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Erster Band.
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Schamil und der Heilige Krieg im Osten des Kaukasus. 277

sen, es fehlte dem Kriege noch ganz und gar die bewundernswürdige Organisation,welche er seit dem Jahre 1840 erhielt. Wenn man sich auch um einen Führer, dereben am tapfersten und im Kampfe am glücklichsten war, scharte, so schloß dieserdoch keineswegs andere mehr oder weniger unabhängige Führer aus. Hadshi Taschaff,ein einflußreicher Tschetsche Jtschkeriens und Abuker Dibir in Ssolotau hatten schonfrüher für sich Einfälle, namentlich im Lande der kumückschen Fürsten, gemacht undhandelten auch jetzt noch für sich. Die einzelnen Häuptlinge waren selbst aufeinandereifersüchtig, und vor allem machte das herrschsüchtige und verschlossene Benehmen Scha-mil's diesem unter den angesehenern Lesghiern und Tschetschen manche Feinde, wennihn auch das Volk, besonders wegen seines enthaltsamen Lebens und wegen seineswunderbaren Entkommens aus Himri, allgemein verehrte. Schamil war nur der Sohneines einfachen itschkerschen Tschetschen, während er nach andern Nachrichten aus Himriebenfalls von keineswegs einflußreichen Ältern stammen soll. In Jtschkerien war da-mals der einflußreichste Mann der oben schon erwähnte Hadshi Taschaff, der sichauch am längsten gegen den Einfluß Schamil's sträubte und sich demselben erst 1838unterwarf.

Schamil hatte namentlich unter Hamßad Beg die Art Krieg zu führen gelernt,und es in dieser Kunst nach einem Verlauf von 14 Jahren wirklich so weit ge-bracht, daß diese selbst bei den kenntnisreichern Russen volle Bewunderung erregte.Schamil wußte, daß er vor allem sich wieder in den Besitz von Awar setzen mußte;doch er hatte dort einen Gegner, der bei seinen Hülfsmitteln nicht so leicht zu besei-tigen war. Im Verlauf der beiden nächsten Jahre hatte er zwei mal bedeutendeHülfskräfte um sich geschart, aber beide mal wurde er, wenn er auch jedes mal glück-lich bis Chunsak vorrückte, durch Hadshi Murad, dem stets ein russischer General zuHülfe eilte, zurückgeschlagen. Schamil verlor weder den Muth, noch die Hoffnung,doch endlich zum Ziele zu kommen. Im Herbst des Jahres 1836 führte er einenSchlag aus, der ihm eine Menge neuer Anhänger zuführte. Er überfiel nämlichplötzlich ein russisches Detaschement unter dem Grafen Jwelitsch bei dem großenDorfe Aschilta und hieb es schonungslos nieder. Die große dabei gemachte Beutebrachte allgemeinen Jubel unter seinen Anhängern hervor. Unter den Russen wurdeendlich immer mehr die Überzeugung rege, daß man auf der awarschen Hochebeneeinen sichern Zufluchtsort haben müsse, von dem aus man agiren könne. GeneralFast, ein Zürcher von Geburt, erhielt den Auftrag, Chunsak zu befestigen, undrückte von Derbend aus mit 12000 Mann über Dargo nach Awar. Zum erstenmal wurde eine starke Besatzung nach der Vollendung der einstweiligen Befesti-gung in Chunsak zurückgelassen. Fast selbst rückte nach Aschilta, um die den Russenangethane Schmach zu rächen. In der Nähe dieses großen Dorfs, auf einer hohenLandzunge, die von drei Seiten vom tiefen Koißu umflossen wird, liegt die BurgAchulko, aus der ein Häuptling, Ali Beg mit Namen, mehre Tage lang „der hart-näckigsten Belagerung widerstand und sich endlich mitten durch die russische Übermachtdurchschlug.

Während dieses vor Aschilta und Achulko geschah, schlug Schamil aber ein russi-sches Detaschement unter dem Obristen Butschnieff bei dem Dorfe Tilitlä (Zilitlä) indie Flucht und setzte sich hier selbst noch fest, als Fäsi mit seiner ganzen Macht her-beikam, um die neue Schmach ebenfalls wieder gut zu machen. Tilitlä liegt auf einemfelsigen Terrain, auf dem fast jedes einzelne Haus vertheidigt werden kann. EineReihe Häuser gingen zwar nach und nach in den Besitz Fäsi's über, Schamil setzteaber von den andern aus einen um so kräftigern Widerstand entgegen. Bis in denSpätherbst standen sich die Feinde einander gegenüber und Keiner wollte weichen,um den Sieg davonzutragen. Man verständigte sich endlich gegenseitig und zogbeiderseits ab; die Russen behaupteten, daß sich Schamil damals unterworfen habe,und Fäsi spricht selbst von Geiseln, die er erhalten, aber auch Schamil meldet ineiner Proclamation von einem glänzenden Siege und der Vertreibung der Russen.Trotz einiger erhaltenen Vortheile sah Schamil ein, daß er noch zu schwach sei,