278 Schaun! und der heilige Krieg im Osten des Kaukasus.
die Russen aus Awar zu verjagen, und so versuchte er nicht ohne Glück, die les-ghischen und tschechischen Stämme zwischen Awar und den russischen Besihunge»noch mehr an sich zu ketten und sich namentlich in den festem Besitz der Koißu-Engpässe zu setzen. Er beunruhigte i.m Jahre 1838 Awar zwar nicht mehr, begannaber einestheils einen Guerrillaskrieg in den Besitzungen der kumückschen Fürsten unddes Schamchals, anderntheils befestigte er mehre natürliche Burgen, namentlich Achulko,welches die Russen ganz zerstört hatten. Schamil hatte gesehen, daß auch die festestenThürme den Kanonen unterliegen und deshalb legte er eine Art Kasematten an. Leiderweiß man nicht, aus welcher Felsart das Terrain der Koißu-Engpässe und des nörd-lichen Theils der awarschen Hochebene besteht, an einzelnen Stellen kann sie abernicht von fester Konsistenz sein. Russische Nachrichten sprechen sogar von Sandstein..Daß die awarsche Ebene von tertiairen Schichten bedeckt ist, scheint richtig zu sein,aber ohne Zweifel sind die beiden hohen Wächter der Koißu - Engpässe und Endendes andischen und Kaitachgebirges, der Ssolotau und der Toußtau, trachytischer Natur.Es ist deshalb auch wahrscheinlich, daß die einzelnen Felsenkuppen aus Trachyt beste-hen, und daß dann namentlich in den engen Thalschnitten des Koißu weicher vulka-nischer Tuff existirt. Man findet dieselbe Erscheinung, nämlich von Trachytconglo-merat bedeckten vulkanischen Tuff, ebenfalls bei der alten armenischen Hauptstadt Am,die an einem tiefen Thaleinschnitte des Arpatschai liegt. Schamil benutzte namentlichbei Achulko das weichere Gestein, um sich auch weiter unten, auf den niedern Ter-rassen, Felsenwohnungen zu schaffen, und verstand auch außerdem auf alle Weise,die Örtlichkeiten zu seinem Vortheile zu verwenden. Nächst diesen Felsenwohnungenlegte er auch Trancheen an, sodaß es ganz das Ansehen hatte, als wenn Schamilein europäischer General wäre. Wahrscheinlich gebrauchte er bei der Errichtung sei-ner Befestigungswerke polnische Flüchtlinge und andere Gefangene.
Grabbe; die Eroberung von Achulko und ihre Folgen.
Aber auch die Russen wandten ihre Zeit so gut als möglich an. Man sah es -gern, daß Schamil sich eine feste Burg zur Residenz auserlas, denn diese widerstanddoch keineswegs einer wohl berechneten europäischen Artillerie. So hoffte man auchvielleicht mit der Eroberung Achulkos den verwegenen Priester-Häuptling in seine Gewaltzu bekommen. Man hatte den fanatischen Geist der Kaukasier, ihre keine Grenzenkennende Tapferkeit und ihre blinde Verachtung des Todes vor Himri gesehen, unddoch waren die Russen schon nach 24 Stunden in dem Besitze der von Verzweifeltenvertheidigten Beste. Man hatte sich sehr getäuscht. Tausende russischer Soldatenwurden geopfert, Achulko fiel endlich und doch nahm von da an der Krieg eine grö-ßere Ausdehnung an; der Feind legte eine solche Krastäußerung an den Tag, wieman früher nie gesehen. Der kriegslustige General Grabbe von Stauropol übernahmden Oberbefehl. Die frühern Einfälle der Jtschkeren, der Ssolotauer und der Awu-cher (Aucher) hatten die Russen schon seit einigen Jahren bestimmt, sich an demAusgange der wichtigsten Thäler zu befestigen; so entstand die Beste Wneßapnaja(die Unverhoffte), die jetzt zum Rang einer Festung erhoben ist und für den Feldzugdes nächsten Jahres als Sammelplatz der russischen Truppen bestimmt war. Wiestark das russische Detaschement war, welches zur Eroberung Achulkos bestimmtwurde, kennt man keineswegs genau. Sechs Bataillone marschirten mit zehn Ge-schützen gegen Ende Mai von Wneßapnaja aus, verstärkten sich aber später nochdurch drei Bataillone, welche von Temirchanschura aus zur Hülse kamen und eben-falls sieben Geschütze bei sich hatten. Die Verschanzungen, welche Hadshi Taschaff inJtschkerien gegen die russische Grenze hin angelegt hatte, wurden ohne weitere An-strengungen zerstört. Die Schwierigkeiten waren größer, als der Zug durch denreich mit Schluchten und Engpässen versehenen Gau Ssolotau, der nach dem mehr-mals erwähnten hohen Berg seinen Namen hat, ging, denn nur Schritt vor Schrittwichen die Feinde oft nur erst den Kanonen. Bei Burtunai, einem großen Vortheil-haft gelegenen Dorfe erschien Schämst mit seinen Streitern, zog sich aber schon bald