192 Baiern und seilt König Ludwig I.
nachdem sie gezeigt hatten, daß sie der ihnen gestellten Ausgabe nicht ganz genügenkonnten oder wollten.
Der Landtag sollte, wie gesagt, nach dem Willen des Königs, blos ein Anlehenfür den Weiterbau der Eisenbahnen bewilligen und dann, wie er gekommen, mit lee-ren Taschen zu den Steuerpflichtigen nach Hause gehen. Nun besprachen aber dieStande Dies und Jenes von wichtigen Landesangelegenheiten; sie berührten dieEreignisse der letzten Monate, und manche Mitglieder thaten dies in herben scho-nungslosen Worten. Man schonte überdies sichtbarlich, von Seiten der Mehrheitder Stände, die Herren Minister, welche man persönlich als wackere Männer ach-tete, und zielte auf die neue Gräfin und ihren Anhang und sogar auf den altenverblendeten Mann, dem ein Weib mehr galt als die Ehre seiner Familie, als dieSicherheit seiner Krone, als die Ruhe und Wohlfahrt seines Volkes. Ludwig wardwüthend über seine Minister, die ihn nicht zu decken vermochten; sie erhielten am30. Nov. 1847, zum Theil in sehr auffallend schimpflicher Weise, ihre Entlassung,und der Gräfin Landsfeld beliebte ein Ministerium Berks-Wallerstein. Werks hatteseine Laufbahn als Docent der Geschichte an der Universität zu Würzburg begonnen;er wurde in dem Anfange der dreißiger Jahre zur Belohnung geheimer Spionirdienstenach München versetzt, wo ihn bald der damalige Minister Wallerstein zum Mini-sterialrath beförderte. Er blieb auch die rechte Hand des Fürsten bis zu dessenSturze. Abel versetzte den Freund seines Vorgängers und gab ihm die Stelle einesDirectors bei der Regierung von Niederbaiern. Der Herr Director verlebte die Som-mer- und Herbstmonate (1847) in München, wo er sich die hochvermögende Gön-nerschaft der Gräfin zu erwerben wußte. Werks wurde zum Staatsrath erhoben undzeigte sich seiner Gönnerin in hohem Grade gehorsam und dankbar; er reiste sogareigens nach Würzburg, um sie zu bewachen und nach München zurückzubegleiten.Lola arbeitete nun darauf hin, ein Ministerium nach ihrer Weise zusammenzusetzen,wo -ihr treuer Diener eine der ersten Stellen einnehmen sollte. Dies ist ihr auchvollkommen gelungen. Das Ministerium vom 1. Dec. konnte mit vollem Rechte dasLola-Ministerium genannt werden.
Gräfin Landsfeld begnügte sich aber nicht mit einer verborgenen Herrschaft; siewollte im Gegentheil ihr unbedingtes Machtgebot vor aller Welt offen an den Taglegen. Sie besuchte deshalb täglich ihren gehorsamen Knecht im Ministerium desInnern, Herrn Werks, in seinen Arbeitszimmern und verweilte daselbst nicht seltenmehre Stunden. Neben der Herrsch- und Lärmsucht ist Lust und Freude das Ele-ment dieses geistreichen, wunderlichen Wesens. Die Frau Gräfin, welche aller Be-mühungen ungeachtet, bei ihren neuen Standesgenossen keinen Zutritt erhalten konnte/umgab sich nun mit einer Anzahl hübscher junger Leute, vorzüglich Studenten, undkein Tag ging dahin ohne kostbare Gelage. Es schien das Geld aus einer uner-schöpflichen Quelle zu fließen. Die Studenten und andere Gesellen ihres Kreiseswaren zum Theil nicht von bestem Leumund, zum Theil auch arme Leute, welchedie reichliche Unterstützung, Speise in Fülle und lieblicher Trank anlockten.*) DenStudenten, ihren Genossen, verschaffte nun aber die gebietende Herrin die Erlaub-niß, eine eigene Landsmannschaft unter der Benennung Allemannia zu gründen,was bei den bereits bestehenden Landsmannschaften, die sich als besonderrechtlicheGenossenschaften betrachteten, eine große Erbitterung hervorrief. Die Allemanniamußte, so wollte es der allerhöchste Wille, anerkannt werden. Es war dies aberblos äußerlich; kein Student pflog den mindesten Umgang mit den verhaßten Genos-sen der königlichen Freundin, und jede Satisfaction ward ihnen verweigert. Dies
*) Gegen einen nicht unbekannten Schauspieldichter, welcher in dem lieblichen Hause derBarrerstraße gar häufig den Freuden der Tafel stöhnte, schleuderte deshalb der gemeine Volks-witz nach dem Sturze des Mäcenas im Unterrocke folgendes Epigramm:
Lebet wohl ihr Fasanen und Schnepfendreck,
Knackwurst fresst ich wieder und auch Kuttelfleck.