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Erster Band.
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452 Die deutsche Kriegsflotte.

Zeit Wieder vielfach besprochen worden. Sollte dasselbe, wie die Interessen der Donau-staaten es erfodern, zur Ausführung kommen, so würde dadurch die russische Donaumün-dung auf ähnliche Weise umgangen werden, wie der dänische Sund durch den Eider-kanal und wie die holländischen Rheinmündungen durch den Emskanal. Das mächtigeEngland hat im Mittelmeere (Malta), an dem Thore der Herculcssäulen (Gibraltar), ^kurz an allen Punkten, wo es die Interessen seines Handels ersodern, kleine Länder ^und gute Hasenplähe errungen, um sie zu Kriegsflottenstationen zu benutzen. Es Imuß darum auch Deutschlands Bestreben sein, auch in der Gegend der Donaumün-dung eine solche Station zu erringen. Diese Donaustation ist ein nothwendiger Theilder vollständigen Entwickelung der deutschen See- und Handelsmacht, zu der die !Keime in der natürlichen Beschaffenheit unsers Landes liegen. Bei dem Verfall undder Theilung der Türkei, die vom Schicksale beschlossen scheint, gebührt uns derKriegshafen von Varna oder ein anderes Stück Festland der Nachbarschaft, auf demwir uns einen ähnlichen Kriegshafen bauen können, um unsern Donaugewässernund den Waaren, die sie mit sich führen, ihre natürliche Bewegung zu sichern.

Besitzen wir die zur Herstellung und Ausrüstung einer Flotte nöthigen Materialien? Werdenunsere Wälder namentlich tüchtiges Schiffsbauhol; gewähren? Wird sich zur Unterhaltung einer IFlotte nicht auch unsere Gewerbsthätigkeit entsprechend organisiren müssen? !

Obwol wir nirgend wie Konstantinopel mit einem Goldenen Horn, das alsein wundervoll vollkommener Kriegshafen schon von den Alten gepriesen ward, geseg-net sind, so scheint es uns doch an keinem der vier uns berührenden Meere durchausunmöglich zu sein, tüchtige oder wenigstens leidliche Seestationen zu gewinnen. Eswürde sich also nun um die übrigen zu einer Flotte nöthigen Ersoderniffe handeln.

In der That wäre es nichts weniger als rathsam und politisch, wenn sich die Grön-länder plötzlich in den Kops setzen wollten, eine Kriegsflotte zu bauen. Sie haben '

kein Holz, und müßten die Rippen und Knochen der Walfische zu Schiffsrippen und-Balken gebrauchen. Sie haben keinen Hanf und Segeltuch, und müßten sich der ^

Seehundsfelle als Segel, feinverflochtener Hautstreifchen als Stricke, der Binsen oder !

Lederstreifen zum Nähen bedienen. Auch haben sie kein Eisen, und aus Fischgräten ^

und Haizähnen und Muscheln müßten sie ihre Nadeln, Sägen, Äxte, Enterhaken -

und Spieße und andere Instrumente und Flottenkriegswerkzeuge machen. Gleichenwir Deutsche aber etwa jenen armseligen Robbenfängern? Oder sind wir nicht viel-mehr im reichlichen Besitz alles Dessen, was zu der Zusammensetzung von Schiffennöthig ist? Haben wir nicht von allen Völkern und Staaten des westlichen und mitt- ,lern Europa die besten Waldungen? Sind wir nicht namentlich in neuerer Zeit diebesten Baumzüchter und Waldwirthschafter geworden? Ist nicht unser Hans undFlachs nach dem russischen von bester Qualität? Und geben nicht unsere steierischenEisengruben und unsere andern Bergwerke in Fülle Kupfer und Eisen, die in Güte ^nur wenigen in Europa weichen? Und wären denn damit nicht die vornehmsten Stoffe,aus denen eine Flotte besteht, genannt? Holz zum Schwimmen, Flachs zum Segeln,Eisen als Klammern, Hanf zum Verknüpfen, Kupfer zum Bedecken.

Sind unsere Berge auch nicht wie der Libanon mit Cedern, dem wundervollstenaller Schiffsbauhölzer gekrönt, so ist unser Vaterland doch das Land der Eichen, diean Güte den Cedern zunächst stehen, und von denen jetzt, nachdem die alte phöni-zische Marine alles Ccdernholz verschleift hat, allein noch die Rede sein kann. Dennwenn die Engländer zu Zeiten aus dem harten Teakholze, und die Spanier gar ausdem soliden Mahagoni Schiffe bauen, so geschieht dies doch nur ausnahmsweise.*)

Wir haben bessere Eichen als die Amerikaner, deren Holz in England und auch inAmerika selbst weit geringer geschätzt wird als das unserer Wälder. Auch die Eichender Russen stehen weit unter den unseligen, da sie in einem feuchten nnd kaltenKlima, welches diesen Bäumen nicht zusagt, wachsen. Die Eiche wächst in allen

*) Es gab noch vor kurzem in der spanischen Marine ganz aus Mahagoni gebaute Schiffe.