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Erster Band.
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268 Schamil und der heilige Krieg im Osten des Kaukasus.

seit Jahrhunderten mit den Nüssen im Bunde gestanden. Es galt dies bis in dieersten Jahrzchnde des vorigen Jahrhunderts, nur den genirinschaftlichcn Feind desChristenthums, die mohammedanischen Tataren, namentlich die der Kuban und derKrim zu bekämpfen. Als diese gedemlithigt waren, trat Rußland aber mit seinenehrgeizigen Ansichten plötzlich deutlicher hervor, und suchte nun, seine Bundesgenossen,die Kabarder selbst, sich zu unterwerfen. Es gelang ihm, aber nicht ohne sehr großenWiderstand. Damit erklärten sich aber auch alle Völker des Kaukasus gegen Ruß-land, und es begann in der Mitte des vorigen Jahrhunderts der Kampf, welcher jetztmit erneuter Heftigkeit geführt wird.

Scheich Manßur's Bestreben ging hauptsächlich dahin, die Tscherkcffen durch dieBande der Religion ebenfalls an sich zu fesseln. Da das Christenthum schon an undfür sich keineswegs tiefe Wurzeln geschlagen hatte, so gelang es ihm wenigstens, dieFürsten zur theilweisen Annahme des Islam zu überreden, zu sanatisiren vermochteer sie aber auf keine Weise. Die stolzen Tscherkessen widerstanden überhaupt, mitden übrigen Völkern des Kaukasus, namentlich mit den in Osten wohnenden Tsche-tschen (Tschetschenzen) und Lcsghiern gemeinschaftliche Sache zu machen, denn sie wa-ren bis dahin das herrschende Volk gewesen. Ein tscherkessischer Fürst heirathete niedie Tochter eines lesghischen oder tschechischen Häuptlings, eine Verbindung, die kaumder tscherkessische Edelmann eingehen zu können glaubte, ohne seine Würde zu verletzen.Dieser Nationalstolz des Tscherkessen ist selbst heutzutage noch die Klippe, an deralle Verhandlungen Schamil's gescheitert sind und auch ferner scheitern werden. EineVereinigung aller kaukasischer Völker kommt deshalb nie zu Stande; ein Umstand,der für die Russen und ihre Stellung am Kaukasus von den größten Folgen ist.Scheich Manßur vermochte auch nur dadurch unter den Tscherkessen seinen Ein-fluß geltend zu machen, daß er sich später ganz unter ihnen aufhielt und mit ihm»manchen glücklichen Schlag gegen He Russen ausführte. Als die Feindseligkeiten zwi-schen Rußland und der Türkei von neuem ausgebrochen waren, und türkische Truppe»unter Bathal Pascha geschlagen sich nach Anapa zurückzogen, warf sich Scheich Man-ßur ebenfalls in diese Festung und suchte sie gegen die Russen, anfangs mit Glück,zu vertheidigen. Doch Gudowitsch eroberte sie 1791 mit Sturm und machte den kau-kasischen Propheten zum Gefangenen. In Schlüsselburg soll er sein einsames Leben ver-trauert haben. Die europäischen Kriege, welche der Reihe nach aus der großen Franzö-sischen Revolution hervorgegangen waren, erlaubten Rußland nicht, große Streitkräfte zurweiter« Eroberung des Kaukasus zu verwenden. Auch nahm die Besitznahme Geor-giens oder Grassens zu Anfang dieses Jahrhunderts und die nicht zu vermeidendenVerwickelungen mit den übrigen Herrschern Transkaukasiens alle disponibeln Kräfteschon an und für sich in Anspruch. Die erworbenen Besitzungen bedurften vieler Jahre,ehe sie beruhigt wurden. Man mochte in Petersburg auch glauben, daß die Bewoh-ner des Gebirges sich von selbst zu unterwerfen gezwungen sein möchten, sobald Ruß-land einmal in Georgien und den früher damit zusammenhängenden Ländern feste» ,Fuß gefaßt hätte. Man hatte sich verrechnet, obgleich man weder Versprechungennoch Bestechungen gescheut hatte, um zu seinem Ziele zu gelangen.

Doch bevor die weitere Entwickelung der dortigen Zustände verfolgt werden kann,wird es gut sein, einige Worte über die Beschaffenheit des Gebirges und über seineBewohner zu sagen.*) Das kaukasische Gebirge erstreckt sich in südöstlicher Richtungvom 35.—67. Grade östlich von Ferro und hat demnach die bedeutende Ausdehnungvon 12 Graden. Durch die bekannte Militairstraße wird es in eine westliche und e-'neöstliche Hälfte getheilt; nur in der letzter« wüthet der Krieg, von dem hier besonders dieRede sein soll, während in der erster« die in der neuesten Zeit vielfach genannten Tscher-kcffen wohnen. Nicht weit von der Militairstraße theilt sich der Kaukasus, am Gebirgs-

*) Die allgemeine naturgeschichtliche Beschreibung des bis jetzt wenig gründlich gekannte»kaukasischen Gebirges wird nächstens in einem besondern Artikel folgen, den wir demselbenBerfasser, einem namhaften deutschen Reisenden, zu danken haben. D. Red.