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Erster Band.
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Die geographisch-politische Weltlage Italiens.

sondern noch weiter ausgebreitet. Daß aber dieses politische Band, so unerwünschtes in den jüngsten Tagen geworden, die naturgemäße Beziehung Italiens zu Deutsch-land gefördert und namentlich die Entfaltung des obern Theils der Halbinsel begün-stigt hat, beweist schon jetzt der Augenschein und wird vielleicht die Zukunft noch mehrbeweisen. Bei der veränderten Handelsrichtung ist zwar die Macht der lombardischenStädte überhaupt gesunken; aber es ist damit nicht ausgesprochen, daß sie zum Theildie frühere Bedeutung nicht wiedererlangen können. Allein wenn die Lombardei aufder Bahn ihrer Entwickelung fortgehen, wenn sie eine höhere Weltstellung wieder-erlangen will, wird dies, ganz abgesehen von den rein politischen Verhältnissen, im-mer nur durch ein festeres Anschließen an Deutschland möglich sein. Was müßte sichdem ganzen Italien für eine Aussicht eröffnen, wenn die projectirten Eisenbahnenvollendet, die südlichen Länder der östreichischen Herrschaft dem deutschen Zollverein ein-verleibt, und die Landschaften der Lombardei wenigstens durch handelspolitische Be-ziehungen mit Deutschland, dem Herzen Europas, innig verbunden würden! Dergroße Landbusen des Adkiatischen Meeres würde dann ein Landhafen des centralenEuropa werden. Was Triest bereits in kleinerm Maßstabe geworden, würde dannim größten Maßstabe das ganze Oberitalien sein.

Südlich des Po haben weniger Beziehungen zu Deutschland stattfinden können:schon fehlt hier südwärts ein Hinterland. Deshalb ist in dieser Landschaft (Parma,Modena u. s. w.) der Handel wenig zur Entwickelung gekommen, vielmehr die Land-wirthschaft vorherrschend geblieben. Da die Landschaft, das ehemalige Transpadani-sche Gallien, nur dem nördlichen Theile nach der Pocbene, mit dem südlichen aberdem Apennin angehört, so bildet sie schon den Übergang zum peninsularen Italien.Dem untern Pothal schließen sich die Lagunen und Inseln Venetiens an. Im Adria-tischen Meere liegt Venedig, wie Leo sagt, gleich einem Niesenschiff im riesigen Hafenvor Anker. Weltverhältnisse haben es erhoben und zu Grunde gerichtet; denn derfeste Grund und Boden für ein großartiges Leben fehlte von Anfang an. SeineExistenz hat es dem Meere abgerungen und hierbei, wie bei Ausbreitung seiner Herr-schaft, große, aber nur auf endliche Interessen gerichtete Klugheit entwickelt. Imnördlichsten Winkel eines Busens des östlichen Mittelmeeres belegen, hat es die Auf-gabe übernommen, auf diesem den Weltverkehr mit dem Orient zu vermitteln, wo-durch zugleich die Elemente des Romanenthums ineinander übergeführt wurden. Dieweltgeschichtliche Bewegung wurde dadurch gleichfalls mehr aus dem peninsularenItalien weggezogen und dem centralen Europa näher gebracht, denn Venedig, derWeltmarkt des Mittelalters, lag dem Herzen Europas nahe. Die Macht desselbenwar bedeutender als die Genuas; denn das östliche Becken des Mittelmeeres, anwelchem es Küstenstriche gewann, hat höhere Wichtigkeit als das westliche, und zudemwar die geographische Position dieser Weltstadt auch an und für sich günstiger. Auchnach der Entdeckung des Seeweges nach Ostindien und der neuen Welt wußte sichVenedig trotz seiner Verluste zunächst noch mächtig zu erhalten, indem es ganz denHandel mit der Levante in seine Hände brachte. Wol wirkte der veränderte Welt-verkehr nachteilig ein; aber Venedig sank erst wirklich in sich zusammen, als es,von Natur durchaus aus den Welthandel gewiesen, selbst seinen Blick mehr davonhinwegwandte und auf Erwerb eines Gebiets auf dem festen Lande sann. Im Jahre1814 fiel es ebenfalls dem östreichischen Kaiscrstaate zu. Welchen Ausgang aber auchdie gegenwärtige Revolution nimmt, Venedig wird sich nur wieder erheben können,wenn es mit Deutschland durch Schienenwege und Handelsverträge aufs engste ver-bunden wird; im andern Fall muß auf Triest, das bereits den größten Theil deSHandels an sich gezogen hat und das für das östliche Deutschland, Ungarn u. s. w.günstiger gelegen und auch von daher zugänglicher ist, aller Verkehr übergehen. Wirsehen, Venedigs Zukunft ist ganz in Deutschlands Hände gelegt. Verbindet es sich nichtmit ihm durch Schienenwege und Verträge, so ist die alte Größe gefallen, um sichnie wieder zu erheben; während es bei einer solchen Verbindung wiederum ein Welt-hasen im umfassendsten Sinne des Wortes werden wütdk- Dis errungene höhere