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Baiern und sein König Ludwig l.
Getriebe, um die Einschüchterungen und die massenhaften Maßregeln der geistigenVerdumpfung und jeglichen Druckes in seinem ganzen Umfange zu erkennen. Dannerst, dann erst wird man das Triumphgeschrei des vom Jesuitenalp entlasteten Baier-landes begreifen.
Die Verfassung des Königreichs Baiern ist kein Meisterstück; sie ist voller Wi-dersprüche und leidet an vielen auffallenden Gebrechen. Namentlich ist das Wahl-gesetz, die Seele einer jeden Vertretung, sehr mangelhaft. Dessenungeachtet gereichtesie dem Lande zum großen Vortheile. Wäre sie von einer erleuchteten, starken öf-fentlichen Meinung getragen, wäre sie im Geiste des Gesetzgebers ausgeführt undfortgebildet worden, so hätte sich die Nützlichkeit des Grundgesetzes in jeder Beziehungnoch mehr bewährt. Baiern würde dadurch den seinem Umfange nach ihm gebüh-renden Einfluß in Oberdeutschland bewahrt haben, und wäre vielleicht von den po-litischen Stürmen unserer Tage nur wenig berührt worden. Nun mäkelte und scha-cherte man aber nach Rabulistenweise, unwürdig einer starken Regierung wie einesbiedern Volkes, an jeder Satzung, bis man das Entgegengesetzte ihres ursprünglichenSinnes herausbrachte; die leisen Zufallswörtchen der Redaction wurden in der Artausgebeutet, daß sie den ganzen Inhalt und Geist der Verfassung vernichteten.Keine Verwaltung hat aber diese Verfälschung methodischer betrieben als die Abel'sche,denn es war dieser Minister streng genommen nicht Minister der Krone, nicht Mi-nister des Staats, nicht Minister des Volkes, sondern ein Diener der hierarchisch-radicalen Partei. Verachtung der durch die Verfassung verbürgten gleichen Berech-tigung aller Staatsbürger; Verachtung der durch die Verfassung verbrieften Rechteder protestantischen Konfessionen; Unterdrückung der Laien durch die gesammte engverbundene Psaffheit in den Städten und auf dem flachen Lande, mit einem Worte,Vernichtung des modernen Staats und somit Auflösung des König-reichs Baiern, wäre die unausbleibliche Folge gewesen der DreimännerherrschaftAbel, Görres und Döllinger. Doch hier ist der Ort nicht, eine ausführliche Ge-schichte der letzten Jahrzehnde des Baierlandes zu schreiben; sie wird aber sicherlichgeschrieben werden.*)
Aber durch welches Mittel, durch welches schlechte Werkzeug, entgegnen unsselbst geistig freie Männer unserer Gesinnung, ist die Jesuitenherrschaft in Baierngestürzt und ein leidliches Regiment eingeführt worden? Habt ihr Leute des Fort-schritts den Muth, euch zu dem Miste zu bekennen, aus dem eure Macht von neuemhervorgewachsen? Ein Geschichtsverfälscher, ein hinterlistiger Schalk der SchälkeGottes würde mit dem „Athanasius" sagen (dies soll nach Görres die katholische Par-tei in Belgien gethan haben): wir haben die Umwandlung in Baiern nach demMusterbilde der Großmächte als eine vollbrachte Thatsache genommen und ihr nurdie bis jetzt befolgte Richtung gegeben, zum Vortheil des Landes und seiner Bevöl-kerung. Eine solche aus frommen Betrügereien und Sophistenkünsten auferbauteGeschichte will man den Kirchlichen und Hofhistoriographen überlassen. Wir Laien,die wir für unsere eigenen Sünden einstehen, müssen ehrlicher zu Werke gehen; wirkönnen nicht blos die Früchte genießen, sondern müssen uns auch zu dem Baumebekennen, der sie getragen hat. Und wahrlich, Wir brauchen uns dieses Baumesnicht zu schämen; er wurzelt in dem Herzen des bairischen, des deutschen Volkes.Die gewählten und erblichen Vertreter im Baierlande sind es, welche, wenn auchvon der Willkür zum Theil aus der Versammlung gestoßen, wenn auch durch man-cherlei Druck und Hinterlist entmannt, sie sind es, welche den ersten Anstoß zurUmkehr, zu einer dem bestehenden Staate naturgemäßen Regierung gegeben haben.Drei aufeinanderfolgende Ständeversammlungen haben die Parteiwirthschast gebrand-markt und den Mann vor aller Welt gescholten, der an ihrer Spitze stand. DesVolkes Stimme war endlich, endlich mitten durch den verdumpfenden hierarchischen
*) Eine vollständige Geschichte Baierns unter dem Ministerium Abel Wird später aus derFeder des unterrichteten Verfassers folgen. D. Red.