340 Die Realschulen oder höher» Bürgerschulen.
gleicher Stuft steht. Das SchulgeL soll 16 Gulden jährlich nicht übersteige». Diehöher» Bürgerschulen stehen gleich den gelehrten Mittelschule« unter der Oberaufsichtund Leitung der obern Studienbehörde, jede hat aber einen besondern Jnspector, derkein Lehramt bei ihr verwaltet und sie in Lehre und Zucht beaufsichtigt. Niemandkann als Lehrer bei einer Hähern Bürgerschule angestellt werden, der nicht I) eineStaatsprüfung in den zur Übernahme der Lehrstelle, für die er bestimmt werden soll,erfoderlichen Kenntnissen erstanden hat und Jüchtig befunden worden ist; 2) dabei sichwenigstens über eine dreijährige praktische Übung an einer öffentlichen oder Privat- >anstatt oder durch Ertheilung von Privatunterricht ausweist. In der Regel sollendie Hauptlehrcr akademische Studien gemacht haben, die Lehrer im Rechnen, Schön-schreiben und Gesang aus der Zahl der Volksschulamtscandidaten genommen werden.
Der Unterricht in der Mathematik, Physik, Naturgeschichte und im Zeichnen kannEewerbschulcandidaten übertragen werden. Nach diesem Plan hat sich nun das hö-here Bürgerschulwcsen in Baden seit 1834 nach und nach entwickelt und gestaltet.Zuerst wurden in den größern Städten, z. B. Heidelberg, Manheim, Karlsruhe,Freiburg, höhere Bürgerschulen errichtet, die aber über ähnliche Mangel, wie dienorddeutschen, namentlich darüber Klage führen, daß die meisten Schüler bald nachihrer Konfirmation die Anstalt verlassen, ohne Rücksicht darauf, bis zu welcher Stufeder Schulbildung sie gelangt sind. Allmälig wurden auch in fast allen kleinernStädten höhere Bürgerschulen, wenn auch in geringerer Ausdehnung, eingerichtet.
Im Großherzogthum Hessen wurde mit der Neugestaltung des Rcalschulwesens imJahre 1833 begonnen, indem bis dahin nur in Darmstadt und Mainz ärmlich einge-richtete städtische Schulen für realistische Zwecke bestanden. Dieser Staat hat jetztdrei Provinzial-Realschulen zu Darmstadt, Mainz und Gießen, wovon die letztereerst 1837 begründet worden ist. Die Unterrichtsgegenstände sind die gewöhnlichen ^der norddeutschen Realschulen, wozu noch Buchhalten und Bossiren, Letzteres nur inMainz und Gießen, als außerordentliche Lehrgegenstände hinzutreten. Das Englischeund das Latein sind eben wol nur facultative Lehrgegenstände. Diese Provinzial-Real-schulen haben vier Classen und Schüler von 10 —15 Jahren, die von da entwederin praktische Berufsarten oder auf die höhere Gewerbschule übergehen. Sie werdentheils aus Staats-, theils aus städtischen Mitteln erhalten, haben ziemlich besetzteClassen und sind mit Lehrmitteln gut versehen. Das Schulgeld beträgt außer einemkleinen Beitrag für die Bibliothek jährlich nur 12 Gulden. Außer den Kreis-Real-schulen bestehen noch Realschulen zu Offenbach, Michelstadt und Bingen, wovon dieerstere den Kreis-Realschulen ziemlich gleichsteht, die zweite nur drei, die letztere nurzwei Classen hat. Auch diese Schulen erhalten Zuschüsse aus Staatsmitteln. Seit1842 besteht auch in Worms eine Realschule in Verbindung mit dem Gymnasium.
Die höhere Gewerbschule in Darmstadt bildet eine Art höherer Realschule, da sieebenfalls eine allgemeine Bildungsanstalt mit näherer Berücksichtigung der für dieIndustrie wichtigen Wissenschaften ist. Im Herzogthum Nassau bestanden kleinereRealschulen, ähnlich denen in Würtemberg. Im Jahre 1845 kam die Reorganisationderselben zur Sprache, und es wurde in Wiesbaden ein Realgymnasium errichtet,welches sich die allgemein wissenschaftliche Vorbildung Derjenigen, die sich einem ^technisch-praktischen Beruft widmen und zu demselben unmittelbar übergehen, oderihre Studien auf einer Fachschule fortsetzen wollen, zur Aufgabe machen soll. Eshat drei Classen und steht in Verbindung mit der städtischen Vorbereitungs- undmittlern Realschule.
Seit anderthalb Jahrzehnden hat, wie aus dem Vorhergehenden ersichtlich ist,das Nealschulwesen einen gewaltigen Aufschwung genommen, ungeachtet der Gegen-strebungen, welche von manchen Seiten versucht wurden. Es ist dies ein Beweis,daß die Idee dieser Schulen einem praktischen Bedürfniß entgegenkommt, oder daß sieaus dem wirklichen Leben sich erzeugt hat. Selbst die frühern Gegner der Real-schulen haben sich gezwungen gesehen, dieselben als nothwendig anzuerkennen. Dodie Gymnasien, wenn sie vor einigen Jahrzehnden ihre philologische Beschränkung
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