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ger- und Realschule. Zudem bestehen nicht überall bestimmte Vorschriften über diePrüfung der Bewerber für Realschulstellen, und wo deren vorhanden, da find siegewöhnlich nicht ausreichend, um Einseitigkciten zu verhüten. Selbst in Preußenund Sachsen scheinen diese Vorschriften noch nicht völlig geeignet zu sein, um derRealschule Lehrer, zu sichern, wie sie gebraucht werden.
Ein großes Übel in Realschulen bildet ferner das Vielerlei in den Lehrplanenund die allzu wissenschaftliche Form des Unterrichts. Es ist fast unglaublich, wasAlles ein Realschüler bis zum 15. und 16. Lebensjahre lernen und sich aneignensoll: drei, wo nicht gar vier Sprachen, Mathematik bis in die hohem Theile, Physik,Chemie, Naturgeschichte, Geographie, Geschichte u. s. w. Und man begnügt sichdabei nicht etwa mit wissenschaftlichen Kenntnissen aus diesen Gegenständen, sondernder Schüler soll sogar alle in streng wissenschaftlicher Aufeinanderfolge, in systemati-scher Anordnung sich aneignen, soll den Grund, Zusammenhang und die Einheit vonAllem erfassen. Eine Ausgabe, die etwa für das 20. Lebensjahr geeignet ist,wird jungen Menschen zugemuthct, die kaum aus dem Knabenalter herausgetretensind. In der That, die Realschulen, wie sie jetzt zum großen Theil bestehen, hetzenund quälen ihre Schüler weit mehr ab als die Gymnasien, und überladen sie mitLchrstunden und Arbeiten auf eine zum Himmel schreiende Weise. Wer hier helfenkönnte, würde sich den Dank der Jugend verdienen. Außerdem muß gerügt wer-den, daß die vaterländische Bildung bisher in den Realschulen nicht, wie sie es ver-dient, hervorgehoben worden ist. Diese Anstalten sollten sich viel mehr, wie seither,zu Pflanzstätten volksthümlicher Gesinnung, der Vaterlandsliebe und des bürgerlichenEemeingeistes erheben. Unter dem frühern Druck einer thörichten Politik war diesfreilich nicht möglich, aber in dem freien Staatsleben, das uns jetzt aufgeht, dürfendie Realschulen hinter den Federungen der Zeit nicht mehr zurückbleiben. Viele Real-schulen sind zwar im Besitz aller Mittel, welche zu einem gedeihlichen Unterrichtgehören; viele aber befinden sich noch in zu ärmlicher Ausstattung, als daß sie ihrerAufgabe in angemessener Weise genügen könnten. Lieber sollte man sich da, wo dieersoderlichen Mittel nicht beschafft werden können, mit einer tüchtigen Bürgerschulebegnügen. Nicht minder endlich ist es ein Übelstand, daß viele Lehrer an Realschu-len noch durchaus unzureichend besoldet sind, welches Loos freilich auch viele Gym-nasiallehrer mit ihnen theilen.
Den Realschulen liegt eine schöne Zukunft offen, denn alles Das, was ihrenBegriff bisher noch umhüllt, wird im Lichte der neuen Zeit schwinden, Sie werdenes aufgeben, Beamtcnschulen zu sein; sie werden die lächerliche Eitelkeit abwerfen,sich nur als Vorbildungsanstaltcn für höhere Schulen oder gar für die Universitätzu betrachten. Sie werden sich an das Volk und den freien Staat anschließen, ih-ren Beruf in der höhern Bürgerbildung finden und Das ausschließen, was nichtdazu gehört, Alles aber hereinziehen, was die Bildung des freien Bürgers stützen,fördern und vollenden kann.
David Friedrich Strauß.
§^er Name von David Friedrich Strauß ist seit längerer Zeit wol nur Wenigen unterden Gebildeten in Deutschland, fast kann man sagen in Europa, unbekannt, und selbstunter dem Volke hat er eine Berühmtheit erlangt, wie sie einem Gelehrten selten zuTheil wird. Vor 13 Jahren war das noch anders. Als 1835 das „Leben Jesu"(2 Bde, Tüb.) erschien, hatten wol wenige Abhandlungen in Zeitschriften die Aufmerksam-keit der Gelehrten dem Verfasser zugewendet; aber nur seine nähern Bekannten und dirzahlreichen Zuhörer seiner tübinger Vorlesungen redeten schon damals mit begeisterterHochachtung von dem seltenen Talent, der gründlichen Gelehrsamkeit und den Muster-