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Die geographisch-politische Weltlage Italiens.
Bedeutung wird zwar Trieft bewahren, denn als mediterraner Wclthafen für dieöstreichische Monarchie, wie für das ganze nordöstliche Europa, als Mündnngspunktder geradesten Straße von der Ostsee zum östlichen Mittelmeere, hat es nach Voll-endung eines großen europäischen Eisenbahnnetzes keine Concurrenz zu fürchten. Aberfür den Verkehr mit dem süd- und nordwestlichen Deutschland, Belgien, Holland,England würde es dann in Venedig um so mehr einen Nebenbuhler erhalten, weil vonda aas in einer etwas kürzern und geradem Linie Adriatisches Meer und Nordseeverbunden werden können. Besonders für die Verbindung mit dem Rheingebiet unddemzufolge mit den belgischen und holländischen Häfen ist Venedig günstiger gelegen,sobald durch die Alpen nach Innsbruck eine Eisenbahn führen wird. Die englisch-ostindische Post würde dann wol diesen Weg nehmen. Nach Rcden's Angabe istAlexandria von Tricst und Venedig für Dampfschiffe 144—150 Fahrstunden ent-fernt. Dagegen wird Alexandria von den für Mitteleuropa wichtigen Häfen des west-lichen Mittelmeeres nach einer langem Zeit erreicht: die Überfahrt von Genua dauert—200, die von Marseille 200 — 216 Stunden. Da der europäische Kontinentvon Marseille aus nur in einer wenig kürzern Linie in der Richtung nach Nordwestdurchschnitten werden kann, so erscheint die Welthandelstraße des germanischen Europamit Vorder-, Süd - und Hinteraßen, Ostasrika und Australien über Trieft und Genuagesichert. Gewinnen die mitteleuropäischen Eisenbahnen erst eine Ausdehnung bis andas Schwarze Meer, wie denn ja schon durch die galizischc Bahn in dieser Richtungeine Strecke gebaut ist, und wird wiederum dieses Meer ebenfalls durch eine Bahnin das Euphratgebiet mit dem persischen Meerbusen verbunden, so würde diese neueWeltstraße mit jener über das westliche Mittclmecr nicht blos in Beziehung aufVorder-, sondern auch in Beziehung auf Hinterasien in Concurrenz treten; ja siewürde, indem die Biegung um Arabien vermieden wird, der kürzeste Weg von Ost-indien nach Ost- und Mitteleuropa sein, jedoch für Waaren den Nachtheil eines län-gern Landtransports haben. Das continentale Italien würde also ungeachtet dieserConcurrenz nicht aufhören, der große Wclthafen des centralen Europa zu sein, undals solcher die Verbindung Deutschlands mit ganz Italien mehr vermitteln, als alleÜbergangslandschastcn, ja auch als alle äußere Herrschaft.
Das Übergaugsland von Italien nach Deutschland bildet die ehemalige MarkVerona und Friaul, welche Otto I. von Italien trennte. Bairische und kärntischeHerzoge herrschten hier lange. Die Landschaften können daher nicht blos ihrer geo-graphischen Lage, sondern auch ihren historischen Beziehungen nach als Deutschlandam nächsten stehend angesehen werden. Die Übergangslandschaft vom contincntalenzum peninsularen Italien zieht sich südlich vom Po und östlich vom Reno zwischendem Adriatischen Meere und den Apenninen bis nach Ancona hin. Auf diesem Ter-rain hat die nach dem Sturz des weströmischen Reiches und nach Besiegung der Go-then sich in Italien festsetzende oströmische Herrschaft sich am längsten erhalten. Alsin Oberitalien die Langobarden eindrangen, blieb hier die Masse des Volkes römisch.Wenn daher das continentale Italien im Allgemeinen als ein germanisch-römischesLand zu bezeichnen ist, so würde doch dieser jetzt zum Kirchenstaate gehörende Theildesselben insofern davon auszunehmen sein, als hier die Mischung des germanischen Ele-ments mit dem römischen nicht so durchdringend war, daß sich danach die politischenund gesellschaftlichen Verhältnisse gestaltet hätten. Die Bodenbeschaffenheit des con-tincntalen Italien ist verschieden; sie wird durch die Flüsse bedingt. Diese sind,wenigstens Anfangs, fast alle Torrenten, stürzen mit reißendem Gefälle in die Ebenehinab, die sie dann zwischen flachen Ufern durchstießen. Ihr Wasserstand ist sehrabwechselnd. Theilweise stürzen sie mit mächtigen Wasserwogen aus dem Gebirgehervor, überfluten, wo nicht Dämme wehren, weit und breit die Ufer, bedecken underhöhen die Landschaft durch dicke Lagen von Bergschutt und Rollkieseln, und tragenden leichtern fetten Schlamm hinab zu den Küsten, die mit Hülse dieser Ablagerun-gen allmälig weiter ins Meer Hinausrücken; theilweise aber klären sie sich am Fußedes Eebirgs in einem Seebecken und fließen, wild hineinstürzend, langsam wieder