180 Die geographisch-politische Weltlage Italiens.
besiegte und von demselben wieder besiegt wurde, sich das orientalische Element mitseinen Lebensformen eindrängte, so finden wir auch ein Ähnliches in Unteritalien.Wie im türkischen Reiche die Paschas, treiben hier, wenigstens in den unzugänglich,sten Landestheilen, fortwährend einheimische Große, die Fürsten und Barone, ihrWesen, und die Staatsgewalt hat nichts Anderes thun können, als dieselben gewährenzu lassen. Durch die Verkettung mit der Einen Roma hat Unteritalicn die über-wiegende Richtung zum westlichen Mittelmeere und zu dessen Gestadeländern gewon-nen, sodaß die westliche Seite des Landes die politisch wichtigere nicht blos im römischenAlterthume geworden, sondern auch im Mittelalter und in der neuen Zeit durch diesteten Beziehungen zu den romanischen Ländern geblieben ist. Neapel, an der West-küste gelegen, nicht zu fern vom mittlern Italien, ist daher die Hauptstadt des Lan-des geworden. Im griechischen Alterthum war die Richtung nach Südosten über-wiegend ; blühende griechische Pflanzstädte erfüllten den Küstensaum nach dieser Seite.Auch in gegenwärtiger Zeit werden die Beziehungen nach Südosten nicht fehlendürfen, wenn sich in Unteritalien ein neues Leben entwickeln soll.
Der Charakter der zu Italien gehörenden Inseln.
Die italischen Inseln bilden, wie die griechischen die Verbindung zwischen Eu-ropa und Asien, so die Verbindung zwischen Europa und Afrika. Als Nordasrikapolitisch mächtiger war, als das gegenüberliegende Italien, herrschte auf diesen Inselnorientalisches Leben, das sich von da nach dem europäischen Festlande hinübersehenwollte. Nicht blos Karthago suchte im Alterthume, diese Inseln an sich reißend,Rom zu überwältigen, sondern auch die Saracenen versuchten im Mittelalter vonSicilien aus Rom, damals der Mittelpunkt der ganzen abendländischen Christenheit,zu erobern. Zwei mal hat das Abendland mit dem Morgenlande um diese Inselneinen Weltkampf führen müssen, in welchem jedoch das Erstere als Sieger hervor-gegangen ist. Weniger glücklich ist der Kampf Europas um jene Inseln gewesen,welche den Übergang nach Asien bilden, indem auf diesen zum größer« Theile nochjetzt türkisch-orientalisches Wesen herrscht.
Die Naturbeschaffenheit der malteser Inseln ist ungünstig; sie bestehen auseinem Felsen, der nur mit einer dünnen Erdkrume bedeckt ist; aber ihre Lage in-mitten eines der befahrensten Meere, auf dem Seewege von Südwesteuropa nachder Levante, gibt ihnen bei ihren guten Häfen eine höhere Wichtigkeit. Daß aberdiese Wichtigkeit Italien und nicht einem fernen Volke, welches gar nicht auf dasMittelmeer gehört, zu gute kommen muß, ist in der geographischen Lage selbst be-gründet. Sicilien, die wichtigste Insel, hat eine ähnliche landschaftliche Physiogno-mie wie Apulien. Das Mittel- und Unteritalien durchziehende Gebirge seht sich hier,nur von einer schmalen Meerenge unterbrochen, zuerst in einer einfachen, mäßig ho-hen Kette fort, geht dann auseinander, steigt und senkt sich wieder, bis sich an denSüdfuß der Hauptkette ein einförmiges Plateau lagert, welches, geringe Tiefebene»abgerechnet, den übrigen' Theil der Insel einnimmt. Der Ätna, welcher aus derEbene von Catania zur Eisregion emporsteigt, hat eine mehr isolirte Lage. 3eweiter man nach Süden kommt, desto mehr zeigt sich es, daß Italien das Land derStädte ist; von Sicilien aber kann man sagen, daß hier die Städte ganz das flacheLand absorbirt haben. Nur die nähere Umgegend der Städte ist angebaut, derübrige größere Theil des Landes liegt als ein magerer, steppenartiger Anger da.Das Innere des Landes, einst die Kornkammer Roms, ist jetzt verödet und dünnbevölkert. Mangel an Bewässerung wie überhaupt an allen Vorkehrungen zum An-bau herrscht hier vorzugsweise. Welch ein Contrast gegen das Alterthum; die ehemaligeKornkammer Roms leidet jetzt selbst Mangel! Statt angebauter Getreidefelder findetman jetzt kahle verbrannte Strecken, statt baumreicher Haine schattenlose, wasserarmeFlächen, statt prächtiger Bauwerke die Ruinen umgestürzter Säulen und Tempel
Günstigere Verhältnisse finden sich zwar in den Küstenebenen, in welchen nichtnur alle Getreidearten, der Weinstock und die edelsten Südfrüchte, sondern sog«