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Baiern und sein König Ludwig I.
Weihrauch, mitten durch die bureaukratische Finsterniß zum Monarchen emporgedrun-gen, und allerlei Besorgnisse wurden rege. Man war seit langer Zeit entschlossen,man mußte wol, wollte man nicht Alles auss Spiel setzen, sich nach und nach dieserStimme fügen, und hatte ihr bereits einige Zugeständnisse gemacht. Zeuge hier-von ist die Errichtung eines besondern Ministeriums für Cultus und Unterricht (Ja-nuar 1847), wodurch dem Parteioberhaupte der Nerv entzweigeschnitten wurde.„ Ich besitze das Vertrauen des Königs nicht mehr, mir ist der Lieblingskreis meinesWirkens entzogen", so sprach der Minister jetzt zu den Eingeweihten seiner Genossen,und Furcht und Erbitterung herrschten im ultramontanen Lager. Der König willsich emancipiren, der König hat sich emancipirt, man muß ihn, was es auch immerkosten möge, der Zweck heiligt alle Mittel, zur frühern Abhängigkeit zurückbringen;man muß ihn, um mit dem königlichen Sänger zu sprechen, „knechten".
Ihr strengen Sittenrichter, ihr tugendhaften Abel, Seinsheim und Hörmannund all ihr Leute der Hierarchie und Aristokratie, warum erhebt ihr erst jetzt eureStimme, warum jetzt erst das Zetergeschrei über Sodom und Gomorra? DemHerrn gefiel früher bald diese, bald jene Tochter des Landes; es gefiel ihm die Li-zius, die Dahn, die Vespermann, die Späth, und wer zählt sie Alle, welche dergütige Monarch nicht blos seines gnädigen Blickes würdigte! Was war denn aberjetzt Anderes geschehen? Einer viel gebrauchten englisch-spanischen Tänzerin war dasLoos zugefallen, den alten königlichen Sänger David zu erwärmen. Selbst die ehr-würdigen P. P. Escobar, Lcssius und Busenbaum, die P. P. Vasquez, Emanuelda Sa und Filiutius, welche doch wahrlich so Vieles, ja Alles finden konnten, wassie finden wollten, sie, die es haarscharf bewiesen, daß Fälle möglich wären, wo dieKirche sogar die Körper ihrer jungen Töchter für höhere Zwecke zu gebrauchen wüßte,selbst diese ehrwürdigen Vater der Gesellschaft Jesu würden in Verlegenheit sein,den Unterschied eines Umganges mit deutschen Frauenspersonen und einer andalusi-schen Tänzerin nachzuweisen. Warum entbrannte so spät, warum entbrannte jetzterst, im Februar Tausendachthundertundsiebenundvierzig nach der Menschwerdungdes Herrn, der heilige Eifer unserer Frommen, und zwar in so gewaltiger Weise,daß sie in dem Memorandum mit dem Abfalle des dänischen Heers, der Beamtenund des ganzen Volkes drohten?
„Es gibt Augenblicke im öffentlichen Leben", mit dieser Reminiscenz aus demTheater beginnen die Frommen diese ihre denkwürdige Staatsschrift, „wo Männern,die das unschätzbare Vertrauen ihres Monarchen zur obersten Leitung der Staats-verwaltung in ihren verschiedenen Zweigen berufen hat, nur noch die betrübendeWahl offen steht, entweder der Erfüllung der heiligsten, durch den Eid, durch Treue,Anhänglichkeit und Dankbarkeit besiegelten Pflichten zu entsagen, oder in gewissen-hafter Erfüllung dieser Pflichten die schmerzliche Gefahr des Misfallens ihres Mon-archen nicht zu beachten. In solcher Lage sehen die treugehorsamst Unterzeichne-ten durch den allerhöchsten Beschluß, der Senora Lola Montez das bairische Jndi-genat durch königl. Decret zu verleihen, sich versetzt, und sie sind Alle eines Verrathsan den Eurer Königl. Majestät gelobten höchsten Pflichten unfähig. — Ihr Ent-schluß konnte daher nicht wanken. Diese Zndigenatsverleihung ward in der Staats-rathssitzung vom 8. d. M. vom Staatsrathe v. Maurer als «die größte Calamität,die über Baiern kommen könnte» laut und öffentlich bezeichnet. Diese Überzeugungward von dem ganzen Staatsrathe getheilt, sie ist der Ausdruck der Gesinnung allertreuen Unterthanen Eurer Königl. Majestät und hat nicht erst einer Staatsraths-sitzung bedurft, um eben die Überzeugung in den treugehorsamst Unterzeichneten zubegründen. Seit dem October vorigen Jahres sind die Augen des ganzen Landesauf München gerichtet, und es haben sich in allen Theilen Baierns über Das, washier vorgeht und was beinahe den ausschließlichen Gegenstand des Gesprächs imInnern der Familien, wie an öffentlichen Orten bildet, Urtheile festgestellt, und esist aus diesen Urtheilen eine Stimmung erwachsen, die zu den bedenklichsten gehört.Dir Ehrfurcht gegen den Monarchen wird mehr und mehr in dem Innern der Ge-