in Oberitalien ein aus das reichste von der Natur aus-gestattetes Land an, wol geeignet zur Entfaltung des blühendsten Wohlstandes. Undin der That, vergleichen wir es mit dem peninsularen Italien, so ist ein viel besse-rer Anbau wie überhaupt ein höherer Zustand des Landes nicht zu verkennen. Zwargilt auch in Beziehung auf Oberitalien, daß Italien das Land der Städte sei; in-dessen ist doch die ländliche Bevölkerung hier zahlreicher als in Mittel- und Unter-italien, wo nicht nur die Richtung des romanischen Volkscharakters überhaupt, son-dern insbesondere auch die geographische Gestalt des Landes die Städte noch mehrbegünstigt. Das überall nahe Meer zieht die Bevölkerung nach der Küste, reizt sie