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Erster Band.
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Der pariser Straßenkampf vom Juni 1848. 22k>

der Straße Saint-Antoine eine fürchterliche Nedoute, welche die gegenüberliegendeStraße des Faubourg bestrich; der Holzhof an der Ecke des Quai Bourdon wurdein eine wahre Kasematte umgewandelt, wo die Truppen sich versteckten. Die In-surgenten besetzten ihrerseits alle Häuser; man sah sie deutlich die Fenster mit Ma-tratzen auspolstern und sich auf ihren Posten stellen. Von beiden Seiten rüsteteman sich so zum Kampfe, als um 8 Uhr von den Abgeordneten des FaubourgFriedensanträge überbracht wurden. Die Parlamentäre, vier an der Zahl, hieltenmitten auf dem Bastillenplatze bei der Julisaule still, von wo aus der Deputirte Re-curt sich zu den Insurgenten begab. Die Letztem erboten sich ihre Barrikaden ein-zureisen unter der Bedingung, daß man ihnen ihre Waffen lasse und die Gefange-nen von Vincennes freigebe. Necurt ermähnte sie von diesen unsinnigen Zumuthungenabzustehen und sich ohne Bedingung zu unterwerfen; aber sein Zureden fand keinGehör. Die Parlamentäre wurden auf der Stelle wieder zurückgeführt. Gegen9 Uhr fanden abermalige Verhandlungen statt. Die Abgeordneten der Insurgentenerklärten in ihrer Genossen Stamm, die Waffen niederlegen zu wollen, wenn manihnen die „demokratische und sociale Republik" garantire. Sie legten hierbei dasProgramm dieser Republik vor: dasselbe war ein wirres Gemisch von socialistischenund jakobinischen Principien, eine rohe Ausgeburt verbrannter Gehirne und ein wü-ster Nachhall von den Doctrinen, welche Barbes, Sobrier und Consorten am 15. Maiproclamirten. Necurt weigerte sich, das Programm zu lesen und verlangte abermalsunbedingte Unterwerfung, wollte aber, da die Parlamentäre dieselbe ablehnten, durch-aus mit nach dem Faubourg hingehen, wo er von seiner frühesten Jugend und seinermedicinischen Praxis her fast alle Leute kannte, und als Arzt und Freund der Ar-men in populairem Ansehen stand. Man mußte ihn mit Gewalt von diesem ultra-philanthropischen Vorhaben abhalten.

Unterdessen hörte man zur Linken Gewehrfeuer und Kanonenschüsse krachen,die von Minute zu Minute näher kamen. Es war der General Lamoriciere, derdurch den Faubourg du Temple gegen den Faubourg Saint-Antoine anrückte, undes wurde dringend nöthig, auch von der Stadtseite her anzugreifen, wenn beide Ope-rationen, wie verabredet war, zusammentreffen und ineinander greifen sollten. Eswar 9/r Uhr. In diesem Augenblick kam ein Adjutant des General Cavaignacmit einem Befehl an den General Perrot, um 10 Uhr das Feuer zu eröffnen,wenn der Faubourg sich nicht aus Gnade und Ungnade ergeben habe. Dieser Be-fehl wurde den Insurgenten mitgetheilt. Da sah man ein ergreifendes und schreck-liches Schauspiel, bemerkt ein Augenzeuge. Die Einwohner aus der Vorstadt kamenheraus, die Einen mit aufgehobenen Händen stehend, die Andern von Kummer nie-dergebeugt; friedliche Bürger und schlichte Arbeitsleute betheuerten laut, daß sie mitGewalt zur Theilnahme am Aufstand angehalten worden, und baten um Gotteswil-len, man möge wenigstens ihren Frauen und Kindern freien Abzug gestatten. Re-curt gewährte ihnen die Bitte, und alsbald sah man an der Ecke des BoulevardContrescarpe eine Colonne Weiber und Kinder nach dem Quai hin fliehen. Aber dieserAuszug hörte plötzlich auf, weil entweder die Furcht die Übrigen abhielt, oder dieInsurgenten sie nicht fortlassen wollten. Jene Verhandlungen hatten nahe an zweiStunden gedauert. Die für die Unterwerfung festgesetzte Stunde nahete heran. DieGeschütze waren in Batterie gestellt und die brennenden Lunten zum Abfeuern be-reit. Eine allgemeine Angst beklemmte die Herzen. Man wartete in tiefem Schwei-gen auf den verhängnisvollen Augenblick. Es schlug 10 Uhr. Die Insurgenten griffenzu den Waffen. Ein Kanonenschuß donnerte und gab das Zeichen zum Kampfe.Das Schießen ging los. Die Kanonade tobte so gräßlich, daß die ganze Vorstadtbebte und den Kanonieren das Blut aus den Ohren stoß. Die Insurgenten erwi-derten das Feuer mit derselben Energie. Bald zündeten die Haubitzen in einem Hauseam Eck der Rue de la Roquette. Ein dicker Qualm, den der Wind über diebenachbarten Häuser weg wehete, vertrieb daraus die Insurgenten. Das Schie-ßen ließ eine Weile nach. ,Da sprangen die ungeduldigen Soldaten der Mobilgarde