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Erster Band.
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,196 Baiern und sein König Ludwig I. >,

den dem wankenden Grunde seiner Standesgenossen neue Stützen zu geben. DieseBemühungen, so wohl gemeint sie sein mögen, mußten natürlich ihren Zweck verfeh-len, denn das während so vieler Jahrhunderte Verabsäumte kann unmöglich im Au- >. genblicke der Gefahr mit einem male nachgeholt werden. Der Fürst wendete sich ldemnach am 1. März an den Monarchen, der immer noch in seiner gewöhnlichenphantastischen Welt fortlebte, und schrieb ihm folgende ernste, gewichtige Worte:„Drangvollere und für die nächste Zukunft bedrohlichere Umstände für das König-thum, und somit für unser ganzes theures Vaterland, als jetzt, haben lange nicht, 'vielleicht nie bestanden. Gerade in diesem kritischen Zeitpunkte ist das Vertrauenaller Classen Ihrer Unterthanen in Ew. Majestät auf das tiefste erschüttert. Esist dieses das wahrhaft hochverrätherische Werk jener Creaturen, welche noch jetztzwischen Ew. Majestät und Ihr Volk sich drängen; namentlich aber, daß ein Mann, lwie Ministerverweser v. Becks, welchen die öffentliche Meinung mit tiefer Verachtungbeladet, weil er selbst Jene verrathen hat, aus deren Schultern er emporgestiegen ist,Ew. Majestät noch als Rathgeber zur Seite steht. Ew. Majestät sind vollständigüber die Ursachen getäuscht, durch welche jene Unzufriedenheit und Erbitterung her-vorgerufen worden." Der Fürst und alle Bewohner Münchens hatten ganz richtiggesehen, nur die Majestät wollte die Wahrheit nicht erkennen und noch immer nachdem bekannten Grundsatz „Ich bin der Staat" regieren. Selbst von dem fern inWürzburg weilenden Kronprinzen, welcher selbst der letzten Ständeversammlung nichtbeigewohnt und die vorletzte vor ihrem Schlüsse verlassen hatte, wurde aus demNathhause ein Schreiben vorgelesen, worin das gewaltsame revolutionaire Verfahrengegen die Landsfeld gebilligt wurde. „ Die Entfernung der Unruhstifter!« wäre ebenauf keine andere Weise möglich gewesen."

Ein bezeichnender Aug war es in jenen Tagen, daß die Bewegungen gewöhn- ,lich vorher angekündigt wurden. Stand doch das Militair zur Bevölkerung, undman hatte, demnach gar nichts zu fürchten. So las man am 2. März des Mor-gens an vielen Häusern der Straße, wo Minister Berks wohnte: Nieder mit Berks,

. nieder mit dem H_Minister! Des Abends wurde seine Wohnung bestürmt und

furchtbar verwüstet. Ein Gleiches widerfuhr den Gebäuden des Ministeriums desInnern, der Regierung für Oberbaiern, einem Theile der Residenz und andern kö-niglichen Anstalten. Während das Aerstörungswerk vor sich ging, zogen zahlreichePatrouillen vorüber, die, wie es schien, Augen hatten und nicht sahen, Ohren hat-ten und nicht hörten. Das Volk hatte zum Überflüsse, um sich vor der Reiterei zudecken, in großer Schnelle in mehren Straßen vermittels umgestürzter Bierwägenund Fässer Barrikaden errichtet, die zum Theil erst am folgenden Tage weggeräumtwurden. Berks war in der Nacht entflohen; seine Flucht hatte aber die Ruhe nichthergestellt. Die aufgeregte, man kann sagen, revolutionaire Bevölkerung wogte undstürmte am 3. und 4. März in den Straßen auf und ab. Die Behörden, großen-theils ein Schreiberpersonal ohne hervorragenden Geist, ohne moralischen Muth undTalent, verloren die Besinnung; die Staatsordnung des Schrcibergesindes war voll-kommen aufgelöst. Die Bürgerschaft nahm jetzt die Zügel in die Hände; BürgerNvsipal, Reschreiter und einige Andere standen, wie bereits früher, an ihrer Spitze. ,Sie erwarben sich in diesen Tagen große Verdienste, welche von der undankbarenMenge, wie dies zu geschehen pflegt, schnell vergessen wurden. Die Wünsche derStadt, die Wünsche der Baiern wurden in einer mit zahlreichen Unterschriften ver-sehenen Eingabe zusammengefaßt und unmittelbar dem König überreicht. Eine Schriftähnlichen Inhalts, in jugendlicherer, feurigerer Sprache abgefaßt, überreichten dieStudirenden. „Allgemeine Volksbewaffnung", hieß es darin, „freie Volksversamm-lungen, unbedingtes Affociationsrecht, Freiheit der Gedanken durch die entfesselte Presse, :Öffentlichkeit und Mündlichkeit im Gerichtsverfahren mit Anklageform und Geschwore- >nengericht sind die mächtigen Hebel eines einigen, freien Deutschland zum Schutzund Schirm gegen West und Ost. Kein Kampf gegen die Republik Frankreich, stlange sie unsere Grenzmarken achtet, wenn nicht, ein deutscher Kampf, ohne Hülst