Band 
Erster Band.
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310 Der Socialismus und Commumsmus in Frankreich.

da? diese Besonderung der Einzelwirthschaften gerade Dasjenige ist, was das Lebenaller Menschen so ungemein kostspielig macht. Wie viel geht nicht verloren beimDetailhandel, beim eigenen, vereinzelten Backen, Bauen, Kochen, Waschen! Das Alleswird in Gemeinschaft vorthciihafter getrieben. Die neuen Gesellschastungen treten zu-sammen; sie bilden, damit alle Triebe ihre gehörigen Vertreter haben, Genossenschaf-ten von 1800 — 2000 Personen zusammen. Diese Genossenschaften sind innerlichdurch die Serie der Triebe untereinander geordnet; jeder ist frei, denn er folgt inseinen Verbindungen, seinen Thätigkeiten, seiner Lebensweise nur dem eigenen Triebe.Eine solche Genossenschaft heißt die „lllmiangs". Sie erbaut sich ein großes Haus,einen Gemeindepalast, als Wohnung und Arbeitshaus, nebst Vorrathskammcrn fürAlle. Hier sind Zimmer und Werkstätten für alle möglichen Classen, Neigungen,Thätigkeiten; gemeinsam aber sind die Speisezimmer, die Kinderzimmer, Wasch - undKochanstalten, Vorrathskammcrn, vor allem aber die höchst eigenthümlich ausgedachteErziehung der Kinder. Daneben gemeinsame Spaziergänge, und in der Mitte einThurm, von dem aus die Signale der Arbeit gegeben werden. Das ist das „kirs-lsnstsrs". In ihm herrscht ewiger Frieden, ewiges Glück; denn was kann der Menschmehr fodern als eine volle und ungestörte Befriedigung aller seiner Wünsche und Nei-gungen? Und hier findet er sie, ohne Nahrungssorge, ohne unliebe Arbeit, ohneVerdruß von seiner Umgebung, denn er wählt nur Die, zu denen sein Trieb ihntreibt. Die Phalange aber wird reich und reicher; die Nachbarn sehen ihr Glück;sie werden ihm nicht widerstehen, und neue Phalangen bilden sich allmälig ringsum.Endlich bedeckt sich die ganze Erde mit ihnen; sie treten selbst wieder als einzelne inAccvrden und Serien zusammen. Jede Phalange bildet ein Ganzes unter einemUnarche; je 4, 12, 48 werden wieder Ganze, wie unsere Staaten. Alle aberbeherrscht der Omniarch, der in Konstantinopel residirt. Wenn diese allgemeineOrganisation der Menschheit in Phalangen vor sich gegangen, erscheint am Nordpol-ein Lichtstrom, das Eis schmilzt in Sibirien, Platanen und Orangen blühen an denUsern des Weißen Meers, in den Steppen Sibiriens, und die Erde geht hinüberin den Zustand der wahren, vollen, verwirklichten Harmonie.

Dies ist das System Fourier's in seinen kürzesten Grundzügen. Es ist klargenug, daß dasselbe ebenso sehr theoretischen Zweifeln als leichtfertiger Ironie Raumgibt. Allein dennoch ist es von der höchsten Bedeutung zuerst dadurch, daß es dasPrincip der Association an die Spitze aller Mittel zur Abwendung der drohendenGefahren stellt, und zweitens, daß es den Gedanken einer harmonischen Arbeit zumersten mal ausgesprochen hat. Das Letztere ganz besonders ist ein wesentlicher Fort-schritt vor allen ähnlichen Versuchen; es hat jenes System dadurch die Lebensfrageunserer heutigen Gegensätze berührt, und darf daher mit Recht auf den Namen,den es sich am liebsten beilegt, der „soisuos socialo", der gesellschaftlichen Wissen-schaft, Anspruch machen, wenn man es darum auch noch keine Wissenschaft der Ge-sellschaft nennen kann. Zn jedem Falle war es beiweitem logischer und systemati-scher als der St.-Simonismus; fern von religiöser Sektirerei, war es bestimmt, derNachfolger der ersten socialen Schule zu werden. Im Anfang freilich wurde Fou-rier's Lehre gänzlich übersehen. Nur Just Muiron versuchte schon 1814 in einem„Communal-Comptoir" eine Gesellschaftung für ländliche Besitzungen herbeizuführen.Allein die Sache hatte keinen Erfolg. Auch die Jahre von 1820—30 gingenvorüber. Der St.-Simonismus nahm Alles, was sich an der gesellschaftlichen Fragebetheiligen konnte, für sich in Anspruch. Erst mit dem Falle dieser Schule wardRaum für Fourier. Ein Theil der St.-Simonisten wandte sich ihm zu; man über-trug nach französischer Art die Hoffnungen, welche das eine System nicht hatte ver-wirklichen können, mit der ursprünglichen Energie auf das neue. Jules Lechevalierund Abel Transon erklärten ihren Übertritt; ein reicher Deputirter, Baudet Dulary,gab Geld her; die junge Schule errichtete ein Organ, die „klml-msters" (1832), undin Condö-sur-Vesgres ward sogar mit der Ausführung der Fourier'schen Idee derAnfang gemacht. Allein hier hatte man mehr versprochen als man halten konnte;