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Erster Band.
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294 Schamil und der heilige Krieg im Osten des Kaukasus.

den Rücken des Gebirges zurückzuziehen. Daniel Beg versperrte aber den Russenden Weg und so waren diese gezwungen, noch weiter westlich nach dem Gebirgskesselder Didos, in dem der östliche Quellfluß des andischcn Koißu entspringt, zu gehenum von hier aus über das Gebirge zu gelangen. Aber auch hier vermochte Schwarznicht aus der gewöhnlichen Straße seine Absicht auszuführen. Mit unendlichen Schwie-rigkeiten erreichte er endlich die Höhe des Gebirges und marschirte in dem Thale,an dessen Ausgange das kachische Dorf Schild! liegt, abwärts nach Kachien.

Wie viel die Russen in dem Jahre 1845 und namentlich auf der Expeditionnach Dargo verloren haben, kann man sich wol denken, man erfährt aber nichtsSicheres darüber, da namentlich russische Berichte mit kaum glaublicher Unverschämt-heit von Siegen sprechen, wo fürchterliche Niederlagen stattgefunden. Wo Tausendegeblieben sind, werden kaum einige 20 Todte angegeben, während umgekehrt der sie-gende Feind Hunderte und Tausende auf dem Schlachtselde zurückließ. Nach ihreneigenen Berichten haben die Russen in ihren Bulletins mehr Feinde erschlagen, alsdas Land Einwohner hat. Die Russen waren im Herbst desselben Jahres so ermü-det, daß sie an weiter keine Expedition dachten; die Kaukasier hingegen entwickelteneine Thätigkeit, die sich namentlich in Einfällen aus russischem Gebiet kund that.Gerselaul wurde, wenn auch vergebens, belagert. Im Angesicht der bedeutendenFestung Temirchanschura nahm Schamil einen bedeutenden Transport weg und führteihn ins Gebirge. Die frühere Republik und jetzt russische Provinz Dargo widerstandzwar den Emissären Schamil's, wurde aber eben deshalb großen Verheerungen Preisgegeben. Der Feldzug nach Dargo hatte Woronzoff, einem gewiß einsichtsvollen undtapfern Befehlshaber, die Augen geöffnet, er stellte jedoch dem Kaiser in einer Unter-redung in der Krim vergeblich die Unausführbarkeit fernerer Unternehmungen, wiedie nach Dargo war, vor. Der Kaiser meinte jedoch, daß man jetzt mit den Erfah-rungen des vorigen Feldzugs leichteres Spiel hätte und daß ein Feldzug nach Weben,der neuen Residenz Schamil's in der östlichen Tschetschna, bedeutendere Resultategeben müßte. Woronzoff gab ungern seinem Herrn nach. Der Plan zu demneuen Feldzuge wurde entworfen, und Alles im Frühjahre 1846 vorbereitet, umihn möglichst glücklich zu vollenden. Da brach Schamil zwei Vertheidigungslinienzum Trotz aus den tschetschischen Wäldern hervor und verhöhnte das ganze kaukasischeHeer der Russen.

1846: Einfall in die Kabarda.

Die Russen hatten in den Wäldern des Tschetschenlandes mehre Jahre hin-durch viele Niederlagen erlitten, weshalb Woronzoff jetzt ihrer Vernichtung seine Auf-merksamkeit zuwendete. Er ließ Schwefel und Pech aus Odessa kommen; aber schondie ersten Versuche belehrten ihn, daß Laubholz keineswegs so leicht niederzubrennenist, als die harzreichen Nadelwälder des Nordens. Der Oberbefehlshaber beschränktesich schon bald auf das Aushauen einzelner berüchtigter Stellen, aber auch hier gingdie Arbeit so langsam von statten, daß es den Russen außerordentlich wenig Vortheilbrachte. Schamil setzte nicht den geringsten Widerstand entgegen, und überließ es denBewohnern der zunächst liegenden Dörfer, die Russen dabei zu beunruhigen. ImFrühjahr 1846 kamen gegen 8000 Mann neue Truppen an. Woronzoff hatte aber,um alle Regimenter wieder zu vervollständigen, 20000 Mann verlangt; aus diesemVerlangen kann man ungefähr ersehen, daß Feind und Epidemien im Jahre 1845eine gleiche Summe Nuffen weggerafft hatten. Im Mai 1846 langte der Ober-befehlshaber auf der Linie an. Es wurden alle Vorkehrungen getroffen, um dieExpedition nach Weben zu beginnen, um sie möglichst glanzvoll zu vollenden. AlleDctaschements standen marschfertig da, als das bereits schon oben angedeutete Er-eigniß eintrat. Man hatte in den Wäldern der Karabulaken, eines tschetschischenStammes an der untern Aßai, ebenfalls eine Straße von ein paar Stunden Längegehauen; durch diese brach Schamil am 11. Mai plötzlich mit 10000, nach an-dern Nachrichten mit 20000 Mann Reitern und Fußgängern hervor, beküm-