Der Socialismus und Communismus in Frankreich. 323
Es ist keine Frage, daß dieser theoretische Communismus eines der wichtigsten Mo-mente in den neuern Bewegungen Frankreichs geworden ist. Nicht als ob geradedieser utopische Jcarismus seiner Verwirklichung näher gekommen wäre, sondern weiler dem Proletariat zuerst ein Bewußtsein über sein sociales Ziel und über das ein-zige Mittel, dasselbe zu erreichen, gegeben hat- Cabet bezeichnet den Punkt, wo dieIdee der Republik im Arbeiterstande zu einem Mittel für die Idee einer neuen gesell-schaftlichen Ordnung geworden ist,, und von diesem Gesichtspunkt aus muß der Antheilbetrachtet werden, den seine Lehre an den neuesten Bewegungen gehabt hat.
Zu dieser neuesten Revolution, die in den Februartagen hereinbrach, bildet diedritte Seite des Proletariats den Übergang; man kann sie als die reformistische bezeich-nen. Die sogenannten kvkormistss unter den Arbeitern unterscheiden sich von denCabetisten wesentlich, daß sie keiner exklusiven Theorie huldigen, von den Lgslitairssaber dadurch, daß sie das Mittel der Gewalt nicht anwenden wollen. Sie sind wedereine Schule noch eine Verbindung; sie bilden die Masse der Gebildeten unter denArbeitern. Sie stammen zum Theil von den Republikanern her, insofern als siedie Wahlreform zu ihrem gemeinsamen Princip gemacht haben, zum Theil aber auchvon den Socialisten und Communisten, insofern als sie eine Verbesserung der Lagedes Proletariats der neuen Staatssorm zur Aufgabe stellen. Man muß sich ebendeshalb unter diesen Reformisten keine bestimmte Classe oder Abtheilung des Prole-tariats denken; sondern man kann etwa alle Diejenigen hinzu rechnen, die ernsthaftund selbständig über die Lage ihres Standes nachgedacht haben. Das Organ dieserganzen Richtung ist das Blatt „I^tslisr", das anfänglich blos die innern Angele-genheiten des Arbciterstandes besprach, bald aber zu einem wichtigen Organ für dieganze sociale Richtung des Proletariats wurde. Unter seinen Verfassern sind vieleArbeiter; es ist bekannt, daß der vormalige Secretair der provisorischen Regierung,Albert, Arbeiter und zugleich Mitarbeiter am „^tolisr" war. Indessen hatte dieseganze Richtung der Reformisten bis auf die neueste Zeit keine rechte Macht, geradeweil sie sich weder in einem System noch auch in einer Verbindung centralisirte;sie hat daher erst zur Bedeutung kommen können, indem sie sich in ihrer Weise denpolitischen Bewegungen der neuesten Zeit zuwandte. Diesen aber, nämlich der fran-zösischen Februarrevolution, hat sie mächtig vorgearbeitet.
Wir müssen nun noch zum Schluß kurz versuchen, den Zusammenhang des bisherDargestellten mit den letzten Bewegungen in Frankreich darzulegen. Freilich sindwir der innigsten Überzeugung, daß es unmöglich ist zu sagen, welchen Ausgangdiese Bewegungen nehmen werden; aber man vermag doch den Knotenpunkt zu be-zeichnen, vor dem diese Entwickelung steht, und die Wege nachzuweisen, auf denendieselbe bis zu ihm hingelangt ist. Niemand ist fähig, die Lösung der großenFrage selbst zu geben; aber wir glauben, daß Manches schon gewonnen ist, wennsie klar vorliegt. Mit der Julirevolution war hauptsächlich Eine Thatsache für dasStaatsleben Frankreichs gegeben. Jene eigenthümliche Ehrfurcht vor dem Throne, diedas Königthum unter allen Dingen am stärksten macht, weil sie es über alle Par-teistreitigkeiten erhebt, war gebrochen. Das Volk, welches die Krone in seinen Hän-den gehabt und sie mit freier Wahl einem Andern übertragen hatte, sah sie als seinEigenthum an, über das es auch ferner verfügen könnte. Der neue Fürst dagegenwendete sich bei seiner Thronbesteigung dem Princip der Legitimität zu, dem Grundsatz,nach welchem die Krone als eine über jeden Volkswillen erhabene Gewalt dastand.Volk und Fürst waren daher von Anfang an in einem schneidenden Gegensatz. Al-lem der König war zu klug, um nicht zu begreifen, daß es ihm gänzlich unmöglichsein werde, das alte, halb kindliche Verhältniß zwischen Fürsten und Völkern wieder-herzustellen. Er konnte und wollte seinen Thron nicht, wie es die Restauration ge-than, auf den trügerischen Glauben gründen, daß er sich allein dadurch werde erhal-ten können. Was blieb ihm in solchen Zeiten übrig? Es war klar, daß man dieKrone jetzt nur noch dadurch schützen konnte, indem man sie mit der herrschenden
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