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Erster Band.
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Schamil und der heilige Krieg im Dften des Kaukasus.

Scheich Manßur; der Kaukasus und seine Bewohner.

§8ährend man sich bei uns der Meinung hingibt, die Zeit des Islam sei vorbei,der Halbmond erbleiche vor dem Heller strahlenden Kreuze, sehen wir im Orient, inden weniger zugänglichen Schluchten und Thälern des Kaukasus und in den undurch-dringlichen Wäldern seiner nördlichen Abhänge das Banner Mohaimncd's mit einerKraft entfaltet, die ganz Europa zur Bewunderung hinreißt. Nicht das Gebäude,welches Mohammed mit genauer Kenntniß seiner Landslcute und der Orientalen über-haupt gründete, ist morsch und geht aus seinen Fugen, sondern die Nachfolger desPropheten sind verweichlicht und vermögen nicht mehr durch das Feuer ihrer geoffen-barten Religion zu großen Thaten begeistert zu werden. Die Völker des Islam habendurch viele Jahrhunderte andauernden Druck, mehr aber noch durch die den Geisttödtende Ruhe die Kraft und Energie verloren, welche sie in den ersten Zeiten nachder Hedshra an den Tag legten.

Die Kaukasier waren zu keiner Zeit einem fremden Herrn unterworfen, selbstdie Araber vermochten in der Zeit ihrer Blüte nicht, ein Gebirge zu bezwingen, indem lebensfrische, einfache Volker den heftigsten Widerstand entgegensetzten. Erst inder Zeit des Friedens und der Ruhe verbreitete sich die Lehre Mohammed's im Ostendes Kaukasus, während sie im Westen fast gar keinen Eingang fand. Aber auch imOsten erregte der Islam, durch äußere Umstände bedingt, erst in der neuesten Zeit denFanatismus und die Hingebung, wie wir beide kurz nach seinem Entstehen gesehen ha-ben. Wenn wir nach den Ursachen fragen, die die plötzliche Veränderung hervorgerufenhaben, und wodurch die Gleichgültigkeit in Sachen der Religion bis zu dem jetzigenElaubenseifer angefacht worden ist, so finden wir sie in den obwaltenden Verhältnissen.Die Kaukasier, d. h. die Bewohner des Gebirges waren, so weit die Geschichte hinauf-geht, nicht im Stande, die nöthige Nahrung sich aus ihrer nächsten Umgebung zuverschaffen; das mehr oder weniger unfruchtbare Gebirge besitzt selbst nicht so viel Weide-land, um einigermaßen bedeutende Heerden zu ernähren, während Getreidebau kaumfür das dringendste Bedürfniß ausreicht. Das einfache Leben, der beständige Kampfmit Entbehrungen und anhaltende Nüchternheit erkräftigte dagegen die Bewohner desGebirges auf eine Weise, daß sie ihrer eigenen Kraft bewußt, diese in den Ländernnördlich und südlich geltend machten. Umgekehrt waren die Völker der Ebenen bestän-digen Einfällen ausgesetzt und mächtige Fürsten knechteten sie auf eine so schauder-hafte Weise, daß sie zum großen Theil Physisch und moralisch zu Grunde gingen.

Als Rußland in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts im Norden desKaukasus festen Fuß faßte und die bewaffnete Linie, deren Grund schon Peter derGroße gelegt, immer mehr gegen die Vormauern des Kaukasus vorschob, erwachteallmälig die Eifersucht der Bergvölker gegen eine Macht, die alle Mittel, welche Gewaltund Schlauheit ihr in die Hand gaben, in Bewegung setzte, um sich die freien Söhnedes Gebirges zu unterwerfen. Die Hohe Pforte mußte die Krim für unabhängig erklä-ren und bald darauf sehen, wie das letzte Reich der Goldenen Horde den Russen alsBeute anheim fiel. Die Kuban (das heutige Tschernomorien) hatte sich auch demKaiser unterworfen. Da glaubte die türkische Regierung nicht mit Unrecht, daß dieVölker des Kaukasus vor allem im Stande waren, der Ausbreitung der russischenMacht einen mächtigen Damm entgegenzusetzen. Aber der Islam hatte damals imWesten des Kaukasus noch gar nicht Wurzel geschlagen, und seine Regeln wurden selbstim Osten mit Lauheit und Gleichgültigkeit ausgeübt. Es galt deshalb für die Aus-breitung der Lehre Mohammed's Sorge zu tragen und die Völker selbst damit zu fana-tisiren. Der Zufall unterstützte diese Ansicht. Ein Religionslehrer des Tschetschen-landes, Mohammed Manßur, hatte bereits angefangen seine Landsleute zu fanatisiren,und bald wurde aus dem frommen Priester des Islam ein politischer Häuptling. In