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Erster Band.
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Die Realschulen oder höhern Bürgerschulen.

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Unterrichtsgegcnständen finden sich in allen norddeutschen Realschulen: Religion, Geo-graphie und Geschichte, Mathematik, praktisches Rechnen, Physik, Naturgeschichte,Deutsch, Französisch, Zeichnen, Schreiben, Singen. Das Englische wird in vielen,das Italienische nur in einigen (z. B. Aachen, Köln, Elberscld) gelehrt. Die Me-chanik oder Technologie ist selten (z. B. in Elberscld und Brcslau), Chemie in fastallen, das Latein aber in den meisten aufgenommen. Die lateinische Sprache inRealschulen hat bekanntlich ein eigenes Geschick gehabt. Die preußische Jnstructionvom Jahr 1832 machte die Erlangung eines Maturitätszeugnisses von der Kenntnißim Lateinischen nicht gerade abhängig, stellte es aber doch als einen in die höhereBürgerschule gehörigen Gegenstand hin. Die höhern Bürgerschulen in Preußenmußten hiernach das Latein in ihre Lehrplane aufnehmen, aber es wurde wol nurselten mit Lust und Eifer betrieben, und die Abiturienten erlangten in den meistenFällen in diesem Gegenstände nicht den Grad von Ausbildung, welcher in der Jn-struction für die Reife vorgeschrieben war. Dies veranlaßte den Minister Eichhorndurch Ministerialbeschluß vom 30. Dec. 1841 zu verordnen, daß künftig nur Die-jenigen ein Zeugniß der Reife erhalten sollten, welche im Lateinischen den vorge-schriebenen Grad von Kenntniß und Fertigkeit nachwiesen. Ungeachtet dieser Ver-ordnung, und obgleich in dem Regierungs-Schulrath Landfermann in Koblenz unddem Professor Kalisch an der Königlichen Realschule in Berlin das Latein in Real-schulen warme Vertheidiger fand, wurde doch die Opposition gegen dasselbe unter denpreußischen Reallehrern selbst immer größer, und die Realschulmänner-Versammlun-gen in Meißen und Mainz erklärten sich nach heftigen Debatten immer energischerdagegen, sodaß es jetzt als gefallen zu betrachten ist. Besondere Umstände nur kön-nen seine Aufnahme als außerordentlichen und facultativen Unterrichtsgegenstand recht-fertigen, in der Idee der Realschule findet es aber keine Stelle mehr. Anders istes mit dem Englischen gegangen. Obgleich noch nicht in alle Realschulen aufgenom-men, und da, wo es sich findet, zur Zeit meist facultativer Lehrgegenstand, hat dochdie Mainzer Versammlung es als in der Idee der Realschule begründet erklärt.

Es kann nicht geleugnet werden, daß die Lehrplane der Realschulen zuviel Ge-genstände enthalten, und selbst viele Reallehrer klagen darüber. Dennoch wollten inder Versammlung zu Mainz Einige sogar noch empirische Psychologie, Anthropolo-gie, Technologie, Astronomie für nothwendige Lehrgcgenstände erklärt haben, vermoch-ten aber mit dieser nicht gerechtfertigten Federung nicht durchzudringen. Nach einerübersichtlichen Zusammenstellung der Lectionsplane mehrer Realschulen (in dem 4.Hefte der „Programmenrevue" vom Jahre 1846) ergibt sich, daß das Verhältniß dessprachlichen zu dem wissenschaftlichen Unterricht in den verschiedenen Anstalten einsehr schwankendes ist. Das für den Sprachunterricht günstigste Verhältniß findetsich in der Königlichen Realschule in Berlin, wo auf 100 Sprachunterrichtsstundennur 99 Stunden wissenschaftlichen Unterrichts kommen. Dagegen kommen in Halleauf 100 Sprachstunden 181 Stunden Unterricht in den Wissenschaften. In denübrigen Schulen schwankt das Verhältniß zwischen diesen beiden Extremen. In derhöhern Bürgerschule zu Siegen, die nur fünf Classen hat, ist das Verhältniß dersprachlichen zu den wissenschaftlichen Lehrstunden gar wie 100 zu 82. Nicht min-der verschieden ist die Stundenzahl, welche in den Realschulen mit sechs Classen deneinzelnen Lchrobjecten wöchentlich gewidmet sind. Das Deutsche hat 23 — 40, dasFranzösische 15 — 34, das Englische 4—12, Geschichte und Geographie zusammen18-27, die Mathematik 12 — 31, die Physik 3 — 8, die Naturgeschichte 6—16,das Zeichnen 9—26 wöchentliche Stunden. In der Religion, dem praktischen Rech-nen, dem Schreiben und Singen ist die Ungleichmäßigkeit minder groß. Die Ee-sammtzahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden ist in der sechsten Classe 25 — 36,in der ersten 33-—36. In Hinsicht der Auswahl des Unterrichtsstoffs finden sichgroße Abweichungen. Die preußische Jnstruction federt hierin schon viel, und wennauch manche nichtpreußische Realschulen hinter diesen Anfoderungen zurückbleiben, sogehen auch andere in und außerhalb Preußen sogar darüber hinaus. Dies geschieht