296 Schaun! und der heilige Krieg im Osten des Kaukasus.
Dorfe Ssalta eine empfindliche Schlappe erhalten, mußte er sich eiligst östlich in dasGebiet des frühern kasikumückschcn Chan zurückziehen, da die Lesghier dort eingefallenwaren. Es kam zwischen ihm und Daniel Bcg bei dem Dorfe Chosrad zu einerSchlacht, in der die Nüssen sich den Sieg ebenfalls wiederum zuschreiben.
1847: Belagerung von Gergebil; Eroberung von Ssalty; Schlußbcmerkungen.
Im vorigen Jahre (1847) endlich dachten die Nüssen weniger an neue Erobe-rungen als vielmehr daran, die unterbrochene Verbindung zwischen dem ChanateKasikumück und Temirchanschura wiederum herzustellen. Schamil hatte aber auchseinerseits die Wichtigkeit dieser Unterbrechung erkannt und die beiden Dörfer Ssaltyauf der rechten Seite des Kura- und Gergebil auf der rechten Seite des kasikumück-schen Koißu und nicht weit von der Stelle, wo der erstere sich mit dem lehternverbindet, auf eine ihm eigenthümliche Weise befestigt. Das Terrain ist dort einwellenförmiges Hochland, in dem namentlich die größer» Flüsse in tiefer Schlucht jfließen. Die unbedeutenden Höhenzüge mit breitem Rücken bieten durch zerklüftete >Felsenpartien, durch eine Menge isolirter Kuppen eine natürliche Vertheidigung dar,wie man sie übrigens im Kaukasus nicht selten findet. Auf solchen zerklüfteten Felsen-parthien liegt Ssalty, (nicht mit Ssalta ttn Gau Tleßeruch zu verwechseln), aufmehr isolirter Kuppe hingegen Gergebil. Beide Orte sind kaum mehr als dreiStunden voneinander entfernt, während die Strecke von Ssalty bis Kumück gegen 14,von Gergebil bis Temirchanschura gegen 16 Stunden betragen mag. Sich wiederum lin den Besitz der ganzen Strecke von Kumück bis Temirchanschura zu setzen, und des-halb die beiden Dörfer Gergebil und Ssalty, die zu gleicher Zeit die Brücken überdie in ihrer Nähe liegenden Flüsse beherrschen, zu erobern, das war die Aufgabe, >welche sich Woronzoff für den Feldzug von 1847 gestellt hatte. Man sieht, dasman russischerseits keineswegs mehr hochfahrende Plane auszuführen suchte; die bei- 'den verflossenen Jahre hatten vor allem den Oberfeldherrn überzeugt, daß Schamilauf seinem Terrain selbst einer großen Übermacht gegenüber ein bedeutungsvoller, gewich-tiger Feind sei. Woronzoff war auch darauf bedacht, eine schnellere Verbindung zwi- ^sehen Tiflis und den östlichen Provinzen, namentlich mit Kumück und dem zur Gou- !vernementsstadt erhobenen Derbend herzustellen, da man bis jetzt bedeutende Umwege imachen mußte. Er gab deshalb Befehl, daß die alte Handelsstraße von Derbendnach dem Innern Georgiens und nach Tiflis wiederhergestellt würde, und sandte >die nöthige Mannschaft ab, um von Nuchi über den gegen 8000 Fuß hohen Ssa- 'walat-Dagh einen fahrbaren Weg zu bauen. Von da führt die Straße im Thaledes Ssamur durch die unterworfenen lesghischen Gaue Achti und Rutul weiter, über-schreitet die unbedeutende Höhe zwischen diesem Flusse und dem Gürgürehtschai, umin das Thal des letztem zu „gelangen. Östlich geht es dann weiter nach Derbend,südlich nach Kumück. Am Übergangspunkte zu dem letztem und dem Turtschi-Daghscheint eine hohe Terrasse zu liegen, welche von nun an der Sammelplatz der Russenzu werden scheint; denn auch Woronzoff zieht sich nach dem vereitelten Versuche,Gergebil zu erobern, während die Cholera im Kaukasus, namentlich in den russischenLagern wüthet, auf das gesünder liegende Plateau des Turtschi-Dagh zurück und beginntspäter von da aus die Expedition nach Ssalty. Professor Abich, der seit mehrenJahren sich schon in den kaukasischen Landen aufhält, entdeckte hier ein reiches Stein-kohlenlager, sodaß aus einmal dem großen Holzmangel im kasikumückschen Chanateabgeholfen wurde, und die Russen nun auch im Winter, wo sie sonst durch die Kältesehr gelitten hatten, hier stationirt werden konnten.
Am 18. Mai wurde der erste Feldzug eröffnet. Es galt dem befestigten DorfeGergebil. Fürst Bebutoff, Chef des daghestanschen Detaschements, zog am genanntenLage von Temirchanschura aus und schlug im Süden vier Stunden von Gergebil,in Chodshal-Machi, sein Lager auf. Aber auch auf der Nordseite wurden die Dör-fer Ogly und Aimeki besetzt. Unterdeß war auch der Oberbefehlshaber, Fürst Wo-ponzoff, angekommen, um in eigner Person die Operationen zu leiten. Die Berg?