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Barern und sein König Ludwig I.
ersinnen, um diese Kräfte heimlich an sich zu ziehen, dazu war aber Niemand geeig-neter als der liberale Fürst Wallerstein. Was jedoch den Minister stürzte, das wardie Eifersucht des Königs auf das Ansehen und die Macht, die der Minister hinterdem Rücken seines Herrn zu erlangen wußte. Dieses allerhöchste Unbehagen wurdevon der schon lange lauernden Zesuitenpartei schnell zu ihrem Vortheile ausgebeutet.Der Minister wurde (Herbst 1837) entlassen und von seinem undankbaren Gebieter,dessen Hasse und Neigung er in so mannichfacher Beziehung als gewandtes Werk-zeug gedient hatte, mit unsäglicher Schmach überhäuft. Das ganze Schreibergesinde,alle offenen und geheimen Creaturen folgten dem Vorbilde ihres Königs; man wichaus, wenn man den Fürsten von ferne kommen sah, und der noch vor kurzem somächtige Mann stand seht wie ein Gebannter da mitten in der volkreichen Stadt.Zu solcher Charakterlosigkeit wird das Volk in despotischen Staaten erzogen. DieseVernichtung der moralischen und geistigen Selbständigkeit, die Vernichtung des Hä-hern Menschlichen im Menschen ist zu allen Zeiten und in allen Ländern das un-sühnbare Majestätsverbrechen der Despotie, das an der Menschheit begangen wird.
Die Aristokratie hielt zum Fürsten; sie konnte ihn mit Recht als ihren Be-schützer betrachten. Den Söhnen und Verwandten des hohen und niedern Adelshatte er vorzüglich die Stellen in die Hände gespielt. An den Platz Wallerstein'swurde nun ein Jemand erhoben ohne Stütze, ohne Anhaltspunkt im Lande, der al-lein vom Könige und von dem offenen und heimlichen Getriebe der Görres, Döllin-ger und Consorten abhing. Wollte er sich in der erschlichenen Stellung behaupten,so mußte er den Jesuiten innerhalb wie außerhalb Baierns als blindes Werkzeugder Herrschaft dienen und den Launen und der Eitelkeit seines Gebieters unbedingtfröhnen. Abel hatte sich vor kurzem von der Freiheit zur römisch-katholischen Un-fehlbarkeit bekehrt; der Mann glühte noch von wahrem oder erheucheltem Eifer,welcher zeigen will oder zeigen muß, wie ernst es ihm ist mit der Neugeborenschaft.Hingebendes Schleichen nach oben, schamlose Dreistigkeit nach unten und eine gewissemit Lügen und Arglist verbrämte Geschästsgewandtheit haben den von der gesamm-ten Pfaffheit des Continents getragenen Minister in dem an talentvollen Männernso armen, und damals wenigstens einer gesunden öffentlichen Meinung entbehrendenBaierlande zu einer Höhe der Macht erhoben, daß das Wohl und die Ruhe derbenachbarten süddeutschen Staaten und der Schweizerbund dadurch gefährdet wurde.Ja, es gab Augenblicke, wo die kirchlich-radicale Haltung Baierns auf Preußenund ganz Deutschland den verderblichsten Einfluß ausübte.
In der Blütezeit dieses Regiments, dessen amtliche Willensmeinung in den „Hi-storisch-politischen Blättern", in dem „Athanasius" und andern Brandschriften erfolgte,ward München in eine feste Burg der kirchlichen und staatlichen Verdummung um-geschaffen; von hier aus wurden in alle friedlichen Gaue des Vaterlandes glühendeBomben geschleudert; hierher strömten alle Apostaten des Wissens, alle Herolde derunbedingten kirchlichen Herrschaft; hier konnten Uhu, Kauz und Kibitz ihr zerreißen-des, gellendes Gekreisch ungestört über das geknechtete Vaterland ergehen lassen. DasKölner Ereigniß war diesen saubern Gästen eine frohe Botschaft des Herrn der Heer-scharen. Konnte doch jetzt die verbissene Wuth gegen Preußen als den Träger desunvermeidlichen Fortschritts und der deutschen Nationalität >— eine Bestimmung, dieunabhängig von dem Hause Hohenzollern in der Natur der Dinge liegt — konnte siedoch jetzt unter dem heiligen Scheine der gekränkten Gewissensfreiheit rücksichtsloshervorbrechen. Die Nachwelt, würde es nicht gedruckt vorliegen, möchte wol kaumglauben, zu welchem satanischen Höhne gegen die Menschheit der alte Görres (derProtestantismus ist ihm im „Athanasius" blos zweiseitiges, corrosives und narkotischesGift) sich emporgeißeln konnte! Man kann leicht denken, mit welcher Wucht dieFaction aus allen Keimen des Guten, auf jeder selbständigen Regung im Innernlastete, da sie schon nach außen hin ihren Einfluß in so hohem Grade geltend ma-chen konnte. Man muß zu der Zeit in Baiern gelebt, man muß, in den verschie-denen Kreisen der bürgerlichen Gesellschaft sich bewegt haben, um das vielverzweigt«