188 Baiern und sein König Ludwig I.
müther ausgetilgt, weil nur noch Äußerungen des bittersten Tadels und der lautestenMisbilligung vernommen werden. Dabei ist das Nationalgesühl auf das bittersteverletzt, weil Baiern sich von einer Fremden, deren Ruf in der öffentlichen MeinungHcbrandmarkt ist, regiert glaubt, und so manchen Thatsachen gegenüber nichts diesenGlauben zu entwurzeln vermag. Männer, wie der Bischof von Augsburg, dessenTreue und Anhänglichkeit an Ew. Königl. Majestät über allen Zweifel ist, vergie-ßen über Das, was vorgeht, über die täglich mehr sich entwickelnden Folgen, heißeThränen. Die treugehorsamst unterzeichneten Minister des Innern und der Finan-zen sind selbst Augen- und Ohrenzeuge der heißen Thränen und Klagen dieses Bi-schofs gewesen. Der Fürstbischof von Breslau hatte kaum von einem hier verbrei-teten Gerücht, er habe ein das befragliche Verhältniß entschuldigendes Gutachrenabgegeben, Kenntniß erlangt, als er augenblicklich einen Brief hierher erließ, dieses,wo nur immer davon gesprochen würde, als unwahr aufs bestimmteste zu erklären,und seine entschiedene Misbilligung dieser Vorgänge auszusprechen. Sein Schreibenist hier kein Geheimniß und wird bald im ganzen Lande bekannt sein, und was istdie Wirkung? Die auswärtigen Blätter bringen täglich die schmählichsten Anekdo-ten und die hcrabwürdigendsten Angriffe gegen Ew. Königl. Majestät, das anliegendeBlatt Nr. 5 der „Ulmer Chronik" enthält eine Probe. Alle polizeiliche Aufsicht ver-mag die Einbringung solcher Blätter nicht zu verhüten; sie werden verbreitet undmit Gierde verschlungen; der Eindruck, der in den Gemüthern zurückbleibt, kannnicht zweifelhaft sein. Er erneuert sich täglich und wird bald und durch nichts mehrverlöscht werden. Eine gleiche Stimmung herrscht von Berchtesgaden bis Passau,Aschaffenburg und Zweibrücken, ja sie ist über ganz Europa verbreitet, sie ist ganzdie gleiche in der Hütte des Armen wie im Palast des Reichen. Es ist nichtblos der Ruhm und das Glück Ew. Königl. Majestät, es ist die Sac^e des König-thums, die auf dem Spiele steht; daher das Frohlocken Jener, die auf den Umsturzder Throne hinarbeiten, und die den Vorsatz haben, das Königthum in der öffent-lichen Meinung zu vertilgen. Daher aber auch der tiefe Schmerz, die Verzweiflungaller Derer, die Ew. Königl. Majestät mit treuer Liebe anhängen und die vor denGefahren, denen das Königthum vielleicht zu keiner Zeit in größerm Maße ausgesetztgewesen ist, die Augen nicht verschließen. Dabei liegt es außer dem Bereiche mensch-licher Kräfte, auf die Länge zu verhüten und zu verheimlichen, daß die RückwirkungDessen, was vorgeht, nicht mehr und mehr auch auf die bewaffnete Macht übergehe,und wo soll noch Hülse sein, wenn auch dieses ungeheure Übel einträte, wenn auchdieses Bollwerk wankte. Was die treugehorsamst Unterzeichneten mit gebrochenenHerzen Ew. Königl. Majestät vorzutragen wagen, beruht nicht aus Gespenstersehen,es ist das traurige Ergebniß der Beobachtungen, wie sie Jeder in seinem Wirkungskreisseit Monaten hat machen müssen. Was in solchen Verhältnissen vom nächsten Landtag zuerwarten sei, liegt wol offen am Tage, unberechenbar sind die letzten Folgen seinerVerhandlungen, wenn sie unter solchen Eindrücken gepflogen werden. Jeder dertreugehorsamst Unterzeichneten ist bereit, in jedem Augenblick für Ew. Königl. Ma-jestät Gut uud Blut freudig hiuzuopfern, sie glauben von ihrer Anhänglichkeit ge-nugsam Proben abgelegt zu haben. Aber eben deshalb ist es ihnen doppelt heiligePflicht, Ew. Königl. Majestät die Gefahren offen darzulegen, die mit jedem Tagewachsen, und Allerhöchstdieselben zu beschwören, ihre flehentliche Bitten um die Ge-währung der einzigen hier möglichen Hülfe zu erhören, und dem unseligen Gedankenzu entsagen, als sei es Leidenschaft oder Widerstand gegen den allerhöchsten WillenEw. Königl. Majestät, welcher aller Orten sich kundgibt, während dieser Widerstandnur gegen Verhältnisse gerichtet ist, durch die jeder treue Baier untergraben sieht,was ihm vor allem am Herzen liegt: der Ruhm und die Macht, das Glück unddie ganze Zukunft seines geliebten Königs. Die treugehorsamst Unterzeichneten habendie Folgen des Schrittes, zu welchem die treueste und innigste Anhänglichkeit anEw. Königl. Majestät in Erkenntniß der unberechenbaren Wichtigkeit des Augen-blicks sie allein vermocht hat, nach allen Richtungen wohl erwogen, sie wissen und