Band 
Erster Band.
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David Friedrich Strauß.

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haft lichtvollen Vortragen des jungen Mannes, der im Jahr 1804 in LudwigS-burg geboren, und in den würtembergischen Lehranstalten gebildet, damals die Stelleeines Repetenten (Studienaufsehers) an dem evangelisch-theologischen Seminar inTübingen bekleidete, und zugleich die ihm gebotene Gelegenheit benutzte, um die vonihm selbst mit wenigen Freunden durchforschte Hegel'sche Philosophie durch seine Vor-lesungen in dem weitem Kreise des tübinger akademischen Publikums einzuführen.Durch das Aufsehen, welches die genannte Schrift erregte, wurde Strauß in weni-gen Monaten ganz Deutschland bekannt. Wenn jedoch die Kühnheit seines Auftretensund die Meisterschaft seiner Kritik bewundert wurde, so waren die Ergebnisse dersel-ben von der Art, daß sie von den Meisten nur mit Abscheu, fast von Allen mitMistrauen und lauter Mißbilligung ausgenommen wurden. War die evangelischeGeschichte, in früherer Zeit der Gegenstand des zweifellosesten Glaubens, schon seitJahrzehnden in vielen Einzelheiten vom Rationalismus in Frage gestellt worden, sorichtete sich hier der Zweifel gegen den ganzen Körper derselben, oder wenigstens gegenso viele und so wichtige Theile dieses Körpers, daß von dem Ganzen nach Abzugdes Angezweifelten nur ein äußerst mageres Gerippe übrig blieb. Hatte die bisherigeKritik zwar den äußersten «Rahmen des Lebens Jesu, die Erzählungen von seinerGeburt und Kindheit auf der einen, seiner Himmelfahrt auf der andern Seite unterden Gesichtspunkt des Mythus oder der Sage gestellt, auf allen dazwischen liegendenPunkten dagegen im Wesentlichen wirkliche, höchstens in Nebenzügen durch sagen-hafte Ausschmückung oder schriftstellerischen Pragmatismus entstellte Geschichte zubesitzen sich überredet: so eröffnete Strauß sein Werk mit der Erklärung, daß dasMythische auch in den Kern dieser Geschichte mit aller Macht eindringe, daß zwi-schen den meisten Erzählungen aus dem spätern Leben Jesu und denen aus seinerKindheit in Beziehung auf Glaubwürdigkeit oder Unwahrscheinlichkeit kein wesentlicherUnterschied stattfinde. Hatten bisher Supranaturalisten und Rationalisten die Geschicht-lichkeit unserer Evangelien mit wenigen Ausnahmen zugegeben, und nur über dernatürlichen oder wundergläubigcn Auffassung ihres Inhalts sich entzweit, so schloßStrauß: da die Evangelisten allerdings — nach der Behauptung des Supranaturalis-mus — Wunder berichten und Wunder berichten wollen, da aber diese Wunder inder Wirklichkeit, worauf der Rationalist mit Recht dringt, unmöglich vorgekommensein können, so lassen sich jene Berichte überhaupt nicht als Geschichte, sondern nurals Dichtung betrachten. Erdichtet, aber nicht von Einzelnen in der bewußten Ab-sicht, ungeschichtliche Vorstellungen über die Thaten und Schicksale Jesu zu verbreiten(diesen von den frühern deistischen Gegnern des Christenthums unsern Evangelistenschuldgcgebenen Betrug findet Strauß weder an sich selbst wahrscheinlich, noch durchden Charakter ihrer Erzählungen angezeigt), erdichtet wären sie vielmehr durch diereligiöse Phantasie des Volks, welche der wirklichen Geschichte Jesu, ihr selbst un-bewußt, eine sagenhafte substituirt hätte, getrieben theils durch den natürlichen Wunsch,die Person und die Thaten des Religionsstifters in einem möglichst glänzenden Lichterscheinen zu lassen, theils durch das Bestreben, die Geschichte des christlichen Messiasmit dem im Alten Testament und der jüdischen Zeitvorstellung gegebenen wunderbarenMessiasbild in möglichst vollständige Übereinstimmung zu bringen. Diese drei Bestim-mungen: daß die evangelischen Erzählungen, oder doch ein großer Theil dieser Erzäh-lungen, fürs erste nicht wirkliche Geschichte seien, sondern Dichtung; daß diese Dich-tung zweitens nicht das bewußte Werk Einzelner sei, sondern das absichtslose Er-zeugniß der christlichen Gemeinde als einer Gesammtheit, christliche Volkssagc; daßdieselbe drittens ihrem wesentlichen Inhalt nach weder durch historische Erinnerun-gen noch durch freies Spiel der Phantasie, sondern durch ideale, oder genauer, dog-matische Gesichtspunkte bestimmt sei: diese drei Merkmale sind es, welche den Begriffdes Mythus und der mythischen Ansicht von der evangelischen Geschichte ausmachen,^n der rücksichtslosen Durchführung, der gewandten, scharfsinnigen und gelehrte«^egrundung, der meisterhaften Darstellung dieser Ansicht liegt die eigenthümlicheBedeutung des Strauß'schen „Lebens Jesu".