Band 
Erster Band.
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Die geographisch-politische Weltlage Italiens.

daraus hervor. Diese Verschiedenheit im Laufe der Flüsse hat auf die Natur desBodens den unverkennbarsten Einfluß geübt, indem im Bereiche der Torrenten derBoden aus Schichten von Rollsteinen, Kies und Grand besteht, die nur von einerdünnen Krume fruchtbarer Dammcrde zugedeckt sind; dagegen bildet besonders in denUfergegenden des Po, der untern Etsch der Fruchtboden eine dicke Schicht, unterwelcher sich erst in größerer Tiefe Gerölle finden. Darum können hier die mannich-faltigsten und gedrängtesten Culturen stattfinden, während dort der Anbau nicht seltensehr mühsam ist. Wegen solcher Fruchtbarkeit hat sich das Leben vorzüglich im Thätedes Po bewegt. In die Ebene stürzend und vom Hochgebirge nachhaltige Wasser-schätze aufnehmend, gewinnt derselbe, schon früher schiffbar, von der Tessinomündung andie Natur eines Niederungsstromes. Um besonders im Frühlinge die anliegende Nie-derung vor den steigenden Gewässern zu schützen, ist er an mehren Stellen eingedeicht.Am Ende seines Laufes ergießt sich der Po in sieben Mündungsarmen, von welchender nördlichste mit der Etschmüudung verbunden ist, in das Adriatische Meer. Außerder Fruchtbarkeit, die er spendet, wird er zugleich eine Ader des Verkehrs, welchedurch Nebenflüsse und Kanäle die einzelnen Theile des Pogebiets verbindet. Indessensetzt der große Wasscrrcichthum die Küstensäume zu sehr der Gefahr der Überschwem-mung aus, sodaß sie am wenigsten angebaut erscheinen. Es kann jedoch die Zeitkommen, wo diese Sumpflandschastcn, immer mehr erhöht durch den vom Gewässerdahin geführten Boden, sich für den Anbau mehr eignen werden, als es jetzt der Fallist; doch wird jedenfalls hier die Kunst der Natur zu Hülse kommen müssen.

Wir haben uns vergegenwärtigt, daß das von Natur reich gesegnete kontinen-tale Italien, zwar nicht allein wie vordem, den Welthandel bestimmen wird; denndie erdumgürtete Thalassa ist ausgeschlossen und über den erdumgürtenden Ocean,an den die weltgeschichtliche Bewegung seitdem gerückt ist, sind neue Wege gebahnt;aber da die Thalassa nicht aufgehört hat, ein Vermittelungsmeer zu sein, ja es durchdie dahin führenden Eisenstraßen noch in einem erhöhten Grade werden wird, so istauch das obere Italien, nahe dem Centrum Europas, berufen, an der Vermittelungdes Weltverkehrs zwischen nahen und fernen Theilen des östlichen Festlands der Erdeseinen, ihm durch die geographische Lage bestimmten Antheil wieder zu gewinnen.In Folge dieser Theilnahme am Weltverkehr wird sich hier ein höheres, nicht blosauf das gebirgumschlossene Gebiet beschränktes Leben entwickeln; aber dieses Lebenkann nicht, wie ehedem, von Süden, sondern nur von Norden seine Anregung erhalten.Durch ein bloßes Zusammenschließen mit dem peninsularen Italien wird das konti-nentale wenig gewinnen können, denn, in sich verkommen, hat jenes in der Gegen-wart nicht sowol als Brücke über das Mittelmeer, sondern nur durch Rom als An-haltpunkt der Geschichte und als Mittelpunkt der katholischen Welt Bedeutung. DerSchwerpunkt im Völkerleben, um den sich die Weltgeschichte bewegt, liegt jedoch jetzt,wie schon gesagt, nicht mehr an der Thalassa, sondern am Ocean; hier pulsirt jenesLeben, zu welchem auch Italien soll erweckt werden. Deshalb muß insbesondere daskontinentale Italien nach dieser Seite Hinblicken, nach dieser Seite sich anschließen.

Das pemnsulare Italien insbesondere; der Charakter und die Beziehungen seiner einzelnen Länder.

Wir gehen jetzt zur nähern Betrachtung des peninsularen Italien über, zuwelchem wir bereits mehrfach hinüber geblickt haben. Dieses hat, wie wir mit demersten Blicke bemerken müssen, weit mehr eine Richtung zu der übrigen romanischenWelt als das kontinentale. In ihrem südostwärts gestreckten Laufe ziehen sich dieApenninen, zunächst das kontinentale und pemnsulare Italien trennend, von derWest - nach der Ostseite des Landes und laufen hier, wenigstens in Miktelitalienin ihrem Hauptzuge näher der Küste tretend als an der andern Seite, weiter fort,bis sie zuletzt im Süden sich wieder mehr an die Westküste drängen. Dieser Lauf^6. H^mptgebirgszuges, wie überhaupt der charakteristische orographische Bau derverschiedenen Seiten desselben hat bewirkt, daß sich in Mittelitalien die größer« Land-schaften an. der Westseite bildeten, wodurch dem Lande, wie schon erwähnt wurde,