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Erster Band.
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Die geographisch-politische Weltlage Italiens.

Pflanzen der Tropcnwelt, wie Zuckerrohr, Baumwolle, Dattelpalmen, gedeihen. Denktman aber daran, was einst diese an guten Häfen reiche Insel gewesen ist, als dasEine Syrakus allein über eine Million, Einwohner zählte, und was sie als Mittel-punkt der beiden Becken des Mittclmeercs, welches drei Wcltthcile verbindet, seinkönnte, so muß man doppelt wünschen, daß das hier wohnende Volk zu neuem Le-ben erstarke. Und daß dieses Volk in der That jetzt schon die Ahnung seines Weltgeschichtlichen Berufs besitzt, beweist seine energische und aufopfernde Erhebung gegeneine tyrannische und verworfene Regierung, welche sogar mit Absicht und zur Be-hauptung ihrer Herrschaft jeden Keim, jede Regung einer Entfaltung der materiellenWohlfahrt der Insel daniederhält, die z. B. das angebaute Land mit so hohenLasten bedrückte, daß die Grundeigenthümer oft gezwungen waren, ihre Olbaumplan-tagen niederzuhauen und das Innere des Landes der Verödung preiszugeben. Waswir über die Richtung des Landes schon bei Unteritalicn bemerkten, gilt auch vonSicilien. So lange hier die griechischen Pflanzstädte als selbständige Gemeinwesenblühten, schaute die Insel nach Osten und Süden; Syrakus und Agrigent, jenesan der Ost-, dieses an der Südseite, waren die mächtigsten freien Städte des Lan-des, welche mit noch andern in das Ostbecken des Mittelmeeres blickten. Durch diespätere Verbindung mit Rom aber, sowie im Mittelalter, nach Verdrängung derSarazenen, durch die Verbindungen mit Neapel und Spanien, ist die Beziehungzum Westbecken überwiegend geworden. An dem Westbecken liegt Palermo, dieHauptstadt der Insel, Neapel, der Hauptstadt des Vereinigten Königreichs beiderSicilien,,, gegenüber, von welchem letztem die Städte der Ost- und Südseite durchlängere Überfahrten getrennt sind. Die gegenwärtige Bedeutung dieser Städte istvon der Ausdehnung des Verkehrs zwischen beiden Becken des Mittelmcers undvon der weiter» Entwickelung der Küstenländer des östlichen Mittelmeers, besondersGriechenlands und Vorderasiens, abhängig.

Die geographische Lage Sardiniens im westlichen Mittelmeer ist weniger gün-stig, als die Lage Siciliens inmitten der beiden Becken, denn die Fahrstraßen, welcheden sicilischen Küsten entlang ihren Lauf nehmen müssen, werden stets an den sar-dinischen vorbeigehen. Indessen scheint auch Sardinien, bei seiner Lage zwischenSpanien, Frankreich, Italien und Nordafrika, bei seiner Ausstattung mit vielen, vonNatur guten und sichern Häfen, zu höherer geschichtlicher Bedeutung bestimmt zusein, wenn erst die weitere Entwickelung des mediterranen Verkehrs begonnen habenwird. Gegenwärtig ist es durch die Unwissenheit der Bewohner und mangelhafteCultur des Bodens um Jahrhunderte selbst gegen die übrigen Landschaften des Kö-nigreichs zurückgeblieben, dem es den Namen gegeben hat. Sardinien zählt jetztnicht über eine halbe Million Bewohner, wiewol es gewiß sechs mal so viel ernäh-ren könnte: im Alterthum sollen hier sogar vier Millionen Menschen gelebt haben.Hierher wäre die Auswanderung von Piemont zu leiten! Allein die Insel ist jetztungesund und wird gefürchtet wegen des Fiebers, indem sich bei mangelhaftem An-bau den pontinischen ähnliche Sümpfe gebildet haben, welche schädliche Dünste aus-hauchen. Obwol die Insel unter einem südlichen Klima liegt und, wenn auch ge-birgig, doch zugleich nicht unbedeutende Ebenen hat, dabei gut bewässert ist, so er-scheint sie doch gegenwärtig viel unfreundlicher, als man erwarten sollte. Besondersist es der Süden, wo man Mangel an Anbau findet; das Land ist hier zum Theilein steppenartiger, nur von verwilderten Heerden belebter Anger, oder zeigt jene bö-sen Sümpfe auf, die sich bei fehlender Ausräumung des Flußbettes durch das geringeGefälle der Flüsse in ihrem untern Laufe bilden. Wo sich jedoch der Mensch nurdie geringste Mühe gibt, den Boden zu cultiviren, tritt auch sogleich die große na-türliche Fruchtbarkeit desselben hervor. Von Handels- und Gewerbthätigkeit ist beialler Absatzgelegenheit für die Producte natürlich unter solchen Zuständen nicht dieRede. In Sardinien streicht eine dicht bewaldete Bergkette längs der östlichen Seiteher; doch hat die Westseite, obwol auch gebirgig, einige Ebenen, unter welchen dievon Cagliari die größte ist. "