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Erster Band.
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272 Schaun! und der heilige Krieg im Osten des Kaukasus.

der Chane, wurde aber schmählich geschlagen. Es geschah dieses im Jahre 1830.Wer bis dahin Kasi Mollah mehr gezwungen als freiwillig gefolgt war, verließ ihnnun ganz und gar. Ja, als der Generallieutenant Rosen noch mit einem Heereerschien, um die treue Bachu Beg in ihrem Kampfe gegen Kasi Mollah zu unter-stützen, gelobten sogar,eine Menge bis dahin unabhängiger Dörfer der Koißu-Eng-päffe den Russen Treue. Die polnische Revolution brachte Kasi Mollah wiederumfreiere Hand. Er gewann allmälig seine alten Anhänger wieder und suchte mit ihnennun die Unterthanen des Schamchals für sich zu gewinnen. Zum Theil gelang esshm auch. Da faßte er den kühnen Entschluß, sich des Herrschers selbst zu bemäch-tigen. Kasi Mollah kannte den Einfluß, den der Schamchal, wenn er freiwillig odergezwungen ihn auf seinen Einfällen und Eroberungen begleitete, auf seine Landsleukeausüben würde.

Es ist eine eigenthümliche Erscheinung, daß die freien Söhne des Gebirges gegenihre Fürsten nicht allein, sondern gegen alle Herrscher des Gebirges überhaupt, einesolche Ehrfurcht und Ergebenheit besaßen, daß sie deren Person sogar für unverletzlichhielten. Die Russen haben oft schon diesen Umstand zu ihrem Vortheile benutzt undmehr als einen Sieg davongetragen, indem sie einen einheimischen Fürsten mit sichführten. Man erzählt selbst Beispiele, wo feindliche Lesghier plötzlich beim Anblickeines Fürsten ihre schon gespannten Flinten sinken und sich sogar ohne allen Wider-stand gefangen nehmen ließen. Fragt man nach den Ursachen dieser sonderbaren That-sache, so mögen sie zum Theil, in der Jahrhunderte lang andauernden Gewohnheit liegen.Wichtiger ist aber, daß mehre Fürsten im östlichen Kaukasus, namentlich Kaitachsund Tabaßerans, ihren Ursprung von den Arabern ableiten, welche zuerst im Kauka-sus den Islam ausbreiteten. Wenn auch im Verlaufe der Zeit die Herrscherfamilien,namentlich in Kasikumück und Tarku, mehrfach gewechselt haben, so verdankt doch we-nigstens die Herrschaft den Arabern und namentlich dem als heilig betrachteten AbuMüßellim ihren Ursprung. Die Geschichte des östlichen Kaukasus hat der Beispielein Menge, wo die Fürsten ihre Unterthanen auf das härteste und grausamste behan-delten, wir haben aber keines, daß bis dahin sich ein Lesghier an seinem Fürsten vergriffenhätte. Unter sich lebten aber die Glieder oft einer und derselben Fürstenfamilie sehr häufigin Feindschaft, und gegenseitige Ermordungen gehörten bei ihnen zur Tagesordnung.

Kasi Mollah hatte in Awar gesehen, wie sehr das Volk seiner Fürstin ergebenwar, und deshalb versuchte er nun, den Schamchal von Tarku zu gewinnen. AlleVersuche zur Überredung scheiterten aber an der Treue des Herrschers. Da beschloßder fanatische Führer Das mit Gewalt zu erreichen, was ihm nicht auf gütlichem Wegegelang. Viele Dörfer des Schamchals schlössen sich, wie schon gesagt, freiwillig demPropheten an, andere wurden durch Feuer und Schwert dazu bestimmt. Plötzlichbrach Kasi Mollah in der Mitte des Monats Mai 1831 mit einem bedeutenden Heereaus, schlug den General Taube, der sich ihm entgegensetzte, und stand plötzlich verTarku. Die schlecht vertheidigte Stadt vermochte nicht zu widerstehen, denn schon inder Nacht zum 26. Mai zog Kasi Mollah ein, um an den armen Bewohnern einfürchterliches Beispiel zu statuiren. Mord und Todtschlag, Raub und Plünderungfolgten während einiger Tage aufeinander. Es ist nicht möglich, ein treues Bild vonden Gräuelscenen zu geben, welche der Wüthrich sich hier zu schulden kommen ließ.Auf einem steilen Felsen, der die Stadt und die ganze Umgegend beherrscht, habendie Russen eine Citadelle erbaut, die uneinnehmbar schien und wegen ihrer hohenLage den Namen der Stürmischen, Burnaja, erhalten hat. Um sich ihrer zu bemäch-tigen, opferte Kasi Mollah mehre Hunderte seiner Anhänger; die Besatzung verthei-digte sich aber aufs hartnäckigste und widerstand selbst da noch, wo schon die einzigeQuelle, welche ihr Wasser zuführte, von dem Feinde abgeschnitten war. Ausfälleder Belagerten und Stürme von Seiten der Lesghier wechselten miteinander. Blutfloß in Strömen und das Heulen und Wehklagen der Verstümmelten und Sterben-oen übertäubte das Brüllen und Toben der Kämpfenden. Da erschien zur rechtenZeit für die Belagerten der General Kochanoff; aber erst nach mehrtägigem Kampfe