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Erster Band.
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Schamil und der heilige Krieg im Osten des Kaukasus. 271

Berhecrungszug in die zuletzt genannte Herrschaft. Eine Menge Dörfer wurden zer-stört. Bis dahin war noch nie ein Feind vorgedrungen, ein Umstand, welcher na-mentlich die Bewohner des nicht von Fürsten beherrschten Antheils von Tabaßeranin große Aufregung versetzte. '

Der Murschid Mohammed Effendi hatte seinen Sitz in Jarach und erhielt baldein solches Ansehen, daß er eine Menge Schüler um sich versammelte; die reine LehreMohammed's predigte er mit all ihrem Groll gegen Andersgläubige. Dieser Groll fandnamentlich in dem Herzen eines Jünglings, Kasi Mohammed, der später als KasiMollah (im Daghestan Kußu Mullah genannt) als erbittertster Feind Rußlands auf-trat, einen solchen Eingang, daß der bis dahin lebensfrohe junge Mann aus einmalschweigsam wurde und alle Fröhlichkeit vermied. Verderben und Tod den Gjaurnschwur er in einsamer Stunde und am Grabe Abu Müßcllim's, des Arabers, derbei Chunsak in Awar von den Ungläubigen erschlagen wurde. Er kehrte daheim undwurde der Murschid des Landes der Tschetschen und der die Engpässe des Koißu um-gebenden Gaue. Eine glühende Beredtsamkeit kam ihm zu statten. Nicht minderwaren die schnell aufeinander folgenden persischen und türkischen Kriege für die spätereZeit günstig. Doch schon zuvor hatte sich der Fanatismus in zwei schrecklichen Gräuel-scenen geltend gemacht. Ein Haufe roher Tschetschen, von einem Priester ange-führt, bemächtigte sich durch List der südlich am Terek im Lande der Kumücken gele-genen Beste Amir-Hadshi-Jurt und richtete daselbst ein furchtbares Blutbad an. DerHalbmond wehte bald von denselben Wällen, wo früher das Kreuz aufgerichtet war.Die Generale Grekoff und Lißanewitsch vereinigten ihre Streitkräfte miteinander undsuchten die Beste ihren Feinden wiederum zu entreißen. Es gelang ihnen zwar, dochschlugen sich die Belagerten mitten durch die zahlreichen Nüssen und kamen glücklichin den dichten Wäldern Jtschkeriens, einer» östlichen Gau des Tschetschcnlandes, an.Noch ein mal versuchte man die Tschetschen aus gütlichem Wege zu gewinnen undsie zur Auslieferung der Frevler zu bestimmen. In der russischen Beste Taschkitschuempfingen die bereits genannten Generale Grekoff und Lißanewitsch die Deputation,aber nur ihr Führer, derselbe fanatische Priester, der jene Schar geführt, wurde indie Beste eingelassen. Die harte, unbesonnene Rede der Generale versetzte den Tsche-tschen bald in eine solche Wuth, daß er diese und außerdem mehre Russen mit sei-nem Kindshal, dem breiten, dem Römerschwert ähnlichen Dolche niederstach , ehe erselbst ein Opfer wurde. Kaum hatte Jermoloff diese schändliche That erfahren, alser sich an die Spitze seiner Truppen stellte und sengend und brennend einen Theildes Tschetschcnlandes durchzog. Es unterwarfen sich von neuem eine Menge Gaue.Das war die letzte That Jermoloffts, denn 1826 brach der persische Krieg aus undder große Feldherr wurde abberufen, um durch Paskewitsch ersetzt zu werden.

Die Tschetschen und die Lesghier der Koißu-Engpässe waren durch JermolofftsThat wiederum für eine Zeit lang eingeschüchtert. Kasi Mollah fand für seine Auf-reizungen nur wenig Boden, zumal ein anderer Murschid, Sahid Effendi, der in Arra-kan auf der awarschen Hochebene seinen Sitz hatte, seinem Einflüsse entgegentrat. Aberauch andere Priester, namentlich in Erpeli und Karanai, fürchteten die Macht desehrgeizigen Murschiden Kasi Mollah, der in Himri, einem festen Dorfe östlich amKoißu, seinen Wohnsitz aufgeschlagen hatte. Kasi Mollah sah bald ein, daß derIslam nicht umsonst das Schwert von Mohammed in die Hand erhalten hatte unddaß er Worte der Ueberzeugung nur verschwendete. Plötzlich überfiel er mit seinen An-hängern das Dorf Arrakan. Mit genauer Noth entkam Sahid Effendi, Kasi Mollahzog aber, das Schwert in der Hand, mit seinen sich von Tag zu Tag mehrenden An-hängern nach dem nordöstlichen Theil der awarschen Hochebene, nach dem lesghischenGau Koißubui. Alle Dörfer huldigten ihm daselbst. Dadurch ermuthigt wandte ersich in das Chanat Awar und verlangte von der Witwe Umchan's, der greisen BachuBeg, die im Namen ihres unmündigen Sohnes regierte, daß sie sich mit ihren Unter-thanen ihm anschließen sollte. Mit allerhand Versprechungen suchte die schlaue Frauseinem Verlangen auszuweichen; doch Kasi Mollah zog vor Chunsak, die Residenz