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Der pariser Straßenkampf vom Juni 1848.
mit Pulverminen und Kanonen gesprengt werden mußten. Auch waren rund herumalle Fensterscheiben geplaht und manche Wände eingestürzt. Die Gitter des Pan-theon waren umgebogen, die Thüren eingeschossen, die cannelirten Säulen der Haupt-facade und die Sculpturen des Giebelfeldes mit Wundenmalen von Kugeln bedeckt,und inwendig zwei kolossale Statuen (die Republik und der Genius der Unsterblich-keit, die in der Achse der Eingangsthür standen) zerschmettert. Die Kirche Saint-Etienne-du-Mont trug ebenfalls vielfache Spuren von Kanonenkugeln, wovon einedie Thurmspitze mit weggenommen hatte. Die Straße Samt-Jacques, in der Näheder Rue des Mathurins und der Brücke des Hotel-Die» gewährten den trostlosestenAnblick: mehre Häuser waren von Kanonenkugeln durch und durch geschossen, anderemit weißen Kugelnarben über und über bedeckt und wie gefleckt; alle Vorsprünge anden Wänden, Thüren und Ladenschilden waren gleichsam abrasirt.
In der Cite und in den engen Straßen um das Stadthaus, wo das Auge.keine so weite Strecken als im Quartier Latin überschaut, konnte man aus dem Ein-zelnen das Ganze beurtheilen; aber das Schauspiel des Einzelnen war gräßlich. Auchdort, in Gäßchen, wo kaum ein Wagen durchführen kann, donnerten Kanonen undPelotonfeuer; auch dort brachen sich die Kugeln Bahn, indem sie Häuser einrissenund Tod und Verderben um sich herum verbreiteten. In diesen gemauerten Eng-pässen und Felsengassen stritt man sich um jeden Fuß breit Boden wie ums ewigeLeben, und Stürmende wie Bestürmte bedeckten mit ihren Leichen den Boden, densie sich abrangen. Die Tage .darauf, als die Schlacht ausgetobt hatte, sah manhier blos rauchende Trümmer, umgestürzte Barrikaden, verwüstete Wohnungen; aberwie mögen im Moment des Kampfes und gleich nachher diese Stellen ausgesehenhaben, die mit Todten und Verwundeten so übersäet waren, daß, wie ein Augenzeugeund Mitstreitender sich ausdrückte, man nicht wußte, wo man den Fuß hinsetzen sollte,um nicht im Blut auszugleiten! Am wüstesten sah es aus, wenn man vom PlatzBaudoyer die Straße Saint-Antoine hinaufging. Die Häuser dieser Straße Nr. 27und 29, am Eck der Rue Cloche-Perre, die Weinwirthschaft von Delalonde, daSCafe Momus, ein Friseurladen, das Cafe Louis, Nr. 80, das Haus: Au ParadiSdes Dames, Nr. 81, eine zweite Weinwirthschaft am Eck der Rue Casse-Tete, wa-ren theils beinahe zerstört und von Kanonen zerschmettert, theils mit Kartätschen undFlintenkugeln zerschossen. Einige Häuser, von Kanonenkugeln gestreift, geschunden,durchwühlt und durchlöchert, erbebten in ihren Grundfesten und boten nur noch wan-kende Ruinen dar. Die Fensterkreuze waren herausgerissen, die Wandspiegel derKaffeehäuser gleich Zielscheiben durchlöchert, die Marmortische und krystallenen Kron-leuchter in Stücke zerstoben, die an den Kaufläden aushängenden Stoffmuster zer-setzt, die gußeisernen Balcons umgebogen und fast vernichtet, die Außenseiten derBuden in kleine Stücke gehackt, die goldenen Reliefbuchstaben der Ladenschilde einernach dem andern weggerissen, die Akazienbäume am Ausgang der Straße geköpft:kurz überall das Bild trostloser Zerstörung und Verheerung. Ebenso wunderlich unddramatisch sah es im Faubourg Saint-Antoine aus. Am Eingang der Vorstadtwurde das Kleidermagazin der Belle Fermiere, eine Concurrenzanstalt der Belle Jar-diniere in der Cite, noch ärger mitgenommen als diese Letztere; sie ward nämlichzuerst von Kanonenkugeln durchschossen und dann von Haubitzen angesteckt und halbniedergebrannt. Das Haus des Hingerichteten Königsmörders Pepin und das Hausam Eck der Rue de Charenton litten ähnlichen Schaden; sie wurden von den Bat-terien zerschmettert, die am Eck des Bastillenplatzes, nicht weit von den Ateliers desOptikers Chevallier aufgepflanzt waren, die Wände lagen theilweise eingeschossen.Auch die beiden Seiten der Hauptstraße wurden aus eine ziemlich weite Strecke vonKugeln gestreift und zerrissen. Linker Hand steckten die zerplatzenden Artilleriebombeneinen Häuserklumpen in Brand. Das Haus rechter Hand war ein bloßer Schutt-haufen, der noch zwei Tage lang rauchte. Eine Wand blieb verschont und an die-ser Wand, seltsamerweise, ein Spiegel über dem Kamin, das einzige Stück Möbelund gerade das allerzerbrechlichste, welches heil davon kam. Imposante Streitkräste