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Erster Band.
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Barern und sein König Ludwig I.

sind davon durchdrungen, daß wenn Ew. Kvnigl. Majestät ihr heißes Flehen nichtzu erhören geruhen, ihre Wirksamkeit auf der Stelle, zu der sie das Vertrauen unddie Gnade ihres geliebten Königs und Herrn berufen hat, beendet und dann nurnoch eine Pflicht auf dieser Stelle zu erfüllen, ihnen übrig ist, die Pflicht EwKöuigl. Majestät um die Enthebung von der Führung der ihnen anvertrauten Mi-nisterien, wenn auch mit tiefem Schmerzgefühle, ehrfurchtsvoll zu bitten. (München,

I I. Febr. 1847)."

Warum nun ihr Herren Minister, ihr Herren Abel, Gumppenberg, Seinsheimund Schrenk reichtet ihr jeht erst eure Entlassung ein, und nicht damals, als dieVertreter der Nation, als die Stände des Reichs in überwiegender Mehrheit dasVerdammungsurtheil ausgesprochen haben über euch und euer heilloses Regiment?Wäret ihr in der That die sittlichen Männer, Männer von Charakter und Ehregewesen, damals hättet ihr eure Vollmacht in die Hände des Monarchen niederlegenmüssen. Es gibt keine unsittlichere, keine ehrlosere Handlung als Zwietracht wurzelnzu lassen zwischen dem Fürsten und seinem Volke. Darum weg mit diesem erloge-tien Heiligenschein von Ehre und Sitte. Ganz andere Gesinnungen haben euch, wiewir zeigen werden, zu dieser Handlungsweise bestimmt.

Im Herbste des Jahres 1846 kam die spanische Tänzerin Lola Montez mitihrem bissigen Hund nach München. Das Weib war in vielfacher Beziehung ver-rufen; sie hat ihren Mann, einen englischen Offizier, mit dem sie in Ostindien war,verlassen und die Laufbahn einer fahrenden Frau betreten. Junge reiche Liebhabergenossen nach und miteinander des Glückes und verloren damit ihre Habe. Auchwar Lola bereits in schmachvolle Processe verwickelt. Die Jugendblüte war seit meh-ren Jahren zerstoben, nur das Unvertilgbare, seine edle Züge und große von Leiden-schaft und Geist blitzende Augen sind zurückgeblieben. König Ludwig machte alsbald,wie er dies bei anziehenden Personen zu thun pflegte, seine Aufwartung; sein ju-gendliches Herz, wie eines seiner Gedichte uns belehrt, war damals gerade unbesetzt.Die kühne, geistvolle und gewandte Hetäre aus der feinsten pariser Schule hatte einleichtes Spiel; Cäsar kam und sah und war besiegt. -°Jetzt erst, so belehren unsmehre Gedichte, erfuhr der alternde König was Liebe heißt, jetzt erst hatte das Lebenfür den Herrscher über 4'/r Millionen Menschen, für den Vater einer zahlreichenblühenden Familie, einen Werth erhalten.

„ Tropfen der Seligkeit und Meer von bittern Leiden,

Die Italienerin gab — Seligkeit, Seligkeit nur

Lassest Du mich entzückend, begeisternd, beständig empfinden,

In der Spanierin fand wahre Liebe und Leben ich nur."*)

Drei mal des Tags wartete der König im Gasthofe auf, wo „Lolita" wohnte undbis tief in die Nacht dauerten die Gelage mit Schauspielern und Musikanten, mithalbverrufenen Personen und andern Grauköpfen voller Frischlingsgedanken. Dasneue Licht des Harems überstrahlte bald die ganze Stadt, überstrahlte bald das ganzeLand, und eine Masse Fliegen und anderes Ungeziefer ward angezogen. Lolita wardGroß- Wesir oder, was das Wort zu Deutsch heißt, Groß-Lastträger des Reichesund seines Gebieters. Alle andern Geschwister Flöhe wurden sehr mächtig:

Und Frau'n und Herrn am HofeDie waren sehr geplagt,

Die Königin und die ZofeGestochen und genagt,

Und dursten sie nicht knickenUnd weg sie jucken nicht.

Bittschriften und Dienstgesuche liefen bei der neuen Herrschaft in Masse ein,

) Aus einem königlichen Gedichte auf Lolita. Es gibt eine ganze Sammlung solchereines „Lola's Busen" überschrieben. Sie wurden in ganz Baiern,zum Theil auch im übrigen Deutschland handschriftlich verbreitet.