Band 
Erster Band.
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178
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178 Die geographisch'politische Weltlage Italiens.

netsten. Hier im Tiberthale, der größesten Fläche des peninsularen Italien, stießendie verschiedensten umwohnenden Völkerschaften aufeinander und aus ihnen ging Romvon Anfang an nicht als eine organische, sondern als eine mechanische Bildung her-vor. In der Mitte der Halbinsel, und an der untern Tiber, nicht zu fern demMeere gelegen, nur durch kurze Überfahrten von den italienischen Inseln getrennt,gegenüber den Küsten Nordafrikas und Südwesteuropas, erhob es sich nicht blos zmHauptstadt Italiens, sondern kettete auch im fortwährenden Kampfe mit dem Orientzuerst die Länder des westlichen und dann auch des östlichen Mittelmeeres an sich,Der Mechanismus breitete sich nicht sowol über eine Land - als vielmehr über eimMeeresfläche aus. Aber je mehr sich in den von Rom unterworfenen Ländern einselbständiges Leben entwickelte, um so weniger konnte dessen mechanische Form durch-greifen, und um so mehr mußte daher dasselbe zurücktreten. Schon durch die immerweitere Ausdehnung der römischen Herrschaft auch auf die Küstenländer des östlichenMittelmeers, die nicht wie die des westlichen latinisirt werden konnten, ebenso wiedurch das zu tiefe Hineindringen in die Binnenländer, war die compacte Einheit drSStaats allmälig zerstört und die politische Macht geschwächt worden. Deshalb HMman sich zunächst genöthigt gesehen, den Mittelpunkt des Reichs weiter östlich nachByzanz zu verlegen. Diese neue Hauptstadt, an der Grenze zweier Welttheile undzweier Meere, war zwar günstiger gelegen, bewirkte indessen noch keine Ausgleichungdes Mißverhältnisses, und so wurde endlich das römische Reich in ein abendländische!und morgenländisches getheilt. Wie schon oben berührt wurde, gab es jetzt zwoCentralpunktc am Mittelmeere, einen östlichen und westlichen, von welchen jenem d«Vermittelung zwischen dem südöstlichen Europa und Asien, diesem die zwischen d»südwestlichen Europa und Afrika zufiel.

West-Rom siel zwar bald als politische Macht im Kampfe gegen die naturwüch-sigen, jugendlichen Völker des Abendlandes; doch als kirchliche Macht bestand es fortund wie es einst den Ländersaum des westlichen Mittelmeers latinisirt hatte, so chöstianisirte es jetzt denselben und zugleich auch das centrale Europa. Am afrikanisch!»Saum des westlichen Mittelmeers, zeitweilig auch in Spanien, ja sogar in TheilnItaliens, zerstörte zwar die wilde Gewalt des Islam wieder, was hier gepflanzt war!aber noch immer ist Rom, wie insbesondere das peninsulare Italien und überhauptdie ganze romanische Welt, nicht sowol daraus hingewiesen, das nordwestliche Asir»und nordöstliche Afrika, als vielmehr das nordwestliche ihr gegenüberliegende Afrikadem europäischen Leben zuzuführen, wie dieses auch Frankreich bei der Eroberungvon Algier als seine Bestimmung erkannt hat. Wie Italien vordem Karthago, wel-ches den Fuß nach Europa hinübcrgesetzt hatte, überwältigte und Nordafrika unter-warf, so würde es noch immer, wenn nicht die innere Kraft von ihm gewichen wäre,sich in Beziehung zu den Küsten Afrikas setzen und dahin europäisches Leben trage»müssen. Allein was einst der Beruf der peripherischen Länder Europas war, hatsich im Verlauf der geschichtlichen Entwickelung mehr dem Centrum zugewandt, undso ist denn der Beruf der Vermittelung zwischen Europa und der transmeditcrram«Welt aus dem westlichen Becken vom peninsularen Italien auf Frankreich, ebenso wieauf dem östlichen Becken vom continentalen Italien auf Deutschland übergegangen.Nichtsdestoweniger ist Italien, wie Griechenland die Brücke nach Asien bildet, so alsdie Brücke nach Afrika anzusehen. Hierbei darf jedoch nicht unberücksichtigt bleibe«,daß es sich nicht in dem Maße wie dieses zur Brücke eignet, indem sich hier dieLänder weniger nahe liegen und geringere Beziehungen zueinander haben, ferner daßAfrika überhaupt der Bedeutung Asiens für den Weltverkehr beiweitem nicht gleichkommt. Griechenland an sich ist daher zwar als Vermittelungsland zwischen Europaund Asien wichtiger, als es Italien ist für die Vermittelung mit Afrika. Indessenliegt Italien auch dem europäischen Centrallande näher, sodaß aus diesem Grundedem continentalen Italien die Vermittelung des Weltverkehrs zwischen Centraleuropaund Asien, trotz Griechenland, zum großen Theil wieder zufallen wird. Und welchein gegenseitiger Verkehr wird zudem zwischen Italien und Griechenland sich bilden