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Erster Band.
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Baiern und sein König Ludwig I.

worüber der Landrath von Obcrpfalz und Regensburg vor mehren Zähren offeneKlage führte, am nutzlosen Rhein - und Mainkanale Taglöhnerdienste verrichten muß-ten, um ihr Leben zu fristen. Alle diese und tausend ähnliche Dinge müssen abervon der parteilosen Geschichte dem König persönlich zur Last gelegt werden, denner fand seine einzige Befriedigung darin, selbst zu regieren; bis in die Kleinigkeitenherab traf er selbst die Anordnungen. Ganz übereinstimmend mit dieser selbstherrl-ichen Weise sind seine königlichen Worte an die Baiern, sind seine bekannt gewor-denen Äußerungen seit der Thronentsagung. „Ich bin der letzte König gewesen. —Pfui T. ich möcht' nicht mehr König sein." Die Beschränkung der Willkür derFürsten, die Ministerverantworklichkeit und alle die andern Einrichtungen und Anord-nungen, welche in Folge des Umsturzes in Frankreich unsern lange widerstrebendenFürsten endlich, endlich aufgedrungen oder abgezwungen wurden, sie sind dem launen-haften Willen des Königs Ludwig in der Seele zuwider, sie dünken ihm unwürdig,unerträglich. Verrath und Majestätsverbrechen ist Alles in seinen Augen, was inden letzten Monaten in Deutschland, was in München, was in Frankfurt geschehen.Hätte man die Macht dazu, man würde gegen die ganze deutsche Nation einschreitenwie in den dreißiger Jahren gegen die Baiern, gegen Behr, Eisenmann und Andere,für welche, wie die Äbschiedsworte lauten, „das königliche Herz glühend schlug undschlägt". Allerdings, ein Hörmann und andere verrufene Männer möchten leichtwiedergefunden werden, welche sich zu schmachvollen Werkzeugen des Despotismusgebrauchen lassen, und die das dafür erworbene Blutgeld mit der größten Gewissens-ruhe und Behaglichkeit einstreichen!*)

Mit der Thronbesteigung des Königs Maximilian II. begann ein neuer Abschnittin der Geschichte des Königreichs, in der Geschichte des bairischen Stammes. DerVater hat dem Sohn ein zerrüttetes Erbe hinterlassen. Man ermangelt vor derHand in Baiern, wie in Deutschland überhaupt, der Kraft, die Zeiten zu beherr-schen, und läßt sich, das Klügste was geschehen kann, von ihnen beherrschen. Einfeindlicher Zusammenstoß der gegenseitigen Interessen, der dynastischen und volksthüm-lichen, scheint jedoch am Ende unvermeidlich zu sein. Der Sieg wird aber nichtvon den einheimischen Parteien bestimmt werden. An die Ergebnisse der dritten poli-tischen und socialen Revolution unsers großen Nachbarvolkes sind die Geschicke unsersVaterlands, wie des ganzen europäischen Continents, geknüpft. Der Spruch desweitsehenden Mannes: die Revolution wird die Welt umkreisen, ist erst zuunsern Zeiten in seiner ganzen Tiefe wie in seinem ganzen Umfange begriffen undverwirklicht worden.

*) Man wähne nicht, es wäre dies eine einzelne feindliche Stimme. Seitdem die Pressein Baiern frei geworden, äußern sich alle unabhängigen Lagblätter in diesem Sinne. Manhöre nur beispielsweise ein Bruchstück des „Bairischen Eilboten": „Wo man Hunderttausende aneine Metze gehängt, Millionen an leeren Prunk, zwecklose Steinhaufen und bunte Gläser, anAugen- und andere Sinneswcrke verschleudert, alljährlich durch den entsetzlichsten Druck derbelastetsten Menschenclassen mehre Millionen zusammengescharrt — da sollen jetzt die FrauenSechser zu einer deutschen Flotte beisteuern, da sieht man sich genöthigt, freiwillige Anlehenzu machen. Hohle Proclamationen hat man gegen uns losgelassen, leere Geldkisten hat manuns zurückgelassen."