L84 Barern und sein König Ludwig I.
Hch danials als echter Sohn der Vorbereitungsjahre zur Befreiung und der Befrei-ungskämpfe. Von der einen Seite ein lebendiges deutsches Nationalgefühl, glühendfür die Aufrichtung und Erhaltung der Ehre und Würde des ganzen Vaterlandes,innig mit Franzosenhaß verschwistert; von der andern ein rückgängiges Streben nachmittelalterlichen Einrichtungen, verbunden mit einer Feindseligkeit gegen den vorzüg-lich von Frankreich ausgehenden Liberalismus. Die Trennung der Studienanstaltin dem konfessionell so Hadersüchtigen Augsburg (hier und in Dillingen hatten sichauch die Jesuiten am längsten zusammengehalten) in ein katholisches und protestan-tisches Gymnasium ward zugegeben. Görres, welcher damals schon den Jakobinerin der Franciscanerkutte spielte, wurde an die von Landshut nach München versetzteHochschule berufen, und ein romantischer Schwachkopf, der vom freien Geiste zurblinden Hierarchie entwichene Eduard Schenk, erhielt die Oberleitung der Bildungs-anstalten des Reichs. Bei dem Allen blieb der Wortlaut der Verfassung — ihrGeist hat sich niemals zum Leben durchgearbeitet — die einzige Richtschnur der Re-gierung. Es fehlte selbst nicht an mehren freisinnigen Anordnungen; der Pressewurde eine Freiheit gestattet, wie zu der Zeit in keinem andern deutschen Lande.Gegen diese Presse erhob sich auch alsbald mit allen Waffen des Hasses und derVerleumdung die jesuitisch-ultramontane Faction, welche damals bereits einen Mittel-punkt in Baiern gefunden hatte. Die Juliusrevolution und ihre Nachspiele inDeutschland haben in der Regierungswage, deren Zünglein von Hause aus nachJenseit der Berge und nach dem Abgestorbenen sich neigte, den Ausschlag gegeben.Die protestantischen Jesuiten, die Pietisten, Noth, Niethammer, Puchta, Stahl und An-dere, sind ihren katholischen Freunden getreulich bcigestanden. Man ließ den König aller-lei wunderliche Gefahren schauen. Es ging soweit, daß ein hocharistokratisches wan-stiges Jagdungethüm, ein Fürst von L***, erklären konnte: die meuterischenolutdürstigen Liberalen würden nur über seinen Leichnam in die Gemächer der Ma-jestät vordringen; er und sein ganzes Haus wollten sich aufopfern für die Erhaltungeines so guten hochherzigen Königs. Adel und Geistlichkeit, fügte man schlau genughinzu, wären allein im Stande, die dem Hause Wittelsbach drohenden Gefahrenabzuwenden.
Von nun an beginnt eine furchtbare Zeit der Reaction, des Spionirwesens undder geheimen Polizei; alle Nachteulen flogen aus ihrem verfallenen dumpfen Ge-mäuer Wohlgemuth zum hellen lichten Tag empor: die Krethi und die Plethi mitall ihren alten Gelüsten, Benedictiner, Franciskaner, Kapuziner, Augustiner, Schul-schwestern, barmherzige Schwestern, Karmeliter, Redemptoristen, sodaß die bairischeErde von ihnen voll wurde. Ihnen würdig zur Seite stellten sich die protestantischenSchul- und Kirchenbehörden mit ihren Seminarien und Ephoren, namentlich mitihrer dem menschlichen Geiste feindlichen Universität Erlangen. Der Fürst Waller-stein, gar willig und gewandt, das Flammcnschwert der Rache gegen die Liberalen,gegen Eisenmann, gegen Behr und so viele Andere zu schwingen, wurde als gebor-ner Aristokrat und als ein Mann moderner französischer Bildung am Ende nichtganz geeignet befunden, das bairische Volk und seine Institutionen der regulierenund nicht regulirten Geistlichkeit, der Jesuitenpartei preiszugeben. Fürst Ludwig vonWallerstein ist von der Natur mit guten Anlagen ausgestattet. Man versäumteaber das Talent auf dem allein sichern Grunde der Wahrhaftigkeit, des Wissensund der. höhern Einsicht zu befestigen. Deshalb hat es dem Besitzer nur einen höchstzweideutigen Ruhm und dem Lande keinen Vortheil gebracht. Die schreienden Man-gel des Mannes hätten aber natürlich nicht den Sturz desselben herbeigeführt, dennder selbstsüchtige, bis zur Narrheit eingebildete König hat sich, wie sein Leben zeigh.um das Wohl des Landes, ja nicht einmal um das Wohl seiner Familie bekümmert.Durch Kunst- und Bauwerke, durch Schriststellerei in gebundener und ungebundener,oder richtiger, misbundener Rede, wollte König Ludwig einen Ruhm sich schassenfür alle Zeiten. Mit ihm sollte das deutsch-mediceische Zeitalter beginnen, ein Wahn,welchem die Kräfte des Landes geopfert wurden. Die Wege und Mittel listig zu