Der Socialismus und Communismus in Frankreich. 315
Kampf der niedern Classen gegen die Hähern ist. Es wird darum durchaus nöthig sein,dieses Wort aus einen bestimmten Inhalt zurückzuführen. Man kann zunächst mitjenem Ausdruck einen rein theoretischen Sinn verbinden. In diesem Falle bezeichnet derCommunismus den ganzen Umfang derjenigen Theorien und Ansichten, welche ein-fach durch die Aufhebung des persönlichen Eigenthums und die absolute Gemeinschaftder Güter die Freiheit und Gleichheit der Menschen verwirklichen wollen. Allein ganzoffenbar genügt dieser Sinn nicht. Es gibt keinen rein theoretischen Communismus.Er ist mitten aus dem Leben hervorgegangen und steht in der Mitte, des Lebens,als ein geistiges Glied der materiellen Bewegungen: und darum muß er als solcheserfaßt werden. Kein Land aber hat ihn in ähnlichem Maße ausgebildet wie Frank-reich. Der französische Communismus ist die Exemplification des Communismusüberhaupt, und darum wird man es mit uns für richtig halten, wenn wir dem fran-zösischen Communismus unsere erste und vorzüglichste Aufmerksamkeit zuwenden. DerAugenblick, in welchem der französische Communismus plöhlich entsteht und uns als einGanzes entgegentritt, ist zugleich derjenige, in welchem er seinen definitiven Charakterannimmt. Es ist der Zeitpunkt, der nach der dritten französischen Konstitution mitdem Jahre 1795 eintritt. Wir haben früher gezeigt, wie mit diesem Jahre sichdas Proletariat von der besitzenden Gesellschaft scheidet und zum Bewußtsein seinerStellung kommt. Von da an zieht sich bis auf die heutige Stunde ein nie ruhen-der Kampf der untern Classen gegen die obern durch die französische Geschichte.Dieser Kamps ist während einer langen Zeit ein bloßer Kampf um die Staatssorm,ein republikanischer Kampf. Im Laufe der Zeit kommt es dem Proletariat zumBewußtsein, daß es neben der Staatssorm noch andere Bedingungen für die Erhe-bung der niedern Classen gebe, und daß die erste dieser Bedingungen der Besitz einesgewissen Vermögens, eines gewissen Einkommens sei. Von da an wird der Kampfdes Proletariats ein Kampf in der Gesellschaft, und die Staatssorm wird zum blo-ßen Mittel, um entweder die bestehende Gesellschaft aufrecht zu erhalten, oder dieneue einzuführen. Daß nun dabei eine Menge der verschiedenartigsten Gedankenzum Vorschein kommen mußten, ist natürlich; ebenso natürlich aber, daß sie alle einematerielle Verbesserung der Lage des Proletariats wesentlich durch einen neuen Grund-satz über das Verhältniß von Capital und Arbeit aufstellen, der bei allen entwederdahin ausläust, das Capital oder das persönliche Eigenthum gänzlich aufzuheben,oder doch es der Arbeit zu unterwerfen. Alle diejenigen Bewegungen nun, welchevon diesem Standpunkt aus theils gegen die bestehende Staatssorm, theils gegen diebestehenden Verhältnisse der Gesellschaft gehen, faßt man zusammen unter der Be-zeichnung des Communismus. Nichts ist aber gerade in dieser Beziehung lehrreicher alsdie Geschichte des französischen Communismus. Es wird dieselbe um so wichtiger,als die neueste Revolution gezeigt hat, daß dieselbe eine ungemeine Macht besitzt, unddaß wir Alle wol noch die Frage werden entscheiden sehen, ob das Proletariat un-serer Tage die geistige Fähigkeit hat, auf das Erreichbare sich zu beschränken, oderob es sich und die ganze Gesellschaft in den furchtbarsten aller Kämpfe, den gesell-schaftlichen Bürgerkrieg stürzen wird, einen Kampf, in welchem es niemals siegen kann.
Babeuf und der Babeufismus.
Wirst man einen Blick auf die erste Revolution Frankreichs, so erscheint inden ersten Abschnitten derselben die Einheit aller Stände als der Haupthebel allerBewegungen. Diese Einheit hat ihren tiefern Grund in der gemeinsamen Überzeu-gung, daß die freie Staatssorm die Voraussetzung aller Entwickelung des Bestenund Edelsten in der Nation sei. Allein iip diesem Kamps um die frei: Staatssormist das Proletariat entstanden. Es beginnt dasselbe unter Robespierre zu einer Höheder Gewalt zu gelangen, die es nur in den ungeheuersten Zeiten der Geschichte ge-habt hat. Wenig gewohnt, etwas Anderes als das unmittelbar Gegenwärtige zubegreifen, erkennt es plötzlich aus seiner neuen republikanischen Höhe, daß es von denhohern Ständen durch etwas Anderes als durch das reine Staatsrecht geschieden ist.