Schamil und der heilige Krieg im Osten des Kankasus» 269
stock Borbalo, in einen dieselbe Richtung fortsetzenden und in einen nordöstlich laufendenSchenkel. Der letztere führt den Namen des andischcn Kaukasus. Der eigentliche Kau-kasus spaltet sich weiter östlich noch ein mal, und während der südliche Schenkel inderselben südöstlichen Richtung fortläuft, geht der nördliche in einem Bogen nachOsten bis zum Meere. Durch den letztem wird das Dreieck, das durch die beidenvom Borbalo auskaufenden Schenkel gebildet ist, in zwei ungleiche Hälften gebracht,von denen die südliche aus der kurinschen Herrschaft und aus dem frühern ChancttKuba besteht. In der nördlichen Hälfte zieht sich von Norden nach Süden das Kaitach-gebirge herab und schließt nach Westen eine unebene, zum Theil selbst mit bedeuten-den Höhenzügen versehene Hochebene ein, die man jetzt vorherrschend Lesghistan nennt,während das übrige nach Süden und Osten liegende Land Daghestan genannt wird.Die Bewohner sind auch hier vorherrschend Lcsghier, und nur an den Ufern des Kas-pischcn Meers wohnen Tataren und Truchmenen. Zwischen der «irdischen Gebirgs-kette und der oben erwähnten Militairstraße liegt das Land der Tschetschen oder (mitrussischem Plural) Tschetschenzen. In ihm befinden sich, besonders in den nördlichbis zum Terek sich hinziehenden Ebenen, die großen Wälder, von denen uns die Zei-tungen in der neuesten Zeit so viel berichtet haben. Tatarische Völkerstämme habensich endlich auch auf beiden Seiten der Ssunsha, einem Nebenflüsse des Terek, an-gesiedelt, aber auch weiter nach Osten wohnen die Kumücken, ebenfalls Tataren, zumnoghaischen Stamme gehörig. Was die wichtigern Flüsse anbelangt, welche im Ver-lauf der weitem Erzählung erwähnt werden möchten, so trennt der reißende Ssamurdie kurinsche Herrschaft vom Chanat Kuba. In Lesghistan ist nur ein Hauptflußvorhanden, der Äoißu, setzt sich aber aus vier Flüssen: dem andischcn, awarschen, kara-und kasikumückschen Koißu zusammen. In steiler Schlucht fließt er zwischen demOstende des andischcn Kaukasus und dem Ndrdende des Kaitachgebirgcs in die Ebene,und führt nun den Namen Ssulak. In der Tschetschna oder dem Tschetschenlande,die nach Norden vom Terek begrenzt wird, ist die Ssunsha oder Ssundsha mit derAssai und dem Argun ein bedeutender Nebenfluß des Terek.
Lesghier und Tschetschen galten von jeher für Näubervölkcr. Im Norden fürch-tete man die Tschetschen, von denen besonders der erbliche Älteste des großen DorfesTschetschen, stets Arßlan genannt, im vorigen Jahrhundert sich großen Einfluß ver-schaffte und seine Landsleute oft zu Raubzügen aus russischem Gebiete um sich ver-sammelte. Weil die Russen hauptsächlich nur mit dem Ältesten des Dorfes Tschetschenzu thun hatten, so trugen sie den Namen desselben allmälig auf,das ganze Volk über.Russische Intriguen schwächten aber allmälig den Einfluß des Ältesten, dessen Rangund Name von dem Vater auf den Sohn überging, und schon in dem ersten Decen-nium dieses Jahrhunderts wird seiner gar nicht mehr gedacht. Warme Quellen,welche sich in dem Winkel, der durch den Einfluß der Ssunsha in den Terek gebildetwird, vorfinden, hatten die Russen schon im vorigen Jahrhundert bestimmt, dort eineNiederlassung zu gründen, die aber nie gedieh. Erst Jermoloff, Statthalter der kau-kasischen Provinzen, faßte zwischen Terek und Ssunsha festem Fuß und erbaute zweiFestungen, von denen die eine das jetzt sehr wichtige Grosnaja ist. Es geschah die-ses im Jahre 1818. In Daghestan hatten die Russen leichteres Spiel, denn hierherrschten eine Reihe von Fürsten, die sich oft nur mit russischer Hülfe behaupten konnten.Der Schamchal von Tarku hatte früher als Wali-Daghestan (König von Daghestan)eine große Rolle im östlichen Kaukasus gespielt. Er unterwarf sich schon Peterdem Großen, wurde aber erst unter Katharina ll. eigentlicher Vasall der Krone,ohne jedoch damals tributair zu werden. Dasselbe galt von den kumückischen Für-sten. Sie alle empfingen russische sogenannte Pensionen. Südlich von der Herr-schaft des Schamchals liegt Kaitach, deren Herrscher sich zuerst 1727, dann wie-derum 1828 unterwarfen. Da sie sich bald daraus empörten, wurden sie gänzlich ver-trieben, ohne daß aber Rußland dadurch selbst im Ländchen größern Einfluß erlangthatte. Es war nur die Küste am Kaspischen Meere, von der sie in der That Besitz nah-men. Tabaßeran ist ebenfalls ein kleines Ländchen südlich von Kaitach gelegen. Zu