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Erster Band.
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292 Schamil und der heilige Krieg im Osten des Kaukasus.

Zn Audi erschien zuerst der Feind mit Nachdruck und beunruhigte die Russenvon allen Seiten, sodaß diese ununterbrochen unter den Waffen sein mußten. Esbefanden sich dieses mal bei Woronzoff eine Menge Gardeosfiziere aus Petersburg,die, um den Krieg kennen zu lernen, vom Kaiser an den Kaukasus gesendet waren.Diese unerfahrenen Leute hielten Alles, was sie bisher über die Tapferkeit der Kau-kasier vernommen, für übertrieben und nannten Schamil und seine Anhänger, da diesesich bis daher allenthalben zurückgezogen und sogar die festesten Positionen nach gerin-gem Widerstände verlassen hatten, Feiglinge. Doch nun sahen sie zu ihrem Schrecken,daß der schlaue Schamil ihnen in der kaukasischen Kriegskunst weit überlegen war.Schamil hatte absichtlich im Anfang nur sehr geringen Widerstand entgegengesetztund ein so großes, an viele Bedürfnisse gewöhntes Heer von über 21000 Mann nurtiefer eindringen lassen, um es desto sicherer zu verderben. Er wiederholte hier, waser bereits in Jtschkerien mit so viel Erfolg gethan hatte. Schon nach wenig Tagenwurde die Lage der Russen in Andi bedenklich. Schamil stand auf den Höhen, welchesüdlich Andi vom Gau Technuzal trennen und Assal genannt werden, und griff vonhier aus die Russen an. Woronzoff zog aus, um den Häuptling zu vertreiben, undes kam zu einem erbitterten Kampfe, aus dem sich die Lesghier plötzlich heulend undschreiend nach Technuzal zurückzogen. Aber auch dieser Kampf und noch mehr dieFlucht erwies sich als eine Kriegslist, denn Hadshi Murad ließ unterdeß die Besatzungam burzukalschen Paffe über die Klinge springen. Von hier aus war derselbe Mü-nde dem Fürsten Bebutoff, der einen großen Transport nach Andi zu bringen hatte,entgegengezogen und hatte diesen so aufs Haupt geschlagen, daß die Russen die mei-sten Proviantwagen im Stich lassen und sich eiligst nach Perewal-Kirk zurückziehenmußten. Von Stunde zu Stunde sahen die Russen in Andi ihre bedenkliche Lagemehr ein. Zwar bemächtigte man sich wiederum der burzukalschen Pässe und legtedaselbst eine Befestigung an, aber trotzdem verhinderten die Lesghier alle Zufuhr.Woronzoff scheint sogar ein mal entschlossen gewesen zu sein, umzukehren, aber einfalsches Ehrgefühl hielt ihn davon ab. Drei Wochen lang war der Oberfeldherrgezwungen, in Gogatl, wo er sein Lager aufgeschlagen hatte, zu bleiben und sichgegen die fortdauernden Angriffe zu schützen. Ebenso lang hatte Woronzoff keineNachricht von sich gegeben.

Am 16. Juli kam erst so viel Proviant an, daß Woronzoff den Feldzug wie-derum fortsetzen konnte. Der Gau Jtschkerien liegt nördlich von Andi und zieht sichauf den nördlichen Abhängen des andischen Gebirges bis zu der kumückschen Ebenehin. Andi breitet sich gerade im Süden genannten Gebirges bis zu dem andischenKoißu aus und bildet einen 1— 5 Stunden im Durchmesser enthaltenden Kessel.Der Weg über das Dorf (Aul) Dargo, welches im äußersten Süden Jtschkeriens un-weit der Quellen des Jakßai liegt, durch Jtschkerien war unbedingt viel naher, alsderjenige, den man bereits zurückgelegt hatte. Gogatl wurde befestigt und dem tap-fern Obrist Belgard zur Vertheidigung übergeben, während Fürst Bebutoff die 11Bataillons der Verbindungslinie befehligte. Mit 11 Bataillons Infanterie und viel-leicht 2—3000 Mann anderer Truppen brach russischen Berichten nach Woronzoffam 18. Juli von Gogatl aus, um zunächst den Rücken des andischen Gebirges, dashier den Namen Retschel führt, zu übersteigen. Auf dem Nordabhange des Retschelbeginnen die Wälder, und von uralten Buchen umgeben liegt dort die Residenz Scha-mil's, Dargo. Die Höhe des Gebirges wurde ohne weiter» Widerstand erreicht.Nun aber erschien Schamil mit seinen Streitern und warf sich mit solcher Machtauf die Russen, daß diese sich nur durch das engste Aneinanderschließen retten konn-ten. Verhaue und Barrikaden folgten aufeinander und jede derselben mußte mit denBayonneten genommen werden, denn mit den Kanonen konnte man gar nichts aus-richten. Mit dem Säbel in der Faust stürzte sich oft ein Kaukasier nach dem andernselbst in das Centrum des russischen Heeres und metzelte schonungslos nieder, wasihm entgegentrat, bis auch er getroffen todt niedersank. Alle Vorräthe hatte Scha-mil aus Dargo wegschaffen lassen und die Russen fanden, als sie endlich in dem