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Erster Band.
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Die Realschulen oder höher» Bürgerschulen.

Beyer'sche Idee stichhaltig ist, nicht lieber die Gymnasien ein klein wenig umgestaltetwerden, damit sie zugleich die Stelle eines solchen Realgymnasiums vertreten, istfreilich schwer zu begreifen. Mehrfach ist auch die Realschule von dem Gymnasiumso unterschieden worden, daß dieses die antike, jene dagegen die moderne Bildungzu vermitteln habe. Am schärfsten ist unsers Wissens dieser Gedanke von dem Di-rector der Handels- und Gewerbschule (hohem Bürgerschule) in Magdeburg, Ledebur,auf der Versammlung der Realschulmänner zu Mainz ausgesprochen worden. *) NachLedebur soll die Realschule ihre Schüler hauptsächlich dazu bilden, daß sie mit um-fassendem und tiefem Blick die Weltlage zu erkennen und zu verstehen vermögen.Um diesen Zweck zu erreichen müssen sie besonders durch neuere Sprachen, vornehm-lich auch durch die französische und englische, gebildet und in die neuern Literatureneingeführt werden. Mathematik und Naturwissenschaften treten bei dieser Ansichtin die zweite Linie. Endlich müssen wir noch des neuesten Versuchs, die wesentlicheAusgabe der Realschule zu bestimmen, hier gedenken. Ein Ungenannter in der„Deutschen Vierteljahrsschrift"**) versucht nämlich die Aufgabe wieder auf die ei-gentliche Bürgerbildung zurückzuführen. Die vaterländische Bildung durch Einführungin die mustergültigen deutschen Schriftwerke, in die deutsche Landes- und Staaten-kunde, in die deutsche Geschichte müsse der Kern der Realschulbildung werden, anden alles Übrige, was dem gebildeten Bürger zu wissen und zu können nöthig sei,sich anzuschließen habe. Aus fremde neuere Sprachen legt er kein großes Gewicht,und Mathematik und Naturwissenschaften will er nicht über Das, was in unsererZeit für die allgemeine Bildung erfodert wird, ausgedehnt wissen.

Nach diesem Allen ist klar, wie die wissenschaftliche Idee der Realschule gegen-wärtig noch in voller Entwickelung begriffen ist und noch längere Zeit brauchen wird,ehe sie zu einem vorläufigen Abschluß kommen wird. Darum würde es auch unnützsein, hier auf eine weitere Kritik der verschiedenen Ansichten einzugehen. Nur aufdie Hauptrichtungen, welche in den verschiedenen Anschauungsweisen von der Real-schule sichtbar hervortreten, mag hier noch hingewiesen werden. Zwei solcher Haupt-richtungen fallen zunächst in die Augen. Die Mehrzahl nimmt die Realschulen,ähnlich wie die Gymnasien, vorzugsweise als Vorbereitungsanftalten auf Fachschulen,eine Minderzahl scheint dagegen geneigt, ihnen eine mehr selbständige Stellung fürdie Bildung der künftigen Glieder des sogenannten höhern Bürgerstandes anzuweisen.Nach einer andern Seite hin legen Manche größeres Gewicht auf Sprachen und dieethischen Wissenschaften, Andere auf die exacten Disciplinen, Mathematik und Na-turwissenschaften. Endlich wird von den Meisten dem Nealschulunterricht ein stren-gerer wissenschaftlicher Zweck und Charakter zugeeignet, während Einige dabei stehenbleiben, daß die Realschule, soweit ihr scientifischer Zweck reicht, lediglich mit Aneig-nung wissenschaftlicher Kenntnisse in planmäßiger Weise es zu thun habe. Über dasVerhältniß des formalen und materiellen Bildungszwecks in Realschulen herrschtgegenwärtig wol kein Widerstreit, indem allgemein anerkannt ist, daß beide sich fort-während gegenseitig durchdrängen müssen. Ebenso scheint man darüber einverstandenzu sein, daß die ideale Bildung über der realen keineswegs vernachlässigt werden dürfe.

Wenn wir bisher die wissenschaftliche Entwickelung der Idee der Realschule inden letzten zwei Jahrzehnden in der Kürze dargelegt haben, so müssen wir nun denBlick auf die Wirklichkeit richten, um zu sehen, wie in ihr jene Idee sich gestaltethat. Schon vor dem Jahre 1832 waren in mehren größern Städten höhere Bür-gerschulen oder Realschulen entstanden, aber seit diesem Jahre schritt in Folge deroben erwähnten provisorischen Jnstruction, die in Preußen erlassen wurde, und desdurch die Steigerung der Industrie und die Regungen des Bürgerthums hervorge-

) Vgl. „Officieller Bericht über die Verhandlungen der zweiten Versammlung für deutsches^ieal- und höheres Bürgerschulwesen, gehalten zu Mainz vom 29. Sept. bis 3. Oct. 1846."Logischen Zeitung" besonders abgedruckt (Lpz. 1847).

) „Die deutsche Realschule", im Jahrg. 1848, April- bis Juniheft.