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Die geographisch-politische Weltlage Italiens.
zum Handel und bringt sie in Städte zusammen. Da gegen diese große Küsten-ausdehnung an der West - und Ostseite das dazwischenliegende Land, welches demMeere, zumal bei der innern Zerrissenheit, nicht zugänglich ist, an Bedeutung zurück-tritt: so erscheint hier die ländliche Bevölkerung politisch von der städtischen sehr zurück-gedrängt; wie ja auch schon im Alterthume nicht eine bestimmte Landschaft, sondernRom, eine Stadt, die ganze Halbinsel beherrschte. Zwar hat im continentalen Ita-lien die Poebene und deren Zugänglichkeit vom Meere her auch die Bildung derStädte begünstigt; doch hat deren weitere und fruchtbare Ausdehnung zugleich einegrößere ländliche Bevölkerung unumgänglich nothwendig gemacht, mag auch hier,wie sonst in Italien, Grund und Boden in den Besitz des Städters übergegangensein. Die Halbpacht, ooloma partisris oder mo^gi-ia, ein Pachtsystem, nach wel-chem die Hälfte des Ertrages dem Besitzer abgegeben wird, herrscht freilich auch hiervor. Auf die materielle Entfaltung des Landes hat auch die östreichische Regierungbedeutend eingewirkt, was selbst ihre Gegner eingestehen müssen. Die Lombardei wardas allein tüchtig regierte Land Italiens, und wie überall, so knüpfte sich auch hieran eine gute Verwaltung die geistige und sittliche Erhebung der Bevölkerung, wäh-rend die Länder wie die Völker des übrigen Italiens meist in der traurigsten Ver-wahrlosung verkümmerten.
Das obere Pothal, Piemont, mit einigen Nebenlandschaften, bildet den Kernder sardinischen Monarchie. Es ist eine fruchtbare, fast nach allen Seiten hin vonGebirgen umschlossene Landschaft: namentlich im Norden und Westen umgrenzen esdie höchsten Alpenreihen. Zwar gilt es für ein Verbindungsland zwischen Frankreichund Italien, indessen ist es bekannt, wie schwierig hier die Verbindungsstraßen sind,und eine Übergangsbildung zwischen französischem und italienischem Wesen kann sichhier nicht wol erzeugen. Savoyen, an: Westabhange der Alpen, aus dessen tiefen,und wilden Thälern das Gewässer dem Rhone zufließt, gehört dagegen geographischmehr zu Frankreich als zu Italien. Schon deshalb neigt sich das einen celtisch-romanischen Dialekt redende Volk mehr dem französischen Wesen zu. Piemont hatdurch seine geographische Lage hohe Wichtigkeit als Grenzfeste gegen Frankreich. Gegendie gefährlichste Angriffsseite finden sich hier natürliche Haltpunkte. Von der schwei-zerischen Seite droht jetzt weniger Gefahr, vielmehr schützt die Schweiz Piemont selbst.Gegen Frankreich schützen aber die höchsten Alpenketten vom Ligurischen Meere bisWallis, deren Übergänge mit Besten verwahrt sind. Die Seegrenze ist ebenfallsdurch hohe Alpenketten vertheidigt; nur die übrige nordwestliche Grenze Italiens er-scheint weniger geschützt und liegt dem französischen Einflüsse mehr offen.
Im Mittelalter war der Handel in Piemont sehr beschränkt; denn die östlichgelegene Lombardei, wohin die Communication leichter war, zog denselben an sich.In neuerer Zeit jedoch sind dem Handel hier bessere Wege gebahnt, und deshalbhat er sich schon mehr zu regen angefangen. Die Fruchtbarkeit des Bodens und diegeographische Abgeschiedenheit des Landes hat die Ausbildung einer auf Ackerbau ba-sirten Lehnsherrschaft begünstigt. Überhaupt wird hier die Landwirthschaft großartigbetrieben. Die nördliche Gebirgsumwallung Italiens erschwert zwar von Deutsch-land aus den Zugang zur Ostküste des nördlichen Italien, doch sind hier Verkehrs- >straßen, ja Schienenwege möglich, und ist die Küste erst gewonnen, so vermitteltwieder ein Hauptfluß mit seinen Nebenflüssen den Verkehr in das Innere. Weitweniger noch wird die Communication zwischen Frankreich und Oberitalien an derNordwestküste begünstigt. Der Verkehr Frankreichs mit Oberitalien von der Seeseiteher wird durch die Landschaften am Ligurischen Meere vermittelt. Die Römer zähl-ten sie zwar zu Italien und nicht zum Cisalpinischen Gallien, doch glauben wir die-selben sowol wegen ihrer geographischen Lage als wegen ihrer Verbindung mit Pie-mont zum continentalen Italien rechnen zu dürfen, obwol sie nicht wie dieses dieRichtung nach dem östlichen, .sondern nach dem westlichen Mittelmeere haben. Durchden Gebirgszug schroff von dem Pogebiete geschieden, erscheint dieser schmale Küsten-strich ganz auf das Meer gewiesen. Zwei Pässe, über welche Straßen führen, haben