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Erster Band.
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Barern und sein König Ludwig l. 193

führte zu unaufhörlichen Reibungen, welche bald in gemeine Beschimpfungen undThätlichkeiten ausarteten. Ein Kommers der Allemannia, welchem kein einzigerProfessor, wol aber Minister Berks beiwohnte und mit einer Rede verherrlichte, unddas Leichenbegängniß des alten Görres (dieses Haupt der Münchener Ultramontanenstarb am 29. Jan. 1848) hatte endlich einen förmlichen Kriegszustand zwischen bei-den Parteien hervorgerufen. Die Ultramontanen benutzten nämlich den Leichenzugihres Meisters zu einer förmlichen Demonstration gegen die Lolamontanen, wie dieAnhänger der Lola Montez nicht unwitzig genannt wurden. Aus demselben Grundeschlössen sich ihm auch viele junge Männer an, die keineswegs zur Partei der„Schwarzen" gehörten. Die Gräfin hatte dies sehr misliebig bemerkt und ihre Alle-mannen zu allerlei Rachegelüsten aufgestachelt. Die andern Studenten wollten nundie Allemannen, deren nur 15—18 waren, nicht mehr in den Vorlesungen dulden.Man verfolgte sie sogar in den Straßen; es entstanden Gassenaufläufe, die allerleiUnfug und selbst Verwundungen zur Folge hatten. Ein Graf Hirschberg, Seniorder Allemannen, stieß mit einem Dolch um sich und beurkundete damit, daß er nichtumsonst zu den Füßen der Spanierin gesessen hatte. König Ludwig, welchem allediese Vorfälle durch die Gräfin und ihren Minister von der schwärzesten Seite alsMeuterei gegen seinen allmächtigen Willen dargestellt wurden, beschloß jetzt mit einemmale, mit einem Schlage alle seine Feinde, die Professoren und Studenten, denAdel, die Bürger und das ganze widerstrebende Land zu züchtigen. Die Universitätwurde am 9. Febr. 1848 durch einen königlichen Befehl, den Fürst Wallerstein,als Minister des Cultus und der Studien, gegenzeichnete, bis zum Wintersemestergeschlossen; es hieß sogar, die hohe Schule würde in der Zwischenzeit nach Landgutzurückverlegt werden. „Ich werde die Universität schließen lassen", hatte sich GräfinLandsseld schon einige Tage vorher in ihrem Abendkreise geäußert; „ich mag sie über-haupt nicht hier haben; sie muß nach einem andern Orte verlegt werden."

Jetzt erhob sich mitten in der Bewegung eine neue Macht, an die man seitvielen, vielen Jahren nicht mehr gedacht hatte. Die Bürger und das Volk zu Meiri-chen standen zusammen wie ein Mann, um der schmachvollen spanischen Willkür ent-gegenzutreten. Die fremden Studenten, welche die Stadt alsbald verlassen sollten,schuldeten dem Bürger und Hintersassen manchen Pfennig, der wenn die jungenLeute fortgingen, unrettbar verloren schien; überdies war der ganze Bestand derUniversität, von der sich so Viele ernähren, in Frage gestellt. Der liebe Vortheil,das klingende Interesse hatte diese seit langem abgestorbene Körperschaft zu neuem Lebenaufgestachelt. Muth, Ehre und Hochherzigkeit schössen üppig hervor aus dem breitenKrämergrunde. „Ihr müßt hier bleiben", erklärten Bürger und Insassen den Stu-denten; „wir werden, wir wollen euch schützen; die Vorlesungen müssen wieder begin-nen, und Alles muß im gewohnten Gleise fortgehen." Die Regierung des KönigsLudwig hatte seit längerer Zeit, was keinem aufmerksamen Beobachter entgehenkonnte, naturgemäß in den verschiedensten Classen des bairischen Volks eine dumpfeUnzufriedenheit und Gährung hervorgerufen. Das Wort Recht durfte Niemand ge-brauchen; Gnade sollte Alles sein, und in der That war auch Alles Gnade, Gnadedes Königs. Die Anhänglichkeit an die allerhöchste Person galt, wie die Anstellungs-und Besorderungsdecrete im Regierungsblatt ausdrücklich lehren, als höchstes Ver-dienst des Staatsbürgers. Ja dieses Wort Staatsbürger selbst wurde, wo nurimmer möglich, ausgestrichen und durch Unterthan ersetzt. Es gab keine Staats-diener, keine Staatsministerien mehr, sondern königliche Diener, königliche Minister.Nur die Staatsschulden sind geblieben. Alle Verordnungen, die wichtigsten Er-lasse schlössen ein mal wie alle mal mit dem banalen Satze: So lange wir nichtanders befehlen. Die Münchener „GelehrteAnzeigen", von dem größten Obsku-ranten in Europa, dem Präsidenten Roth dirigirt, sprachen bereits vorn Landesherrnim guten mittelalterlichen Sinne des Worts. Die Verschwendungen des Königs anBauwerke, die keine Kunstwerke sind, an Maitressen und todte Sammlungen stanDie Gegenwart. I. 13