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Baiern und sein König Ludwig l.
für künftige Zeiten aufgespart und sie nicht noch neben dem Etat des königlichenHauses und Hofes, welcher nach dem amtlichen Nachweise im Jahre 1845 auf 1846nicht weniger als die ungeheure Summe von 3,545727 Gulden betrug, für sich inAnspruch genommen haben. Man bedenke dabei, daß alle Ausgaben für sämmtlicheStaatsanstalten, für Erziehung und Bildung, für den katholischen und protestanti-schen Cultus, für Gesundheit, Wohlthätigkeit, Sicherheit, Industrie und Cultur,für Straßen, Brücken und Wasserbauten, für besondere Leistungen an Gemeindenund für das Steuercataster in demselben Jahre blos aus die Summe von 4,233171Gulden gestiegen sind. Und weiß man denn nicht, durch welche verwerfliche Mitteldiese sogenannten Erübrigungen erzielt wurden? Verschiedene Einnahmequellen, na-mentlich die Grundgefälle, die Zollerträgnisse und das Lotto wurden absichtlich geringangesetzt; allein an den Einnahmen der Staatsdomänen stellte sich ein Überschußvon mehr als 4/, Millionen heraus. Weiß man denn ferner nicht, wie gewissenloseBeamte an dem Nothwendigen, an Straßen und Wasserbauten, an Kirchen undSchulhäusern sparten, um am Ende des Jahres bedeutende Summen abliefern undsich allerhöchsten Orts einschmeicheln zu können? Wer bezog denn die Gelder vonden zum Theil gar nicht, zum Theil mehre Monate und Jahre lang nicht besetztenStellen? Wer strich die großen Summen für die Truppen ein, die in den Listenfortgeführt, in der That aber nicht vorhanden waren? Nur eine Thatsache soll hierzur Bezeichnung des Staatshaushalts während der 33 Friedensjahre berührt werden.Am 1. Oct. 1828 betrug die Staatsschuld 123,377000, im Monat August 1847aber die Summe von 125,262659 Gulden. Hierzu kommt noch das von denStänden bewilligte Anlehen von lO'/r Millionen für die Eisenbahnen, wovon aberbis März 1848 nur blos 5 Millionen erzielt werden konnten. Alle vorhandeneStaatsmittel wurden im April 1848 vom Staatsminister der Finanzen auf »ngepayr4,625000 Gulden gerechnet. Man begreift demnach Wohl, warum bei der erstenErschütterung der friedlichen Zustände ein Anlehen von 7 Millionen Gulden noth-wendig wurde, welche aber, außer der einen Million und einiger hundert Tausendezur Unterstützung der Industrie und für Eisenbahnen, nur zur Deckung der Unter-haltungskosten der bairischen Armee aus sechs Monate ausreichen.
Gegen solche unerbittliche Zahlen und Thatsachen verschwindet alles eigene undgedungene Lob, verschwinden alle die zahlreichen, vom Schweiße des Volkes auf-geführten Luxusgebäude, welche überdies weder dauerhaft gebaut sind, noch einenselbständigen künstlerischen Werth besitzen. Namentlich bestehen die Gebäude des Ar-chitekten Gärtner blos in plumpen Nachahmungen der Schöpfungen selbständigerMeister. Sogar das in der That Schöne und Herrliche verschwindet, welches inder Malerei und Plastik durch den Kunstsinn und die Unterstützung des Königs her-vorgerufen wurde. Die Zeitalter eines Lorenzo de' Medici, eines Ludwig XIV. sindveraltet, sind gerichtet in unsern Tagen. Was in Wahrheit der ganzen Menschheit,einem ganzen Volke fruchten soll, muß aus dem breiten Grunde der Volksbildungberuhen, aus ihr hervorgehen. Dieser Volksbildung stellte sich aber König Ludwigfeindlich entgegen. Die freie Wissenschaft war ihm verhaßt; „in Baiern ist keinBoden dafür", pflegte der König gewöhnlich zu sagen. Die nach den Glaubens-bekenntnissen getrennten Schulen wurden der willkürlichen Leitung der Geistlichkeit,religiösen Orden und fanatischen Candidaten des protestantischen Predigeramkcs über-geben. Selbst die Universitäten hat man, so weit dies im paritätischen Lande mög-lich war, konfessionell gesichtet und geschieden. Kummer und Elend war und ist dasLoos der Landschullehrer und aller Laien, deren man sich noch nothgezwungen beiden Bildungsanstälten bedienen mußte. Hatte man doch sogar einen großen Theilder Stistungsgelder, woraus die Schullehrer bezahlt werden, weit unter dem Zins-füße, zu zwei vom Hundert, hergeliehen, damit in München ein schöner neuer Gast-hof erbaut werden konnte. Der Ausfall an den Zinsen ist diesen Männern an ihremSolde abgezogen worden. Man wird es nun natürlich finden, daß die Schullehrer,