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Erster Band.
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Schamil und der heilige Krieg im Osten des Kaukasus. 295

merte sich gar nicht weiter um die erst gegründete Ssunsha-Linie, und stand plötz-lich jenseit des Terek an der Stanitza (Kosackendorf) Uruch. In wenig Stunden wardiese zerstört. Das herbcigeeilte Corps des Obrist Leffkowitsch wurde so wenig beach-tet, daß Schamil zum Schutz der Übergangsstelle nur einige Reiter zurückließ. DerEngpaß des Karadagh, eines unbedeutenden Gebirgsausläufers, der die oßische Ebenevon der Kabarda scheidet, war trotz der beiden am Ein - und Ausgange liegendenBesten alsbald im Besitz Schamil's, der die günstige Lage benutzte, um raubend undplündernd einen Theil der Kabarda zu durchziehen und eine Menge Dörfer nieder-zubrennen. Viele Kabarder schloffen sich ihm an und sein Heer erhielt eine bedroh-liche Stärke. Damit drang er endlich nach Naltschik, der Hauptveste des Centrumsvor, versuchte aber vergebens, sie zu erobern. Sechs Tage blieb er in deren Naheund verheerte nach allen Seiten hin das Land.

Die Nüssen kamen unterdeß von allen Seiten herbeigeeilt um Naltschik zu retten;man begreift aber nicht, warum man ihm nicht zuvor den Rückweg abschnitt. Maumuß in der That annehmen, daß die Russen sich dazu zu schwach fühlten und vorallem nur dahin strebten, den gefürchtetcn Häuptling wieder los zu werden. An«19. Mai entließ Schamil sein Fußvolk, welches ungehindert in seinen dichten Wäldernankam, während er selbst mit seinen Reitern bis Jekaterinograd, am Einflüsse derMalka in den Terek, Verheerungszüge machte. Mit ungeheurer Beute gab Schamilendlich seine Stellung bei Naltschik auf, zog östlich nach der kleinen Kabarda, undschob die Obristen Jljinsky und Möller-Sakomelsky, die ihm den Übergang über denTerek streitig machen wollten, ohne Weiteres auf die Seite. Mit einer Schnellig-keit, welche die Russen selbst in Erstaunen setzte, war er an der Ssunsha angekom-men, überschritt diese und war alsbald in seinen Wäldern geborgen. Der Einfallin die Kabarda ist unbedingt die kühnste That, nicht allein die Schamil ausgeführt,sondern auch die überhaupt am Kaukasus geschehen. Hauptsächlich mag den Häupt-ling der Gedanke geleitet haben, den Tscherkessen, die bisher alle Verbindungen mitihm abgelehnt hatten, zu zeigen, welche Macht ihm zu Gebote stände. Die Nach-richt dieser großen That verbreitete sich auch rasch nicht allein über den ganzen Kau-kasus, sondern erregte auch auf türkischem Gebiet, namentlich bei den Bewohnerndes polnischen Gebirges, große Freude. Die Tscherkessen suchte Woronzoff dadurchnicht umsonst zu beschwichtigen, daß er den Sklavenhandel frei gab; in Betreff derTürken aber machte man in Konstantinopel Reclamationen.

Die Expedition nach Weben kam unter solchen Umständen gar nicht zu Stande,zumal auch sonst sich die Einfälle der Kaukasicr häuften. Woronzoff hielt es zunächstfür nothwendig, die schwache innere oder Ssunsha-Linie noch mehr zu verstärkenund legte wiederum einige Besten an, während er die schon vorhandenen verstärkte;auch einige Kosackendörfer sollten angelegt werden. Wiederum nahm Schamil untcr-deß einen bedeutenden Transport in der Nähe von Temirchanschura weg, und die vonden Ssolotauern hart bedrohte Eugensveste wurde nur mit Mühe gerettet. Die un-glückliche Provinz Dargo war am meisten den Plünderungen ausgesetzt. Zudakaraund ein großes Stück Dargos, welches westlich vom kasikumückschen Koißu liegt, wur-den erobert und die Einwohner des zuerst genannten Dorfes in das Innere des Lan-des geschleppt. Ebenso fiel das erst von den Russen befestigte Dorf Gergebil in dieHände Schamil's; damit hatte sich dieser auch im Süden des mechtulischen Cha-nats festgesetzt. Zm Spätherbst standen die Feinde sogar wiederum vor Tarku undzogen sich mit Beute reich beladen erst sehr spät zurück. Im Süden scheint es eben-falls ernstliche Kämpfe gegeben zu haben, aber leider sind die Berichte darüber außer-ordentlich mager. Argutinsky schreibt sich mehre Siege zu, aber es ist wahrschein-licher, daß er sich wenigstens erfolglos zurückziehen mußte. Der Hauptkampf scheintm der Nähe des Turtsthi-Dagh, eines Berges, aus dem einerseits der kasikumückscheKoißu und andernkheils der Ssamur seine Quellen erhält, gewesen zu sein. DaSChanat Kasikumück muß auch im Norden ernstlich bedroht gewesen sein, denn, nach-dem Argutinsky m dem lesghischen Gau Kaißeruch (Tleßeruch) namentlich bei dem