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Erster Band.
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284 Schamil und der heilige Krieg im Osten des Kaukasus.

stimmte den Murschiden, die Russen von neuem zu vertreiben. Mit seinen tapferstenMüriden Achwerdü Mohamma, Kibit Mohamma von Tilitlä, Hadshi Murad n. s. w.und dem frühern awarschen Chan Abdu Nachman stand Schamil plötzlich Argu-tinsky im Rücken und schnitt ihm zum Theil die Verbindung mit Derbend und Kubaab. Zn mehren Scharmützeln blieb er Sieger. Da gelangte plötzlich die Nachrichtzu ihm, daß Grabbe auch auf der Nordseite die Feindseligkeiten eröffnet hatte. DerNaib des Tschetschen-Landes, Schwaib Mollah, hatte sich zwar mit aller Kraft demweit überlegenem Feinde entgegengesetzt, es war in den itschkerischen Wäldern eine >blutige Schlacht geschlagen worden, aber trotzdem rückte Grabbe gegen das großeund gewichtige Dorf Schuana vor und bedrohte selbst Dargo. Da eilte Schamilaufs schnellste mit seinen Mannen herbei und die Russen hatten in Kasikumück undKuräle ganz unerwartet das Schlachtfeld behauptet.

Der Kaiser war zwar im Herbst 1837 selbst in den kaukasischen Landen ge-wesen und hatte mit eigenen Augen die großen Schwierigkeiten, mit denen man dortkämpfen mußte, gesehen, aber doch begriff er den Zustand der Dinge nach der ihmso pomphaft verkündeten Eroberung von Achulko nicht. Daß sich nach einem sol-chen Siege Rußlands Einfluß im Gebirge so verringert hatte, und daß man solcheVorsichtsmaßregeln, wie die Anlegung von gegen 20 Festungen für nothwendig hielt,rief ein gewaltiges Mistrauen gegen die dortigen Leiter der russischen Angelegenheitenbei ihm hervor. Dazu kam noch, daß die so gepriesene Hahn'sche Verfassung fürTranskaukasien höchst unglückliche Folgen hatte und namentlich einige Ausstände her-vorrief. Der Kriegsminister Graf Tschernitscheff, von dem erzählt wird, daß eine ihmfeindliche Partei ihn aus der Nähe des Kaisers zu entfernen gesucht hätte, wurdebeauftragt, den Zustand der Kaukasusländer an Ort und Stelle kennen zu lernenund dann seinem Herrn darüber zu rapportiren. Russische Zeitungen haben dieSchnelligkeit gerühmt, mit der der Minister gereist ist und zählen sogar die Tau-'sende von Wersten, die Se. Excellenz zurückgelegt, mit einer gewissen Wohlgefällig-keit aus. Traurige Organe einer öffentlichen Meinung, die Das rühmen und preise»,was gerade von der Sendung am allerschlechtesten war und sie zu einer völlig nutz-losen machte. Doch was kümmerte dies jene Partei, wenn sie nur dabei ihmZweck erreichte.

Reges Leben herrschte im Jahre 1842 in allen kaukasischen Ländern. Die seitder Abreise des Kaisers vernachlässigten Straßen wurden wiederum ausgebessert unddie öffentlichen Gebäude erhielten ein neues Kleid. Der sonst außerhalb Tiflis inseinem Anzüge etwas nachlässige Offizier sah ängstlich aus seine weniger blankenKnöpfe und strich sogar seinen Schnurrbart streng nach der Vorschrift. Aus Abhülfewahrer Mängel dachte aber Niemand. General Grabbe nahm sich vor, den Chef sei-nes Ministeriums durch eine kühne That, die in nichts Geringerm als in der Erobe-rung Dargos bestehen sollte, zu überraschen. Die Tausende, welche er vor Achulkogeopfert, hatten ihm Kriegsruhm und Ehren von Seite seines Kaisers gebracht. Warumsollte er nicht von neuem und zwar bei einer so günstigen Gelegenheit Tausende rus-sischer Soldaten opfern? Es war am Ende auch gleichgültig, ob der Feind dießmordete, oder ob Krankheit sie dahinraffte. Factisch steht es fest, daß nicht leichtein russischer Soldat, der ein mal das große Gebirge erblickt hat, seine heimischeScholle wieder betritt. Er unterliegt allerdings seltener dem Feinde als vielmehrhäufiger dem mörderischen Klima. Grabbe beschloß also mitten durch die itschkeri-schen Wälder zu dringen und dort die neue Residenz Schamil's, Dargo, wegzu-nehmen. Am 29. Mai 1842 begann die Expedition von der erst im vorigen Jahreangelegten Beste Gerselaul aus, den kleinen Fluß Jakßai entlang. Schon bald be-fanden sich die Russen innerhalb der dichten Wälder, in denen die Axt des Men-schen kaum gehaust hatte. Da allerhand Gestrüpp, namentlich der orientalischen Weiß-buche, die lichter», von Rothbuchen und Eichen befreiten Stellen bedeckt, so gingder Zug nur langsam vorwärts. Das Terrain selbst war nicht weniger schwierigund die sonst von vier Pferden gezogenen Kanonen mußten häufig von Menschen