Band 
Erster Band.
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171
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Die geographisch-politische Weltlage Italiens. 171

jedoch die Landverbindung mit dem Pogebicke möglich gemacht, und zudem werdenalle Küstcnstädte durch eine Kunsistraße, welche nach der einen Seite nach Frank-reich, nach der andern nach Toscana führt, miteinander verbunden. Diese Küsten-straße, ein Theil der großen westlichen, erscheint besonders hier der höchsten Bewun-derung würdig. Nicht mit Unrecht ist sie eine wunderbare Verbindung des Meeresmit dem Hochgebirge genannt. Durch Felsen sind bald offene Durchbrüche, baldTunnels gehauen; Brücken gehen oft von einem Felsvorsprunge zum andern, sodassman unter sich das Meer erblickt, zur Seite aber Felsmassen und Wasserstürze sieht.Und wie wäre dies anders möglich! denn die Seealpen in östlicher Verbindung mitden Apenninen bilden die schroffe und jähe Grenze dieses Küstenstrichs nach der Land-seite. Das Ganze ist nichts Anderes als der südwestliche Absturz der Alpenkettenins Meer. In weiter Verzweigung ziehen diese von hier aus durch die Provenceund Piemont um die Quelle des Po und trennen dann in langer östlicher Streckungdas nördliche Europa von dem südlichen, oder näher das centrale vom mediterranen.Aber zum Heile des völlig umschlossenen Italien soll die östliche Streckung immermehr durchbrochen werden und ist bereits vielfältig durchbrochen. Die Grundpfeileraber sind für einen solchen Durchbruch zu gewaltig; diese Grundpfeiler des Riesen-baues erheben sich hier aus dem Ligurischen Meere und entsprechen der Grösse dessel-ben vollkommen. Bleiben wir aber hier stehen vor diesem Riesenbau und schauenwir empor an dessen Grundpfeilern, welche Überzeugung muß sich uns aufdrängen?Gewiß nur die, dass Italien geographisch von keinem Lande mehr getrennt ist, alsvon Frankreich, und daß darum nicht Frankreich, sondern Deutschland über dasselbe,wie schon im Mittelalter geschehen, seinen Einfluß ausbreiten und seine Weltbewegungvermitteln soll.

Die Verbindung des ligurischen Küstenstrichs mit Piemont durch Einverleibungin die sardinische Monarchie hat wohlthätig auf denselben gewirkt. Genua, einst wieVenedig aus dem östlichen, so Herrscherin auf dem westlichen Mittelmeere, kannunter veränderten Weltverhältnissen nur in Verbindung mit Piemont sich als Welt-hafen erhalten. Jsolirt, würde es verkommen müssen, während jetzt das obere Po-thal, in welches über den Paß von Pontedecimo eine Straße führt, das Hinterlandbildet, dessen Verkehr es vermittelt. Durch den in Genua gewonnenen Markt sindwiederum die Landschaften am obern Po aufgeblüht. Zwischen diesen continentalenProvinzen der sardinische» Monarchie und zwischen der Insel selbst, deren Stapel-platz es bildet, ist Genua das Bindeglied geworden und schon als solches von großerBedeutung, auch wenn es nicht, wie jedoch geschieht, den Verkehr der ganzen Mon-archie über das Meer hinausführte. Die geographische Natur des ligurischen Küsten-strichs wies Genua von Anfang an nur auf die See, und ließ rohe Kraft, Kühn-heit und Verschlagenheit zur Entwickelung kommen. Höhere Lebensinteressen kannteman nicht, und von der schönen Kunst darf vollends auf diesem Terrain nicht dieRede sein. Der Blick war am Westbecken des Mittelmeeres auch westwärts gekehrt.In dieser Richtung erweiterte sich, zuerst im Kampf mit Pisa, zugleich mit Erwer-bung der Inseln, der Verkehr Genuas über das ganze Becken, bis es dann seinenBlick auch ostwärts wandte, auf das Ostbecken hinausging, zwar hier Handelsver-bindungen anknüpfte, aber in einen lange« Kampf mit Venedig gerieth, durch wel-chen es endlich aus dem Ostbecken verdrängt wurde. Es ist keineswegs zufällig,daß ein Genuese die neue Welt entdeckt hat. Genua hatte es nicht vermocht, überdas östliche Mittelmeer den orientalischen Welthandel zu gewinnen, darum blickt einGenuese weiter westwärts über die Säulen des Hercules hinaus, welche das Mittel-meer einschlössen, in den Ocean, der als erdumgürtend überfahren, in westlicher Rich-tung eine Wasserstraße nach jenen productenreichen Ländern bilden mußte, von wel-chen man bis dahin nur vom Osten her Kunde erhalten hatte. Das zwar sonstwestwärts schauende Genua wollte jedoch seinem Sohn nicht mit gleich weiten Bli-cken nach Westen folgen, und so hat denn der Genuese Colombo, mit seiner vonden Vatern geerbten verwegenen Kühnheit und mit seinem geschärften Blicke nach