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Erster Band.
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29ü Schamil und der heilige Krieg im Osten des Kaukasus.

darf an Flinten und Säbeln für Schamil lieferten. Das Dorf ist aber auch des-halb wichtig, weil es an einem berühmten Passe liegt, der wahrscheinlich die echteAlanen - oder eigentlich Allanen-Pforte (Bab al Lan) namentlich der Orientalen ist.Ein kleiner Fluß, Bnham, der später hauptsächlich Kaitach bewässert, durchbrichthier das Gebirge. Die berühmte kaukasische Mauer geht von Deckend aus nur bishierher. Den Nüssen mußte Alles daran liegen, dieses wichtige Dorf ihrem Feindezu entreißen. Argutinsky überstieg deshalb plötzlich den unbedeutenden Gebirgsrückenzwischen dem Quellengebiet des kasikumückschen Koißu und dem des Buham undbegab sich, in dem Thale des letzter» entlang gehend, aufs eiligste nach Kuwetschi.Die bestürzten Einwohner unterwarfen sich sogleich und versprachen von nun an, in-sofern sich Argutinsky mit seinen Truppen zurückziehe und russische Soldaten sie nichtferner belästigen würden, an Schamil keine Waffen mehr abzuliefern. Die Haupt-sache war aber gerade damit erreicht und so zog sich Argutinsky ebenso schnell wie-derum zurück.

Untcrdeß hatten die Operationen in Dargo begonnen. Schamil führte hier mehreinen Euerrillaskrieg und vermied absichtlich jede Schlacht, bei der die Kanonen aufjeden Fall die Oberhand behalten hätten. Die Russen sahen sich allenthalben beun-ruhigt. Wenn sie glaubten, ein Thal Schritt für Schritt erobert zu haben, standSchamil plötzlich wieder im Rücken und hatte die zurückgelassene Besatzung wiederumvertrieben. An günstig gelegenen Orten, namentlich an Übergängen, warf er sichaber mit aller Kraft den Russen entgegen. Nach großen Opfern gelang es diesenerst, den Feind aus seiner sichern Stellung zu vertreiben. Man konnte es aber nichlverhindern, daß sich Schamil aus einem neuen Punkte, oft schon in der nächsten Nähe,festsetzte. Leider fehlen über die Eroberung Dargos alle nähern Berichte, und manweiß nur, daß es bei den Dörfern Zely und Gilly zu heftigem Kampfe kam. Wahr-scheinlich wären die Russen selbst aus Dargo wiederum herausgeschlagen worden,wenn sich nicht zwei Umstände zu ihren Gunsten ereignet hätten. In dem Treffenbei Gilly erschien nämlich plötzlich Argutinsky und stand mit seinen Leuten zum gro-ßen Schrecken der Kaukasier frischen Muthes im Rücken derselben. Dann hattendie Russen, zwar mit den größten Opfern aber nicht umsonst, versucht, unter denverschiedenen Verbrüderungen der Republik Zwietracht zu säen. Die Bewohner desreichen und blühenden Dorfes Zudakara wurden zuerst zum Verräther ihres Landes,denn sie fochten plötzlich gegen ihre eigenen Landsleute. So von Verrath allenthal-ben umgeben, zog sich Schamil Wuth schnaubend über den Koißu zurück. Daswaren die Resultate des pomphaft verkündigten Feldzugs von 18-4H die Realisirungder in einer Proklamation ausgesprochenen Worte: „Der russische Adler schwebt dro-hend über euch (Kaukasier) und er, der zu derselben Zeit dort, wo die Sonne auf-geht und dort, wo sie sich in das Meer senkt, erschaut werden kann, der über denKasbek und über den Elbruß wie über kleine Hügel dahinfliegt, wird euch allent-halben erreichen." In Rußland schiebt man jedes Mislingen dem Führer zu, undso wurde auch der „ deutsche Pedant", wie Neidhardt von den Russen genannt wurde,als unfähig wiederum abberufen. Und doch hatte gerade Neidhardt vom Anfang angegen den ihm aufgedrungenen Feldzugsplan protestirt. Ihm und seiner klugen Lei-tung verdankt man, daß nicht größeres Unglück über die Russen hereinbrach, daßdiese wenigstens einige Erfolge hatten. Seitdem sind wieder drei Jahre verflossenund man vermochte nicht einmal Das zu behaupten, was Neidhardt erobert hatte.Man hat seitdem nicht allein «icht an Terrain gewonnen, sondern sogar verloren.

1845: Woronzoff; Feldzug nach Dargo.

Graf (später Fürst) Woronzoff besaß von jeher eine Vorliebe für das ritterlicheBenehmen der Tscherkeffen und für den Orient überhaupt. Er hatte am Kaukasusseine militairische Laufbahn begonnen und später manche Mission seines Kaisers dahinnamentlich in Betreff Tscherkessiens vollbracht. Er sollte nun auch jetzt der Mannsein, der die Ruhe im Kaukasus herstellen könnte. Mit Vollmachten, wie sie bis