Band 
Erster Band.
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Die geographisch-politische Weltlage Italiens.

Westen, Spanien gezwungen, zwar nicht das ersehnte Indien, aber doch eine neueWelt zu entdecken. Colombo hat sich hierdurch einen hochberühmtcn Namen erwor-ben, freilich aber nicht nur Venedig um den Weltverkehr gebracht, sondern dabeiauch sein Vaterland aus der centralen Weltlage gerückt und hierdurch zugleich Ge-nuaS Macht untergraben. Genuas Richtung zu der romanischen Welt, welche dasWestbecken des Mittelmceres zur großem Halste umgibt, ist zwar jetzt die über-wiegende und wird es auch ferner bleiben; aber diese kann es noch nicht allein zuDem machen, was es werden soll. Wir haben es bereits als Bindeglied erkanntzwischen dem continentalen und insularen Theile der sardinischen Monarchie; es sollaber unendlich viel mehr, es soll ein Bindeglied zwischen Continentaleuropa und zwi-schen dem Küstensaum des westlichen Mittelmeeres, ein Welthafen werden, durchden die Deutschland von der Nord - und Ostsee her durchschneidenden Eisenstraßenin das Ligurische Meer münden. Genuas Hafen in der nördlichsten Spitze des Ligu-rischen Meeres, jetzt geräumig und wohlbefestigt, ist nicht von Natur, sondern'durchKunst gebildet; wenn aber die Stadt dennoch, die natürliche Schranke überwindend,eine Herrin des Meeres wurde, so zeugt dieses von einer eisernen Kraft des Willens.Möge denn diese eiserne Willenskraft sich auch ferner in Durchbrechung jener natür-lichen Schranken bethätigen, welche den Verkehr in das Binnenland hemmen!

Das mittlere und das untere Pothal, die Lombardei, ist fruchtbarer und zu-gleich zum Handel geeigneter als das obere. Ein westlicher Theil, nördlich des Povom Ticino, südlich desselben von einem Aste des Apennin begrenzt, gehört zur sar-dinischen Monarchie. Alessandria, schon jetzt einer der Hauptmärkte Italiens, wirdhier als Vermittclungspunkt der nach Genua zu führenden Eisenbahn hohe Bedeu-tung gewinnen. Weiter östlich theilt der Po die Ebene in einen nördlichen mehr,und in einen südlichen weniger begünstigten Theil. Jener, die vormals östreichischeLombardei, ist gegenwärtig die angebauteste, bevölkertste, reichste und wohlgeordnetsteLandschaft Italiens, ein Garten Europas, in dem die Mannichfaltigkeit der ProducteGewerbfleiß und Handelsthätigkeit geweckt haben, welche wiederum ehedem durch diemittelalterliche Handelsrichtung in hohem Maße befördert wurden. So lange Ungarnunter der Herrschaft roher Völker stand und hier aller Handelsverkehr mit dem Orientgehemmt war, blieb die Lombardei für Deutschland, wenn es nicht auf Umwegendie Waaren erhalten wollte, der einzige Weg für den Handel mit dem Orient.Straßen durch die Alpen waren schon damals eröffnet. Und so bewirkten hier Han-del und Betriebsamkeit schon früh einen großen Aufschwung und erhielten bald indem Maße die Herrschaft, daß sie alle übrigen Verhältnisse bestimmten. Die mäch-tig aufblühenden Städte, zwar abhängig vom Reiche, erhielten bald politische Selb-ständigkeit. Die Lombardei ward sowol das Terrain für republikanisches Leben, alssie zugleich durch ihre Verbindung mit Nordeuropa und den dahin vermittelten, beson-ders orientalischen Weltverkehr das Centrum Italiens aus der Mitte nach dem Nor-den zog. Mailand, in der Mitte gelegen, überflügelte in Betriebsamkeit alle lom-bardischen Städte und erhob sich mehr friedlich als kriegerisch zum Haupt derselben.Die republikanische Verfassung, neben welcher zwar die Verbindung mit dem Reichebestand, bildete sich aber hier im weitem Verlauf wieder zur monarchischen um,indem sich bei der innern Uneinigkeit die Visconti zu Herzogen erhoben, denen spä-ter die Sforza folgten, bis endlich nach deren Aussterben das Herzogthum Mailandals Reichslehn an die spanische Linie des Hauses Habsburg kam. Diese Verbindungmit Spanien war, abgesehen von vielen andern Übelständen, durchaus der geogra-phischen Natur des Landes zuwider, welchem sie daher auch kein Gedeihen brachte.Venedig, das den ostindischen Handel verloren hatte, concentrirte jetzt in sich denlevantischcn in der Weise, daß die lombardischen Städte keinen Theil mehr darannahmen, zumal da ihre Beziehung zu Deutschland aufgehört hatte. Nach dem Aus-sterben der spanischen Linie ging das Herzogthum an die östreichischen Habsburger,freilich erst nach harten Kämpfen über, und diese haben, wenn auch mit Unterbre-chung, ihre Herrschaft in Oberitalien bis in die neueste Zeit nicht blos sich erhalten,