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Erster Band.
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Scharnil und der heilige Krieg im Osten des Kaukasus. '291

dahin Niemand besessen, ausgerüstet, ersetzte Fürst Woronzoff im Frühjahre 1845den General Neidhardt. Kein Petersburger Kricgsrath gab dem Fürsten mehr Ver-haltungsmaßregeln, denn der neue Gcueralstatthalter und Oberbefehlshaber rappvr-tirte nur unmittelbar dem Kaiser. Woronzoff hielt die ihm gestellte Aufgabe zwarfür sehr schwierig; er wußte, daß das kleine Häuflein fanatisirter Kaukafier sich nichtso leicht erdrücken ließ, daß ferner die Masse nicht allenthalben den Ansschlag gibt:aber doch nahm er den Krieg immer noch für leichter, als er später selbst einsah.General Rosen hatte 1832 durch die Eroberung Himris den damaligen Krieg geendet;Woronzoff wußte, daß der jetzige Kamps hauptsächlich von der Persönlichkeit Scha-mil's abhing, daß demnach, wenn er den Häuptling in die Gewalt bekäme, der Kriegmit einem mal erstickt werden könnte. Die größte und fast einzige Möglichkeit desGelingens lag daher in dem Falle, daß er Schamil (wie früher Grabbe in Achulko)in einer wenn auch noch so festen Burg einzuschließen vermochte. Woronzoffs haupt-sächlichstes Augenmerk war demnach auf die Residenz des Murschiden gerichtet. Da-mals residirte Schamil hauptsächlich in Dargo, einem offenen, auf einer hohen Ter-rasse gelegenen Dorfe des dicht mit Wäldern bedeckten Jtschkerien, in demselben Dorfe,welches Grabbe schon 18-42 zu nehmen versucht hatte und wobei er so unglücklich gewe-sen war. Woronzoff vermied es, denselben Weg wie Grabbe, im Thale des Jakßaiauswärts steigend, zu nehmen, sondern Umwege machend, beschloß er zuerst die rebel-lischen Stämme von Ssolotau und Gumbet zum Gehorsam zurückzuführen und dannnach Andi vorzudringen, um von hier aus endlich Dargo in Angriff zu nehmen.Eine befestigte Linie sollte dem Hauptheere die Verbindung offen erhalten und späterdazu dienen, die Gaue Gumbet und Andi zu besetzen, die Jtschkeren, Awucher undSsolotauer von den übrigen Feinden abzusperren und sie dadurch zur Unterwerfungzu bringen.

Doch bevor Woronzoff den Feldzug eröffnete, bereits aber im Norden und Nord-osten ein bedeutendes Heer schlagfertig dastand, brach Schamil mit 5000 Mann ausden itschkerischen Wäldern hervor, kümmerte sich gar nicht um die erste Fcstungslinie,und belagerte die Beste Umachan-Jurt auf dem linken User der Ssunsha, kaum einpaar Stunden von deren Einfluß in den Terck entfernt. Mit Beute reich beladenkehrte er ebenso schnell wiederum zurück, als er gekommen. Auch Daniel Beg beun-ruhigte die lesghische Linie und warf sich dann plötzlich auf den Gau Andalal, wodas große, schon oben genannte Dorf Tschoch sich von neuem den Russen unter-worfen hatte. Nach zweitägigem Widerstände nahm er dieses und schlug den FürstenOrbelian, der in aller Eile herbeigekommen war, in die Flucht. Nun wandte er sichnach Dargo (der frühern Republik) und machte dort eine ungeheure Beute, mit derer sich in das Innere Lesghistans zurückzog. Von Wnessapnaja aus eröffnete Wo-ronzvff am 12. Juni endlich den Feldzug. Lüders commandirte das tschetschische wolaus 12—16000 Mann bestehende Detaschement, Fürst Bebutoff, ein Armenier, dasum ein Drittel kleinere daghestansche Detaschement. In Hertme, einem mitten inSsolotau gelegenen Dorfe, stieß das letztere, von der Eugensfeste kommend, zu demHauptheere. Die Vertheidigung des Feindes war allenthalben schwach, denn man hattedie wichtigsten Pässe unbesetzt gelassen. Selbst das große und wichtige Dorf Bur-tunai ergab sich am sechsten Tage. Erst beim Übergang über den Ssouk-Bulak(das nordöstliche Ende des -indischen Kaukasus) beim Passe Perewal-Kirk setzte sichder Feind mit größerm Nachdruck entgegen, zog sich aber doch bald zurück. Wo-ronzoff besetzte den Paß mit acht Bataillons (drei waren schon in Hertme geblieben)und stieg in den Gau Gumbet hinab. Auch hier zogen sich die Lesghier vor demsiegreich vordringenden Ruffenhcere zurück und hatten selbst die angelegten VerhaueE burzukalschen (andischen) Paffe aufgegeben, sodaß die Russen ohne Weiteresnach dem Gau Andi vorrücken konnten. Andi war von Schamil mit Feuer undSchwert verwüstet worden, sodaß die Russen weder für ihr bedeutendes Heer nochfür die Pferde etwas vorfanden.

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