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Erster Band.
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Scharm! und der heilige Krieg irn Osten des Kaukasus. 275

Einfluß die erblichen Fürsten auf das Volk ausübten, und nahm sich deshalb vor, aufjede Weise diesen Wahn der fürstlichen Unvcrletzlichkeit zu zerreißen. Der Schamchalstand zu sehr unter dem Schutze der Russen, als daß er gegen ihn den Schlag aus-zuführen im Stande gewesen wäre, er richtete deshalb sein Augenmerk auf Awar, gegenderen Herrin er überhaupt noch die Scharte, welche diese Kasi Mollah geschlagen, wiedergut zu machen hatte. In Chozatl, einem östlichen Grenzdorfe des awarschen Chanats,zog er im Frühjahr 1834 ein Heer von 12000 Mann zusammen und marschirtein Eilmärschen damit nach Chunsak. Vor der Burg schlug er sein Lager auf und sandtedann Abgeordnete an Bachu Beg und ihren ältesten, im Jünglingsalter stehendenSohn, Abu Nuzal, mit der Auffoderung, sich ohne Zögern zu seiner Verfügungzu stellen. Bachu Beg suchte seinem Verlangen auszuweichen und schickte endlich selbsteinen ihrer Söhne ab, um den ungestümen Häuptling auf irgend eine Weise los zuwerden. Doch Hamßad Beg verlangte immer heftiger unbedingte Unterwerfung. Derausweichenden Verhandlungen endlich müde, zog der fanatische Häuptling seinen Kind-shal und stieß den jungen Chan mit eigener Hand als Vcrra'ther an der guten Sachedes Islam nieder. Den blutigen Dolch zog er aber wieder aus dem Herzen seinesFeindes, schwang ihn hoch in die Luft und rief: „ Auf! um alle Die zu vernichten,welche den Gjaurn Vorschub leisten und unsere gute Sache verrathen." Damit stürzteer sich vorwärts nach der Burg und in kurzer Zeit hatte die wilde Schar diese gestürmt.Alles fiel unter den Dolchstichen der Anhänger Hamßad Beg's. Nur das jüngste Kind,ein Sohn, soll durch einen wohlhabenden Awaren, HadM Murad, gerettet wordensein und sich jetzt in Petersburg befinden.

In Chunsak befindet sich eine berühmte Moschee, zu der selbst ferne Gläubigewallfahren, denn bei ihr sollen die Gebeine des heiligen Abu Müßellim, des arabi-schen Heerführers, begraben sein. Dorthin begab sich die Menge und schwur bei demrächenden Gotte nicht eher das Schwert ruhen zu lassen, als bis alle Gjauren undnamentlich die verrätherischen Moskoff (Russen) ein gleiches Schicksal getroffen oderverjagt worden wären. Doch wenn auch der Augenblick die wilde Schar beherrschte unddie angeborene Ehrfurcht und der Glaube an die Unverletzlichkeit des Fürsten sich jetztnicht geltend machen konnte, so erschraken später selbst die Mörder vor der schrecklichenThat. Sie sahen aber doch, daß Allah keineswegs selbst Rache an dem Frevler genom-men hatte, und daß die Fürsten wenigstens für Gott nicht unverletzlich seien. Nochgrößer war die Entrüstung bei den awarschen Unterthanen der herrschenden Familie.Wenn Schrecken und Furcht auch keineswegs gestatteten, sich öffentlich über die Unthatauszusprechen, so glimmte doch Haß und Groll gegen den Mörder im Stillen fort.Ganz Awar huldigte von nun an freiwillig oder gezwungen seinem neuen Herr-scher Hamßad Beg, der mit dieser seiner Eroberung noch keineswegs zufrieden warund sich auch die umliegenden Gaue unterwerfen wollte. Doch seine Versuche mitdem Gau Andi und der Republik Dargo mislangen noch in demselben Jahre, undbevor er sie im nächsten ausführen konnte, fiel er unter den Streichen eines Mörders.

Mitten in Chunsak, auch der Residenz des neuen Chans, besaß Hamßad Begzahlreiche Feinde, die mit Sehnsucht einer günstigen Gelegenheit entgegensahen, sichan dem verhaßten Mörder ihrer Fürstenfamilie blutig zu rächen. Hüdshi Murad sollder Milchbruder des ermordeten Abu Nuzal gewesen sein. Er hatte schon den letztenSprößling der herrschenden Chansfamilie gerettet und nun stellte er sich hier an dieSpitze der Verschwörung. In derselben Moschee, die oben schon blutiger Zeuge gewesenwar, sollte Hamßad Beg fallen. Gewarnt und selbst mit der ihm nur vermeintlichenVerschwörung zum Theil vertraut, hielt der Letztere eine That für unmöglich, die ihm^ bevorstand. Es wurde das Verbot gegeben, daß Niemand sich bewaffnet indie Moschee begeben solle, und treue Anhänger Hamßad Beg's hatten die Aufsichtüber alle Die, welche in das Gotteshaus eintraten. Sich durch diese Maßregeln derVorsicht noch sicherer wähnend, stellte Hamßad Beg die Verschworenen Hadshi Muradund dessen Bruder Murad offen zur Rede. „Ihr Verräther", sprach er mit lauter