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Erster Band.
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Die geographisch-politische Weltlage Italiens.

die Richtung nach dem westlichen Mittclmecre gegeben ist, welches hier verschiedeneNamen führt. Unteritalien hingegen blickt nur mit einer, und zwar schmalen Seitehierher, mit einer andern etwas breitem in das Adriatische, und sodann noch miteiner dritten in das Ionische Meer und hinüber nach den nahen griechischen Gesta-den, von welchen es einst Bildung und Gesittung empfing und so selber ein anderesGriechenland wurde. Die weltgeschichtliche Bedeutung, welche Mittelitalien durchNom gewann, gab auch in Unteritalien der Westseite die größere Wichtigkeit, welchediese bei der allgemeinen Richtung der apenninischen Halbinsel nach Westen bis aufden heutigen Tag sich erhalten hat. Angedeutet wurde schon, daß diese apenninischcHalbinsel im eigentlichen Sinne, Mittel- und Unteritalien, nicht so wie Oberitalien,wo der Po alle Landschaften verbindet, eine natürliche geschlossene Einheit sei, daßvielmehr der Gebirgsbau das Land in kleine abgeschlossene Territorien zersplittere, sodaßdie Einheit fehle. Tiber und Arno sind die einzigen, noch dazu nicht tief in dasLand eingehenden schiffbaren Flüsse, und zudem begünstigt das Terrain weder dieAnlegung von Kanälen noch von Landstraßen. Wegen dieser Gebirgszerriffenheit istdie Fruchtbarkeit weit geringer. Das abwechselnde Austreten und Austrocknen derkleinern Flüsse, verbunden mit pestilenzialischen Ausdünstungen, läßt ganze Landstre-cken zur Wüste werden. Bewohnte Landstriche sind daher nicht blos von Gebirgen,sondern auch vielfach von Wüsteneien unterbrochen.

In der südlichen Hälfte des italischen Landes, der langgestreckten Halbinsel anbeiden Seiten des Apennin, hat wieder der nördliche Theil oder Mittelitalicn diehöhere Wichtigkeit. Wir müssen sogar im Allgemeinen zugeben, daß sich hier imCentrum des Landes die geistige Kraft des Volkes mehr entwickelt hat, als an dercontinentalen peripherischen Seite des Landes. Darum wird Mittelitalien wegen sei-ner großen Vergangenheit, in der es zwei mal, als Centrum in Staat und Kirche, >die Welt beherrscht und zugleich die Kunst zur hohen Blüte entwickelt hat, eine gewisseBedeutung bewahren, während Oberitalien, das schon im Mittelalter die großenpolitische Bedeutung hatte, wiederum groß werden muß durch die Zukunft, indenles sich dem neuen Centrum der Weltgeschichte immer näher anschließt. Zwar hatauch im Mittelalter in Oberitalien ein schönes städtisches Leben geblüht, bürgerlicheBetriebsamkeit einen großen Aufschwung erhalten und Handel und Verkehr eine weiteAusbreitung gewonnen; aber es fehlte bei dem Blick in die äußere Weite der Wellund auf die äußern Güter des Lebens der Blick in die innere Tiefe des Geistes undauf dessen unvergängliche Güter. Besonders hat Venedig, in diesem irdischen Stre-ben auf dem Gipfelpunkt stehend, eine furchtbare Strenge und Kraft des Verstandes

entwickelt, um sich durch blos weltliche Herrschaft groß zu machen, der hier sogarKunst und Wissenschaft dienen mußten.

Anders in Mittelitalicn. Die Bewohner der Apenninen sind hier zwar Hirtenund Jäger und stehen jeglicher geistiger Cultur ziemlich fern, doch in den tiefer lie-genden Landschaften, findet sich hier eine größere geistige Regsamkeit. Die schmalenöstlichen Küstenlandschaften, auf welchen sich wenig Leben findet, kommen hier nichtin Betracht. Besonders wichtig ist die nördliche Westseite oder Toscana, jenes Land,welches für Italien geistig die höchste Bedeutung gewonnen hat. Toscana theiltzwar auch die oben charakterisiere geographische Natur des peninsularen Italien,wenn auch nicht in der schroff ausgeprägten Weise. Die Gebirgsgegenden im Nor-den und Osten sind nämlich rauh und haben ein fast nordisches Klima, während die

Küstenstriche im Süden so ungesund sind, daß sie im Sommer verlassen werden

müssen. Auch im obern Tiberthale und der angrenzenden Gebirgslandschaft findetsich wenig Regsamkeit; alles Leben hat sich vielmehr im Arnothale concentrirt, dessenMittelpunkt Florenz bildet und dessen Verbindung mit dem Meere jetzt Livorno, wieehedem Pisa, vermittelt. Das Volk ist zwar im Toscanischen im Ganzen auf Acker-bau gewiesen; weil aber vorzüglich Wein und Oliven gebaut werden und der Menschdavon allein nicht leben kann, so muß der Grundeigenthümer auch Handel treiben.Deshalb ist hier neben einer gewissen Stetigkeit auch eine äußere Rührigkeit hervor-